Kasachstan
Flagge
Regierungschef
Qassym-Schomart Toqajew
Bevölkerung
18 777 000
Christen
4 852 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik


Überblick

In Kasachstan nehmen seit 2010 unter Nursultan Nasarbajew die diktatorischen Maßnahmen zu: Das sind eine zunehmend repressivere Politik, strengere Kontrolle der Medien und neue Gesetze, welche die Rechte der Bürger einschränken. Überraschend trat Nasarbajew am 19. März 2019 zurück, nachdem er 30 Jahre lang das Land geführt hatte. Senatssprecher Qassym-Schomart Toqajew übernahm den Vorsitz, bevor er am 9. Juni 2019 formell zum Präsidenten gewählt wurde. Seit dem neuen Gesetz von 2011 werden alle Christen in der Ausübung ihres Glaubens eingeschränkt. Muslime, die zum Christentum konvertieren, stehen in ihren Familien, bei Freunden und Dorfbewohnern unter großem Druck. Die Regierung bürdet den Kirchen aller Konfessionen große Beschränkungen auf. Sie begründet das mit der Bedrohung durch den Terrorismus und schränkt damit die Religionsfreiheit ein.

Das Christentum entstand im 7. und 8. Jh. durch nestorianische Missionare und verschwand im 14. Jh. In den 1930er-Jahren kamen Orthodoxe, Katholiken und Protestanten ins Land, die von Stalin während der «Großen Reinigung» aus der Sowjetunion vertrieben wurden. In den ersten Jahren der Unabhängigkeit des Landes (1991) entstand eine Kirche aus einheimischen Kasachen.

Zur Situation der Christen

Die überwiegende Mehrheit der Christen in Kasachstan stammt aus traditionellen Kirchen: orthodox, katholisch oder protestantisch. Es gibt eine kleine Gruppe von Christen mit einem muslimischen Hintergrund, die sich als unabhängige protestantische Freikirchen treffen. Seit 2011 schränkt die Gesetzgebung die Religionsfreiheit ein, und in ihrem Bestreben, die Gesellschaft zu kontrollieren, verstärkt die Regierung die Überwachung der Kirchen, ordnet vermehrt Polizeirazzien an und lässt verhaften. Orthodoxe Christen sind am wenigsten betroffen, da sie nicht evangelistisch tätig sind. Im Gegenzug werden Christen mit einem muslimischen Hintergrund am stärksten verfolgt, d. h. von Staat, ihren Familien und Freunden sowie der sozialen Gemeinschaft. Sie werden gefangen gehalten, verprügelt und aus der Gesellschaft vertrieben. Der Druck seitens der muslimischen Gemeinschaft nimmt zu, je weiter man sich von den städtischen Gebieten entfernt. Auf lokaler Ebene können Christen durch die Hassreden bestimmter Imame, welche die Bevölkerung beeinflussen, zum Sündenbock werden.

Beispiele der Verfolgung
  • 30. Juli 2020 – In der Hauptstadt Nur-Sultan (früher Astana) wurden von der Regierung zwei Kirchen («Grâce» und «Agape») geschlossen, und in einen Kindergarten umgewandelt. Die 500-Mitglieder-zählende Gnadenkirche war offiziell registriert und hatte das Grundstück der Kirche im Jahr 2001 gekauft.
  • 29. März 2020 – In der Region Pawlodar überfiel die Polizei eine Kirche mit 300 Mitgliedern und verhängte eine Buße von zwei Monatsgehältern, da sie nicht offiziell registriert war.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Die Verfolgung beeinflusst vor allem das Privatleben (Druck der Umfeldes auf die Konvertiten mit muslimischem Hintergrund) und das kirchliche Leben (starke Einschränkungen durch den Staat). Das Ausmaß der Gewalt bleibt gering, obwohl ein Dutzend Christen verhaftet wurde, nicht zuletzt, weil sie christliche Literatur verteilt hatten.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Totalitarismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
41
Rang im letztjährigen Index: 
35