Somalia
Flagge
Regierungschef
Mohamed Hussein Roble
Bevölkerung
16 105 000
Christen
Einige Hundert
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Föderalistische Republik


Überblick

Christen sind in ganz Somalia bedroht, aber in Gebieten, die von der radikal-islamistischen Gruppe Schabaab kontrolliert werden, ist die Situation für sie noch kritischer. Für die Schabaab regelt die Scharia alle Aspekte des Lebens und die Regierung ist zu schwach, um ihre Ordnung durchzusetzen. Zwischen Gewalt und Korruption sind die Christen all denen ausgeliefert, die das Land vom Christentum befreien wollen.

Das Christentum ist in Somalia seit dem 10. Jh. belegt. Es verschwand gegen Ende des 15. Jh. Christliche Missionare brachten es im Jahr 1881 zurück und es bildeten sich einige Gemeinschaften. 1969 wurde der Besitz von Christen beschlagnahmt, ihre Geschäfte geschlossen und die Inhaber aus dem Land gejagt.

Zur Situation der Christen

Die somalischen Christen, von denen die überwiegende Mehrheit muslimische Konvertiten sind, leiden unter dem Joch sowohl der islamischen Unterdrückung als auch durch die Gewaltherrschaft der Clans. Sie werden von ihren nahen Familienangehörigen wie auch der entfernteren Verwandtschaft und von der Gesellschaft als Ganzes verfolgt. Wer den Islam verlässt, verrät sowohl die eigene Familie wie den Clan. Wenn ein Christ entdeckt wird, wird er schikaniert, bedroht oder sogar getötet. Er wird seinen Glauben versteckt halten müssen und kann seine Kinder nicht seinen Überzeugungen gemäß erziehen.

Christen sind weiter das Ziel der Schabaab, radikalen Islamisten, die im ganzen Land wüten und die Christen ausrotten wollen. In letzter Zeit haben sie ihre Jagd intensiviert, indem sie systematisch versuchen, Christen in verantwortlichen Positionen zu beseitigen. Ebenfalls im Land präsent sind ausländische Dschihadisten. Das Leben als Christ bedeutet ein Leben in ständiger Todesgefahr, die Zahl der Morde ist hoch. Angesichts dieser extremen Verfolgung ist es Christen nicht möglich, sich in Kirchen zu versammeln.

Beispiele der Verfolgung
  • September 2020 – Am 5. Oktober räumte ein Oberst der somalischen Polizei auf einer Pressekonferenz ein, dass einige Tage zuvor zwei Personen wegen Apostasie, d. h. Abkehr von der Religion, und wegen Äußerungen über ihren christlichen Glauben verhaftet worden seien. Bei Prozessende wurden das Ehepaar und ihr kleines Kind des Landes verwiesen.
  • Frühling 2020 – Die mit der al-Kaida verbundene al-Schabaab-Gruppe warnte die Muslime, sich vor dem Coronavirus zu hüten, da diese nach ihrer Meinung «von den (christlichen) Kreuzfahrermächten und den Ländern, die diese unterstützen» verbreitet wird. Für Christen, die unter der Androhung der Todesstrafe gezwungen sind, ihren Glauben in absoluter Geheimhaltung zu praktizieren, eine weitere erschreckende Botschaft.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Die Verfolgung ist ein nationales Phänomen, das alle Christen in Somalia betrifft. Christen dürfen in keiner Weise auffallen. Falls doch, erfahren sie seitens der Regierung keinen Schutz. Jeder Somali muss dafür sorgen, dass seine «Brüder» als «gute Muslime» gelten. Das verursacht einen starken Druck in allen Lebensbereichen. Ein Somali, der mit einer Bibel entdeckt wird, wird auf der Stelle getötet. Soziales Leben: Ein Somali, welcher der Konversion und eines unislamischen Verhaltens verdächtigt wird, erhält telefonisch Todesdrohungen. Ziviles Leben: Die Regierung betrachtet alle Somalis als Muslime, die nach der Scharia leben müssen.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Christenverfolgung

Rang im Index: 
3
Rang im letztjährigen Index: 
3