Von Frauen aus aller Welt

Betroffene Frauen erzählen direkt und persönlich davon, wie sie Verfolgung  in ihrem eigenen Leben erlebt haben - Lebensläufe, die unter die Haut gehen. 

Die Erlebnisberichte geben einen persönlichen Einblick in den Alltag von Frauen der verfolgten Kirche. Sie zeigen Leid, aber auch Hoffnung und den Willen, trotz allem im Glauben an Jesus treu zu bleiben. 

Nicht selten zeigen uns die Frauen durch ihre persönlichen Erlebnisse Möglichkeiten und Perspektiven auf für den Umgang mit unseren eigenen Herausforderungen.

Hee-Yol: Gefangen in Nordkorea

Heute lebt Hee-Yol* in Südkorea als freie Frau. Wer sie sieht, würde nie vermuten, dass sie ein Opfer des Menschenhandels und eine nordkoreanische Gefangene war.

Damals in den 90er Jahren herrscht in Nordkorea eine schlimme Hungersnot. Auf der Suche nach Essen überquert Hee-Yol heimlich die Grenze. Doch in China erwartet sie ein schreckliches Schicksal. Sie fällt in die Hände von Menschenhändlern. Über diese Zeit sagt sie: «Mein Leben war einfach elend.»

Wie ein Tier

Eine Chinesin koreanischer Abstammung hilft ihr zu fliehen. Diese Frau erzählt ihr auch zum ersten Mal von Christus. Nie zuvor hat Hee-Yol gehört, dass es einen Gott gibt! Bald besucht sie regelmässig die Gottesdienste und findet zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus. Einige Jahre lebt sie illegal in China, bis sie in den 2000er Jahren von der Polizei aufgegriffen und nach Nordkorea zurückgeschafft wird.

Dort wird Hee-Yol wegen illegalen Grenzübertritts zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. «In Nordkorea bekommt man jedes Mal eine Bescheinigung, wenn man Vieh verkauft. Als ich ins Gefängnis kam, musste ich mit meinem Fingerabdruck eine solche Bescheinigung besiegeln. Ich dachte: ‹Jetzt bin ich ein Tier.›» Die Umstände im Gefängnis sind schlimmer, als sie erwartet hat. Jeder Tag ist eine Qual. Die kleine Zelle teilt sie mit rund 50 anderen Insassen. Die übelriechenden Latrinen sind im selben Raum, in dem sie schlafen. Die Gefangenen werden von Ungeziefer gequält und im Winter von der Kälte. In der Zelle schreit Hee-Yol aus tiefster Not zu Gott und bittet ihn, sie aus diesem grauenhaften Ort zu retten. Als das nicht geschieht, beginnt sie an Gott zu zweifeln. In der Kirche in China war immer davon gepredigt worden, dass Gott rettet und dass er unsere Hoffnungen erfüllt. Dass Gott seine Kinder auch durch tiefe Täler gehen lässt, davon war in jener Gemeinde nie die Rede.

Anders als die anderen

Unter den Gefangenen herrscht Misstrauen, denn sie werden von den Wächtern dazu angehalten, einander auszuspionieren. Doch Lydia, eine der Gefangenen, mit denen Hee-Yol die Zelle teilt, ist anders als die anderen. Manchmal verkriecht sie sich unter ihrer Bettdecke. Keiner weiss warum. Bis Hee-Yol eines Tages feststellt, dass Lydia betet. Voller Erstaunen erkennt sie, dass es in ihrer Zelle noch eine weitere Christin gibt! Hee-Yol wartet einige Tage bis sie in einem unbeobachteten Moment auf Lydia zugeht. Sie nähert sich ihr vorsichtig, damit niemand anders bemerkt, was sie ihr zuflüstert: «Im Namen Jesu beten wir, Amen.» Lydia erstarrt und sieht sie mit grossen Augen an. Beide freuen sich unglaublich! Dann beten sie gemeinsam. Hee-Yol hält fest: «Ohne Lydia hätte ich das Gefängnis nicht überlebt.» Lydia spricht mit ihr oft über verschiedene Texte aus der Bibel und erklärt ihr, dass sie Gott trotz allem vertrauen sollen.

Es gibt nur wenig zu essen. Die Gefangenen sind immer hungrig. Alle sind unterernährt. Jeder schaut nur für sich, ausser Lydia. Sie teilt ihre wenigen Nahrungsmittel mit den Kranken. Hee-Yol erinnert sich: «Die Liebe Gottes war in ihrem Leben klar sichtbar.»

Endlich frei!

Trotz aller Widrigkeiten überlebt Hee-Yol das Gefängnis. Durch ein Wunder kommt sie nach zwei Jahren frei und muss nicht die ganzen vier Jahre absitzen. Doch in Freiheit fühlt sie sich in Nordkorea auch ausserhalb der Gefängnismauern nicht. An Gott zu glauben ist in diesem überwachten Staat strengstens verboten. Sie betet, dass ihr die Flucht nach Südkorea gelingt, damit sie ihren Glauben in Freiheit leben kann. Gott schenkt das Gelingen und sie kommt sicher in Südkorea an.

Wie Sklaven

Häufig denkt sie an Lydia. Diese wurde kurz nach Hee-Yols Freilassung als christliche Spionin angezeigt und in ein Lager für politische Gefangene geschickt. Hee-Yol meint: «Wenn sie erfahren hätten, dass ich auch an Gott glaube, wäre ich ebenfalls beschuldigt worden, eine Spionin zu sein. Mein Herz leidet jedes Mal, wenn ich mich an Lydia auf dem kalten Boden der Zelle erinnere. Bitte betet für die Menschen in Nordkorea. Nordkoreanische Bürger sind wie Sklaven.»

* Name geändert

Auszug Heft Frauen Fokus Nr 101

Nisreen aus Syrien: Essen gesucht – Jesus gefunden

Nisreen hat ein strahlendes Lachen im Gesicht. Das war nicht immer so. Jahre zuvor hat sie sogar versucht, aus Verzweiflung Selbstmord zu begehen.

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Nisreen ist in den Vierzigern und Mutter von vier Kindern. Obwohl sie aus einer muslimischen Familie kommt, fühlt sie sich schon seit ihrer Kindheit zum christlichen Glauben hingezogen. Sie meint: «Ich habe die Christen beobachtet und fand ihr Verhalten besser als unseres.»

Die langen Kriegsjahre haben dazu geführt, dass viele syrische Familien verarmt sind. Auch Nisreens Familie geht es nicht anders. Auf der Suche nach Essen steht sie eines Tages vor der Tür einer unserer Partnerkirchen. Dort werden Lebensmittel an Bedürftige verteilt, egal ob es Muslime oder Christen sind. – Doch Nisreen erlebt eine Enttäuschung. Die Verantwortlichen wollen keine neuen Leute registrieren, denn sie haben keine Mittel, um weitere Familien in dem Hilfsprojekt aufzunehmen. Zwölf Tage später versucht Nisreen es erneut. Sie ist vollkommen verzweifelt, denn ihre Kinder haben nichts zu essen. Der ehrenamtliche Helfer gibt ihr ein Lebensmittelpaket. Obwohl die Christen in Syrien unter Verfolgung leiden, ist es dem Mann ein Bedürfnis, mit Nisreen über den Glauben zu reden. Irgendwann meint sie: «Du sagst, dass Jesus für alle Menschen gekommen ist. Kann ich auch eine Nachfolgerin von Jesus werden?» An dem Tag nimmt Nisreen Jesus in ihr Leben auf.

Sie fängt an, regelmässig in die Gottes­dienste zu gehen. Weil sie mehr erfahren will, besucht sie zudem einen Jüngerschaftskurs. Auch alle ihre Kinder entscheiden sich für ein Leben mit Jesus. Mit Ausnahme der Schwiegermutter ­akzeptiert die erweiterte Grossfamilie ihren Glaubenswechsel überdurchschnittlich gut. Nisreen möchte in der Zukunft selber Jüngerschaftskurse leiten und anderen das Erlernte weitergeben. /

Auszug September-Oktober 2020 – Frauen Fokus Magazin

Bild: Der Mitarbeitende einer Partnerkirche registriert Bedürftige für die Abgabe von Lebensmitteln.

Sitora aus Zentralasien: Gebete sind entscheidend

Sitora* aus Zentralasien ist erst 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal Verfolgung erlebt. Im Jahr 2016 ruft Open Doors zum Gebet für sie auf. Einige Christen sind seither treu in der Für­bitte für sie engagiert.

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Im April 2016 betet die junge Frau mit muslimischem Hintergrund zum ersten Mal zu Jesus Christus und übergibt ihm ihr Leben. Zwei Monate später lässt sie sich taufen. Kurz darauf fängt die Verfolgung an. Ihr älterer Bruder erfährt von ihrem neuen Glauben und schlägt sie brutal zusammen. Ihr Körper ist übersät mit Blutergüssen, ihr Gesicht ist geschwollen und die Nase gebrochen. Sie müsste dringend ins Spital. Aber Sitoras Bruder erlaubt niemandem von der Familie, sie da hinzubringen.

Doch Gott erhört die Gebete vieler Christen und schenkt, dass sie sich körperlich wieder gut erholt. In den kommenden Monaten wird Sitoras Tun streng von ihrem Bruder kontrolliert. Er versucht, sie zum Islam zurück zu bekehren und schlägt sie wiederholt. Es ist ihr nicht möglich, eine Kirche zu besuchen. Halt findet Sitora bei Jesus und bei ihrer Grossmutter, die ebenfalls zum christlichen Glauben gefunden hat. Gemeinsam lesen sie manchmal heimlich in der Bibel.

Ende 2017 wird Sitora von ihren muslimischen Verwandten gezwungen, einen Muslim zu heiraten. Seither lebt sie in einem abgelegenen Dorf. Es ist schwierig, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Denn soweit wir wissen, ist sie in diesem Dorf bisher die Einzige, die an Jesus glaubt. In der Zeit der Corona-Krise ist ein Besuch völlig unmöglich. Das Wichtigste, das wir für sie tun können, ist für sie zu beten. /

*Name geändert

Auszug Juli-August 2020 – Frauen Fokus Magazin

Bild: Sitora

 

Tamima aus Äthiopien: Ein Traum verändert ihr Leben

Tamima* ist das siebte Kind und einzige Mädchen einer wohlhabenden muslimischen Familie. Heute ist sie 20 Jahre alt. Vor zwei Jahren hat sie Jesus in ihr Leben aufgenommen. Das hat ihr Leben auf den Kopf gestellt.

Im Jahr 2017 bereitet sich Tamima auf die Schulabschlussprüfungen der zehnten Klasse vor. In dieser stressigen Zeit hat sie während einer Woche jede Nacht denselben Traum: Jesus ruft sie, zu ihm zu kommen. Der Traum beunruhigt sie und sie erzählt ihrer Mutter davon. Als der Vater sie den Namen Jesus aussprechen hört, weist er Tamima streng zurecht. Auch der Imam rügt sie und verbietet ihr, zu weiteren Leuten über ihren Traum zu sprechen.

Nach Abschluss ihres Schulexamens begegnet sie auf der Strasse einem Mann, der öffentlich über Jesus predigt. Dieser Mann war früher selber Moslem. Tamima kommt mit ihm ins Gespräch und lässt sich in die Kirche einladen. Als Muslimin ist es ihr verboten, sich für eine andere Religion zu interessieren. Trotzdem besucht sie bald regelmässig heimlich christliche Gottesdienste. Ihrer Familie erzählt sie weder davon, noch von ihrer Taufe oder dem Jüngerschaftstraining.

Eines Tages findet einer ihrer Brüder heraus, dass sie in die Kirche geht. Er erzählt der Mutter, dass Tamima den Islam verraten hat. Mit einer Axt und einem Messer gehen die beiden auf sie los. Sie wollen sie umbringen. Durch ein Wunder gelingt Tamima die Flucht. Eine christliche Familie gewährt ihr Unterschlupf. Sie besitzt nur die Kleider, die sie am Leib hat. Der Verlust ihres privilegierten Lebens und die Trennung von ihrer Familie schmerzen sie sehr. Sie hat nichts, ausser Jesus. In dieser Situation hat Tamima an einem Programm von Open Doors teilgenommen. Durch Besucherinnen aus dem Ausland wurde sie ermutigt und in ihrem Glauben gestärkt. /

*Name geändert

Auszug März-April 2020 – Frauen Fokus Magazin

Bild: Tamima und eine Teilnehmerin der Open-Doors-Reise