Weltverfolgungsindex 2020

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Der Weltverfolgungsindex ist eine Liste von 50 Ländern, die nach dem Ausmass der Christenverfolgung klassifiziert sind. Jedes Land verfügt über eine eigene Seite, die das Profil sowie alle Artikel und Informationen zum betreffenden Land enthält.

Die aktuelle Weltverfolgungsindex können Sie hier im PDF-Format herunterladen : Weltverfolgungsindex 2020
 

  

  Land  

TOTAL   

  01  

  Nordkorea  

  94  

  02  

  Afghanistan  

  93  

  03  

  Somalia  

  92  

  04  

  Libyen  

  90  

  05  

  Pakistan  

  88  

  06  

  Eritrea  

  87  

  07  

  Sudan  

  85  

  08  

  Jemen  

  85  

  09  

  Iran  

  85  

  10  

  Indien  

  83  

  11  

  Syrien  

  82  

  12  

  Nigeria  

  80  

  13  

  Saudi-Arabien  

  79  

  14  

  Malediven  

  78  

  15  

  Irak  

  76  

  16  

  Ägypten  

  76  

  17  

  Algerien  

  73  

  18  

  Usbekistan  

  73  

  19  

  Myanmar (Burma)  

  73  

  20  

  Laos  

  72  

  21  

  Vietnam  

  72  

  22  

  Turkmenistan  

  70  

  23  

  China  

  70  

  24  

  Mauretanien  

  68  

  25  

  Zentralafrikanische Rep.  

  68  

  26  

  Marokko  

  66  

  27  

  Katar  

  66  

  28  

  Burkina Faso  

  66  

  29  

  Mali  

  66  

  30  

  Sri Lanka  

  65  

  31  

  Tadschikistan  

  65  

  32  

  Nepal  

  64  

  33  

  Jordanien  

  64  

  34  

  Tunesien  

  64  

  35  

  Kasachstan  

  64  

  36  

  Türkei  

  63  

  37  

  Brunei  

  63  

  38  

  Bangladesch  

  63  

  39  

  Äthiopien  

  63  

  40  

  Malaysia  

  62  

  41  

  Kolumbien  

  62  

  42  

  Oman  

  62  

  43  

  Kuweit  

  62  

  44  

  Kenia  

  61  

  45  

  Bhutan  

  61  

  46  

  Russland  

  60  

  47  

  Ver. Arabische Emirate  

  60  

  48  

  Kamerun  

  60  

  49  

  Indonesien  

  60  

  50  

  Niger  

  60  

Die Karte zum Weltverfolgungsindex gibt Ihnen einen Überblick über die Länder, in welchen die Situation für Christen derzeit am schlimmsten ist.

Die aktuelle Weltverfolgungskarte können Sie hier im PDF-Format herunterladen: Weltverfolgungskarte 2020

Gewalt in Afrika - digitale Überwachung in Asien

Wie schon 2019 gibt es 73 Länder auf der Welt, in denen Christen mit extremer, sehr schwerer oder schwerer Verfolgung konfrontiert sind. Der Index, der auf umfassenden Untersuchungen und Experteninterviews basiert, führt die Top 50 davon auf. Die wichtigsten Trends in der letzten Berichtsperiode (November 2018 bis Oktober 2019) sind die Ausbreitung des gewalttätigen militanten Islamismus in Afrika sowie in Asien die Entwicklung hin zur totalen digitalen Überwachung der Bürger in verschiedenen Staaten.

«Seit 1992 analysiert Open Doors die Notlage von Christen, die für ihren Glauben auf der ganzen Welt verfolgt werden», sagte Dan Ole Shani, CEO von Open Doors International. «Seit dem Weltverfolgungsindex 2002 gilt Nordkorea als das schlimmste Land für Christen, dieses Jahr dicht gefolgt von Afghanistan und dann Somalia. Dieses Jahr haben wir kaum Veränderungen in den Top 10 gesehen, zu denen auch vom Krieg betroffenen Länder wie Libyen und der Jemen gehören. Doch die Zahl der Länder, in denen Christen einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt sind, ist aufgrund des zunehmenden Drucks und der Gewalt durch ihre Familien, Arbeitskollegen, Gemeinschaften, Polizei, Rechtssysteme und Staatsstrukturen gestiegen.»

1. Die Ausbreitung des gewalttätigen militanten Islamismus in Afrika

>> Nach dem Sturz des libyschen Präsidenten Gaddafi und dem daraus resultierenden Machtvakuum in Libyen breitet sich in Afrika südlich der Sahara eine islamistische Welle aus, die mit illegalen Geldgeschäften, Waffen- und Drogenhandel finanziert wird und eng mit dem organisierten Verbrechen zusammenarbeitet.

In schwachen oder «fragilen» Staaten, in denen Rechtsstaatlichkeit und Regierungsführung unwirksam sind, werden die betroffenen christlichen Gemeinschaften von ihren Regierungen nicht geschützt. Der Präsident von Mali (29) erklärte im November 2018, dass die bloße Existenz seines Landes durch Dschihadisten gefährdet sei.

Burkina Faso

Abseits der internationalen Schlagzeilen werden die Kirchen – auch wenn sie nicht die einzigen Opfer sind – stark angegriffen. Burkina Faso (28), seit jeher bekannt für seine religiöse Toleranz, ist (zum ersten Mal überhaupt) unter den Top 50, ebenso wie Kamerun (48).

In Burkina Faso sagen die Christen, dass sie ums Überleben kämpfen. Dutzende katholischer Priester wurden getötet; protestantische Pastoren und ihre Familien wurden von gewalttätigen militanten Islamisten umgebracht oder entführt. Dschihadisten haben Schulen durch so genannte «arabische» Schulen ersetzt; Kirchen, Geschäfte und Gesundheitszentren wurden niedergebrannt. Im Norden wurden über 200 Kirchen geschlossen und Tausende von Kirchenmitgliedern sind in Lager oder in den Süden geflohen.

«Islamistische Terroristen haben den Einwohnern ein Ultimatum gestellt, indem sie ihnen befohlen haben, zum Islam zu konvertieren oder ihre Häuser zu verlassen», sagte eine Quelle. Typisch ist ein Vorfall vom April 2019: Kämpfer auf Motorrädern kamen zu einem Gottesdienst in einem Dorf in Burkina Faso. Sie beschlagnahmten alle Telefone und Ausweise und verbrannten Bibeln, bevor sie den Pastor und sechs andere nach draußen brachten, um sie zu erschießen; einer überlebte.

Westafrika und ZAR

Der radikale Islam, der tief verwurzelte regionale und lokale Konflikte überdeckt, bedroht das Kirchenleben in Mali (29), wo verschiedene radikal-islamistische Gruppen den Alltag kontrollieren. In Kamerun (48) sind Korruption und Sicherheit große Probleme. Das Land leidet unter der Gewalt im Norden, der immer noch eine Hochburg von Boko Haram ist. Das Leben der vertriebenen Christen und die kirchlichen Aktivitäten werden beeinträchtigt. Entführungen und Zwangsheirat von weiblichen Konvertitinnen aus dem Islam kommen regelmäßig vor.

Es gibt mindestens 27 namhafte islamistische Gruppen, die in verschiedenen Teilen Afrikas südlich der Sahara tätig sind; mal abgesehen von der Seleka, Ex-Seleka und anderen Milizen, die sich in der Zentralafrikanischen Republik (25) noch immer im Krieg befinden. Die Situation hier ist zunehmend komplex, da mehrere kriminelle Gruppen von allen Seiten her auftauchen. Tötungen und die Zerstörung von Eigentum und Kirchen sind weit verbreitet: Im November 2018 setzten Angehörige einer Miliz die Kathedrale in Alindao in Brand und zerstörten das von ihr geführte Flüchtlingslager. 115 Menschen, hauptsächlich Christen, wurden getötet.

Nigeria

In Nigeria (12) ist gemäß der International Crisis Group die Gewalt durch muslimische Fulani-Hirten sechs Mal so tödlich wie die von Boko Haram. Im Norden gibt es immer wieder Angriffe auf Bauern, Kirchen und ganze Dörfer. Aber die Gewalt breitet sich auch in Gemeinschaften im mittleren Teil Nigerias aus, die bisher als sicher galten, zum Beispiel im Bundesstaat Plateau und sogar weiter südlich.

Der «Islamische Staat Westafrikanische Provinz» (ISWAP), der sich von Boko Haram abgespalten hat, hat christliche Hilfsarbeiter enthauptet und Videobotschaften veröffentlicht, in denen sie ankündigen, dass sie jeden Christen, den sie gefangen nehmen, töten werden aus Rache für in der Vergangenheit getötete Muslime. Sie halten weiterhin Frauen und Mädchen fest, darunter mindestens eine, Leah Sharibu, weil sie als 14-Jährige ihren christlichen Glauben nicht aufgeben wollte.

Gewalt gegen Frauen

Die Entführung christlicher Frauen und Mädchen beschränkt sich jedoch nicht nur auf militante Gruppen. Berichte zeigen, dass christliche Teenagerinnen manchmal von Menschen innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft entführt, missbraucht, gewaltsam zum Islam bekehrt und zwangsverheiratet werden, und das alles scheinbar ungestraft.

Die Berichte über die Behandlung nigerianischer und anderer westafrikanischer Mädchen sind vergleichbar mit denen koptischer christlicher Mädchen in Ägypten (16), wo ein ehemaliger Entführer kürzlich zugab, dass sie für jedes koptische christliche Mädchen, das sie entführen, bezahlt werden.

Süd- und Südostasien

Der Einfluss der radikal-islamistischen Ideologie zeigt sich auch in völlig unerwarteten Gräueltaten wie denen in Sri Lanka (30) an Ostern 2019. Bei Angriffen auf katholische und protestantische Kirchen und Hotels starben über 250 Menschen und mehr als 500 wurden verletzt. 20 Menschen starben im Januar 2019 auf den südlichen Philippinen (nicht unter den Top 50) und über 100 wurden verletzt, als Kämpfer der Abu Sayyaf, die dem Islamischen Staat die Treue geschworen haben, zwei Bomben in und um der Kathedrale von Jolo zündeten.

In Pakistan (5) ist angesichts der Stärke seiner radikal-islamistischen Gruppen in naher Zukunft keine Lockerung der Blasphemiegesetze zu erwarten, auch nicht nach der Freilassung Asia Bibis. Mehr als 20 Christen sind noch immer im Gefängnis, weil sie wegen Blasphemie angeklagt oder verurteilt wurden.

2. Digitale Verfolgung – Der Aufstieg des Überwachungsstaates

>> China und andere autoritäre Staaten, die die Religionsfreiheit bereits stark einschränken, erhöhen die Kontrolle mit Hilfe von biometrischen Technologien und künstlicher Intelligenz.

Heute gibt es in China (23) nachweislich mehr Christen als Mitglieder der Kommunistischen Partei. Sie scheinen für die Regierung von Präsident Xi Jinping eine Bedrohung zu sein, weil sie eine höhere Macht als ihn und die Partei anbeten, wie dies auch andere religiöse Gruppen tun. Es gibt Schätzungen, dass mehr als eine Million uigurische Muslime in Gefangenenlagern in Xinjiang sind, wo es Hinweise auf eine «systematische Gehirnwäsche» gibt.

Während es unmöglich ist, 90 Millionen Christen zu inhaftieren, ist es gewissermaßen mehr möglich, sie zu überwachen. Selbst registrierte Kirchen müssen manchmal nicht nur ihre Kreuze entfernen und sich einer endlosen bürokratischen Überwachung stellen, sondern zunehmend auch Kameras und Gesichtserkennungstechnologie installieren. Mindestens eine Staatskirche in Xinjiang ist bekannt dafür, dass sie von ihren Mitgliedern verlangt, sich vor dem Gottesdienst? für die Gesichtserkennung anzustellen.

In Testläufen eines Sozialkreditsystems (SCS), nach dem die Behörden alle bewerten wollen, um eine gute Staatsbürgerschaft zu belohnen und eine schlechte zu bestrafen, soll eine Kommune (Rongcheng in der Provinz Shandong) beschlossen haben, Strafen für diejenigen einzuführen, die das Christentum «illegal verbreiten».

Aber auch die Vorschriften für religiöse Angelegenheiten, die nun seit fast zwei Jahren landesweit gelten, schränken die Religionsfreiheit ein. Kindern unter 18 Jahren ist der Besuch von Kirchen strengstens untersagt.

Indien

In Indien (10) breitet sich während der zweiten Amtszeit der von der BJP geführten Regierung die ultra-nationalistische Hindutva-Ideologie (in der man Hindu sein muss, um Inder zu sein) weiter aus. Auch hier schreitet die Entwicklung biometrisch basierter Überwachungssysteme weiter voran. Ab 2020 will die indische Regierung ein nationales Gesichtserkennungssystem einführen, das ihren Angaben zufolge lediglich die Arbeit der Polizei erleichtern soll. Aber die Technologie hat sich bei der Identifizierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe als ungenau erwiesen und birgt daher die Gefahr in sich, systemische Diskriminierung zu institutionalisieren. Mit mindestens 447 registrierten Gewalttaten und Hassverbrechen gegen Christen in diesem Jahr (inmitten eines Klimas der Straffreiheit aufgrund von Untätigkeit und sogar stillschweigendem Einverständnis der Polizei), befürchten die Christen weitere Angriffe.

3. Aufsteiger auf dem Index

Zu den Aufsteigern des WVI gehören Algerien (17), wo etwa 1/3 der schätzungsweise 129'000 Christen zur Eglise Protestante d'Algérie (EPA) gehören. 11 Kirchen der EPA wurden während der 12-monatigen Berichtsperiode geschlossen und ihr Präsident und andere wurden angegriffen, als die Behörden im Oktober seine Kirche mit 1000 Mitgliedern schlossen. In Marokko (26) bleibt der Druck in allen Lebensbereichen sehr hoch, ist für das kirchliche Leben jedoch «extrem». Die Bedrohung durch Gewalt von militanten Islamisten ist eine Gefahr für die Kirche in Bangladesch (38), insbesondere in ländlichen Regionen.

Schließlich weisen nebst den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex 23 weitere Länder (Rang 51-73) ebenfalls «hohe» Verfolgung auf. Dazu gehören Länder, die 2019 auf dem Index standen, die Palästinensergebiete, Mexiko, Aserbaidschan, aber auch der Tschad und Tansania, wo die Verfolgung von Christen erheblich zugenommen hat.

Index 2020: Trends und Entwicklungen (PDF)

Der Weltverfolgungsindex (WVI) von Open Doors, in dem 50 Länder aufgelistet sind, spricht mittlerweile von 260 Millionen Christen, die schweren Verfolgungen ausgesetzt sind. Nach einer Schätzung werden jedoch zusätzlich mindestens weitere 50 Millionen Christen in 23 weiteren Ländern, die nicht auf dem WVI geführt werden, ebenfalls stark verfolgt.

2983 ermordete Christen und 9488 Kirchen im Visier

Wie setzen sich diese Zahlen zusammen?
Die ermittelten Werte beziehen sich auf Fakten, die wir mit Sicherheit verifizieren konnten. Allerdings fallen diese Zahlen tiefer aus, als es die Realität erlauben würde. Unsere Daten basieren so weit wie möglich auf einer direkten Zählung der Ereignisse. Manchmal konnten genaue Details zu Gewaltvorkommen infolge eines Krieges oder der allgemeinen Gefahrensituation in einem Land schlicht nicht ermittelt werden.

  Christen getötet

   2020   

   2019  

  Nigeria  

1 350  

  3 731  

  Zentralafrikanische Republik  

924  

  146  

  Sri Lanka  

200  

  0  

  Burkina Faso  

50  

  0  

  Ägypten  

23  

  17  

  Pakistan  

20  

  28  

  Kolumbien  

16  

  7  

  Kenia  

11  

  20  

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2020  

107  

187  

  Nicht indexierte Länder 2020

282  

169  

  TOTAL  

  2 983  

  4 305  

Kirchen und andere angegriffene christlichen Gebäude

Im für den Index 2020 ermittelten Zeitraum waren mindestens 9488 Kirchen (oder damit einhergehende Gebäude) betroffen.
Dieser Anstieg hängt besonders mit dem Vorgehen des chinesischen Regimes zusammen, wo die Anzahl Kirchen, die im Zeitraum zum WVI 2020 auf die eine oder andere Weise als betroffen gilt, auf mindestens 5576 gestiegen ist.

  Zerstörte Kirchen und Gebäude

   2020   

   2019    

  China  

5 576   

171*  

  Myanmar  

204   

100*  

  Nigeria  

150   

569    

  Äthiopien  

124   

20    

  Mali  

100* 

13    

  Pakistan  

58   

28*  

  Burkina Faso  

 50   

0    

  Zentralafrikanische Republik  

47   

22*  

  Kolumbien  

40   

26    

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2020  

264   

276    

  Nicht indexierte Länder 2020  

2 875   

622    

  TOTAL   

  9 488   

  1 847    

 

Christen in Haft

Christen, die während des Berichtszeitraums festgenommen, verhaftet, vor Gericht gestellt oder inhaftiert wurden.

  Christen in Haft 

  2020   

  2019   

  China  

1 147* 

1 131* 

  Eritrea  

785   

370   

  Indien  

302   

207   

  Nigeria  

 242   

116* 

  Vietnam  

194   

186   

  Iran  

194   

67   

  Zentralafrikanische Republik  

152   

10* 

  Libyen  

100* 

  4   

  Algerien  

90   

0   

  Pakistan  

71   

  56   

  Andere Länder im Weltverfolgungindex 2019  

1 410   

430   

  Nicht indexierte Länder 2019  

121   

540   

  TOTAL  

4 811   

3  150   

 

>> Gegen Christen verübte Gewalttaten (PDF) 

Was ist Christenverfolgung?

In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 zählt die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu den grundlegenden Menschenrechten.

Insbesondere Artikel 18 besagt Folgendes in Bezug auf Religionsfreiheit: «Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schliesst die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.»

Die Religionsfreiheit ist in diesem Artikel klar definiert, insbesondere das Recht, seine Religion zu wechseln und sie zu bekennen; für die Verfolgung hingegen gibt es keine allgemein anerkannte Definition.

Für Open Doors ist Verfolgung «Feindseligkeit, welche die Christen wegen ihrer Verbundenheit mit Christus erleiden». Dazu gehören auch Haltungen, Worte und feindselige Handlungen gegen Christen.» Diese weitgefasste Definition schliesst das Risiko aus, Verfolgung lediglich auf Gewalttaten zu beschränken. Die tägliche Bedrängnis kann nämlich für christliche Gemeinschaften schlimmere und verheerendere Auswirkungen haben als Kirchenzerstörungen oder Attentate, vor allem wenn sie aus politischem Druck oder andauernder sozialer oder religiöser Diskriminierung hervorgeht. Im gleichen Sinn kann auch der Verlust seiner Arbeit oft genauso schlimme Folgen haben wie Gefängnis und Schläge.

Verfolgung kommt in grossem Ausmass in Regionen vor, wo das Leben für jedermann schwierig ist. Sie kommt also zu der bereits existierenden Verletzlichkeit hinzu, die Christen sind somit doppelt verwundbar. In diesen Systemen, wo die Christen ihrer Rechte beschnitten oder ausgegrenzt werden, nennt man sie «Bürger zweiter Klasse».

 

Grundlagen und Instrumente

Der Weltverfolgungsindex (WVI) ist das wichtigste Instrument von Open Doors (OD), um die Entwicklung, das Ausmaß und die Stärke der Christenverfolgung weltweit zu messen. Dazu hat Open Doors ein Analyse-Tool entwickelt, mit dem die gefährdeten Länder identifiziert bzw. zur vertieften Untersuchung aussortiert werden. Die Methodik wurde 2012 vollständig revidiert. Sie wurde vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit in Deutschland geprüft und die revidierte Fassung kam im WVI 2014 zum ersten Mal zur Anwendung.

Der Index stützt sich auf Einschätzungen von Fachleuten – OD-interne und externe Forscher und Experten auf dem Gebiet der Glaubensfreiheit und Christenverfolgung – und wurde mit anderen unabhängigen Quellen abgeglichen. Damit wird die größtmögliche Zuverlässigkeit, Transparenz, Objektivität und wissenschaftliche Qualität der Daten gewährleistet.
 

Was ist Christenverfolgung?

«Verfolgung» umfasst alle Äußerungen von Feindseligkeit gegenüber einzelnen Christen oder christlichen Gemeinschaften, von subtilem Druck bis zu offener Gewalt. Häufig sind Kriegssituationen, ethnische, religiöse oder politische Spannungen und einflussreiche mafia-ähnliche Systeme und Gruppen die Auslöser.

Es sind komplexe Situationen, die zur Verfolgung von Christen führen. Ihr Glaube ist nicht zwangsläufig Ursache für den Druck oder die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird. Die Verfolgung kann Auswirkung einer anarchischen Situation z. B. in so genannt gescheiterten Staaten und Krisengebieten sein, oder aber ihre Religionszugehörigkeit kann dazu führen, dass Christen in einer Krisensituation doppelt von den Auswirkungen betroffen sind. Der WVI versucht, die verschiedenen Ursachen von Verfolgung so gut wie möglich zu unterscheiden.
 

Zwei Hauptformen: Subtiler Druck und offene Gewalt

Der WVI unterscheidet zwei Hauptformen der Verfolgung: subtiler Druck und offene Gewalt. Während Gewalttaten besonders auffallen, schränken kaum merkliche Formen der Unterdrückung das Leben von Christen am meisten ein. Es zeigt sich deutlich, dass mehr Gewalt nicht unbedingt stärkere Verfolgung bedeutet, d.h. der Index widerlegt die Annahme, dass die gewalttätigsten Verfolger die Hauptursache von Verfolgung seien.

Während Gewalt anhand der Zahl und der Stärke gewalttätiger Übergriffe auf Christen gemessen werden kann, braucht es andere Instrumente und Methoden, um subtilen Druck und Schikanen gegen Christen aufzudecken.
 

Die Dynamik der Verfolgung

Der WVI unterscheidet drei zugrundeliegende Motive oder Typen von christenfeindlichen Systemen, die die Entstehung von Verfolgung begünstigen: religiöser Extremismus, Staatsideologie und missbräuchliche totalitäre und korrupte Regime. Diese sind der Nährboden für die Triebkräfte von Verfolgung. Diese fasst der WVI in acht Kategorien zusammen, innerhalb derer die eigentlichen Urheber der Christenverfolgung handeln. Insgesamt identifiziert der WVI elf Hauptakteure, wie z.B. Familienclans oder Behörden. (vgl. untenstehende Tabelle).

Wie der Begriff sagt, ist Verfolgung in der größten Kategorie, «religiöser Extremismus», in der radikalen Religiosität der Akteure begründet. Er umfasst Gruppierungen, die dazu neigen, in sich geschlossene Gesellschaften zu bilden. Die «Anderen» sind ausgeschlossen und gelten als minderwertig, als Unmenschen oder Ungläubige. Jegliche noch so unmoralische oder unmenschliche Taten gegen diese sind erlaubt.

Im Bereich Staatsideologie ist der Staat der Auslöser für Verfolgung. Es handelt sich um religionsfeindliche Systeme wie kommunistische Diktaturen oder Länder, in denen radikaler Säkularismus vorherrscht. Personen, die sich dem System und der staatlichen Ideologie nicht beugen, werden nicht geduldet.

In missbräuchlichen Systemen streben elitäre Gruppierungen oder Einzelpersonen mit allen Mitteln danach, alle Macht und Ressourcen an sich zu reißen. Zu diesem Bereich zählen vor allem paranoide totalitäre Systeme oder korrupte mafia-ähnliche Gruppierungen. Um ihr Ziel zu erreichen verbünden sich die politischen Führer mit einflussreichen lokalen Anführern. In diesem Bereich ist Christenverfolgung meist nicht das strategische Ziel, sondern eine Nebenwirkung des Systems.
 

Triebkräfte von Verfolgung und ihre Ziele

Der WVI fasst die Triebkräfte von Verfolgung in acht Kategorien zusammen.

A) Religiöser Extremismus

  1. Islamischer Extremismus: Ein Land oder eine Region dem «Haus des Islam» einverleiben, wenn nötig mit Zwang und Anwendung von Gewalt.
  2. Religiöser Nationalismus: Ein Staat oder eine Region einer Religion unterwerfen: dem Hinduismus, Buddhismus, ultraorthodoxen Judentum oder anderen. (Wegen seiner Prävalenz wird der radikale Islam gesondert aufgeführt.)
  3. Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen: Die Vorrangstellung von ethnisch-religiösen Traditionen oder überlieferten Kulten aufrechterhalten.
  4. Konfessioneller Protektionismus: Eine traditionelle Mehrheitskirche als einzig anerkannte christliche Religionsgemeinschaft durchsetzen.

B) Staatsideologie

  1. Kommunistische Unterdrückung: Der Kommunismus wird zur ausschließlichen Staatsideologie.
  2. Säkulare Intoleranz: Religiöse Konzepte sollen aus dem öffentlichen Leben und dem individuellen Denken beseitigt werden.

C) Missbräuchliche Systeme

  1. Totalitarismus: Festhalten an der absoluten Macht, auch ohne zwangsläufig andere Ziele zu verfolgen.
  2. Systematische Korruption: Ein System von Anarchie, Gesetzlosigkeit und Korruption schaffen mit dem Ziel der eigenen Bereicherung.

In zahlreichen Ländern überschneiden sich die verschiedenen Triebkräfte, die zur Verfolgung führen bzw. eine vorherrschende Triebkraft begünstigt die Entwicklung von anderen Verfolgungsmechanismen.
 

Akteure oder Urheber von Verfolgung

Die eigentlichen Urheber von Verfolgung sind Gruppen oder Einzelpersonen, die von den oben genannten Kräften angetrieben werden. Der WVI erfasst elf Kategorien, die sich teilweise überschneiden bzw. verschiedene Akteure können sich zusammenschließen, um die Dynamik der Verfolgung in Gang zu setzen. Mit Ausnahme der Kategorie «Behörden» können die Akteure ziemlich genau identifiziert werden.

  • Lokale, nationale oder Provinz-Behörden
  • Anführer von militanten Gruppierungen oder Clans
  • Geistliche nichtchristlicher Religionen
  • Geistliche christlicher Glaubensgemeinschaften
  • Fanatische und extremistische Bewegungen
  • Anführer aus der Zivilgesellschaft oder Menschenansammlungen, Mobs
  • Familien und Familienverbände
  • Lokale oder nationale politische Parteien
  • Aufständische oder paramilitärische Gruppen
  • Kartelle, Clans und Netzwerke des organisierten Verbrechens
  • Internationale Organisationen und Interessensvertretungen

Bei all diesen christenfeindlichen Systemen, Triebkräften und Akteuren von Verfolgung steht das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt. Christen oder andere Einzelpersonen und Gruppen, die sich nicht unterwerfen, können Opfer von Verfolgung werden.

Der WVI zeigt, dass Christen in keiner Kategorie ausdrücklich Zielscheibe der Verfolgung sind. Möglicherweise steht bei allen ausschließlich das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt.
In einer solchen Situation wäre es ratsamer, sich dieser zu beugen und möglichst nicht aufzufallen. Das steht jedoch im Gegensatz zum fundamentalen Glauben der Christen, dass absolute Macht keine irdische ist. Diese Haltung zeigt sich im öffentlichen sowie im privaten und familiären Umfeld und kann von möglichen Urhebern von Verfolgung als Herausforderung oder Provokation aufgefasst werden.
 

Analyse der Glaubensfreiheit in den fünf Lebensbereichen
 
Der Fragenkatalog folgt der Annahme, dass ein Christ sein Glaubensleben in fünf sich überschneidenden Sphären lebt:

  • Privatleben: Versucht der Verfolger die persönliche Intimsphäre zu besetzen und missachtet damit die Gedanken- und Gewissensfreiheit?
  • Familienleben: Versuchen Staat oder Angehörige einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung des Glaubens zu hindern?
  • Soziales Leben: Werden Christen in ihrem Lebensumfeld wegen ihres Glaubens bedroht oder daran gehindert, ihn auszuüben?
  • Zivilleben: Kontrolliert der Staat das Leben seiner Bewohner, sind Christen frei oder zu Bürgern zweiter Klasse deklassiert?
  • Kirchliches Leben: Haben Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu leben und auszudrücken?

Ein sechster Abschnitt steht unter dem Titel «körperliche Gewalt». Dieser Bereich überschneidet sich mit den anderen; er wird zu Analyse- und Kommunikationszwecken getrennt betrachtet. Die Gewalt wird in der für die Erhebung maßgeblichen Zeitspanne zwischen dem 1. November  und dem der Publikation vorangegangenen 31. Oktober untersucht. Sie kann in jedem Bereich auftreten.
 

Verfahren von der Vorausscheidung bis zum definitiven Index

Die Vorausscheidung der unter Beobachtung stehenden Länder erfolgt mit einem Schnellanalyseverfahren, dem «Rapid Appraisal Tool». Es gleicht Ergebnisse von Internetrecherchen mit verschiedenen Quellen ab. Je nach Resultat werden zusätzliche Feinuntersuchungen mit den Instrumenten «World Watch Survey» oder «Vulnerability Assessment Tool» vorgenommen. Wenn das Ergebnis einer oder mehrerer Analysen die Notwendigkeit einer vertieften Untersuchung bestätigt, werden die internen und externen Fachleute mit der Bewertung der betroffenen Länder mittels einem für den WVI ausgearbeiteten Fragebogen beauftragt.

Anhand der zusammengetragenen Daten wird eine Punktzahl ermittelt, die es ermöglicht, die betroffenen Länder nach Schweregrad der Verfolgung zu erfassen und aus den 50 Ländern, in denen die Christen am meisten verfolgt werden, die Reihenfolge auf dem Weltverfolgungsindex zu ermitteln.
 

Darstellung des Verfolgungsgrades im WVI-Raster

Das Ausmaß der Verfolgung wird im Raster des WVI mit verschiedenen abgestuften Farben dargestellt. Zuoberst im Index befinden sich die Länder, in denen die Christen am stärksten unter Verfolgung zu leiden haben.

  1. Extreme Verfolgung: Länder mit einem Wert von über 81 Punkten im Verfolgungsindex
  2. Sehr schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 61 und 80 Punkten
  3. Schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 40 und 60 Punkten

Die Reihenfolge erlaubt es lediglich, die einzelnen Länder miteinander zu vergleichen. Eine Veränderung im Rang von einem Jahr zum anderen bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Verschlechterung oder Verbesserung der Situation der Christen im betreffenden Land. Hingegen kann aus der Veränderung der erreichten Punktzahl von einem Jahr zum anderen eine gewisse Entwicklungstendenz für ein Land ermittelt werden.
 

Definition der Schlüsselbegriffe für die WVI-Recherche

Ein Christ ist: «jede Person, die sich selbst als Christ identifiziert oder zu einer christlichen Gemeinschaft gehört, die auf die historischen Bekenntnisse der Kirche gründet.»

Verfolgung ist: «jegliche Form von Anfeindung oder Benachteiligung, die ein Christ wegen seines Glaubens an Christus erfährt. Das können feindselige Haltungen, Aussagen und Taten sein, die von außerhalb oder auch innerhalb der christlichen Gemeinschaft herrühren.»

26

Marokko ist eine parlamentarische Monarchie, in welcher der König sowohl politisches als auch religiöses Oberhaupt ist. Das Land ratifizierte mehrere internationale Verträge, in denen es sich zur Achtung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit verpflichtet. Doch die marokkanische Gesetzgebung hat Vorrang vor diesen Verträgen, in der Praxis werden religiöse Minderheiten diskriminiert. 
 

Die Situation der Christen 

27

Die Bewohner Katars leben unter einem autoritären Regime. Verfassung und Gesetzgebung garantieren im Rahmen der Scharia und der islamischen Moral Vereinigungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. Dies führt jedoch zu einer großen Anzahl von Diskriminierungen. Seit 2017 pflegt Katar keine Beziehungen mehr zu seinen Nachbarn, die das Scheichtum auf der Arabischen Halbinsel beschuldigen, den Terrorismus zu unterstützen. 
 

Die Situation der Christen 

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Die Lage der Menschenrechte verbesserte sich merklich nach den ersten demokratischen Wahlen im Jahr 2013 und dem Rücktritt von Präsident Blaise Compaoré im Jahr 2014. Trotzdem ist die allgemeine Unsicherheit infolge zahlreicher Terroranschläge gestiegen. Seit Anfang 2018 wurden im Norden Burkina Fasos rund 289 000 Menschen gewaltsam vertrieben und Tausende von Schulen geschlossen. Dass Christen das Ziel islamischer Extremisten werden, ist eine neue Entwicklung in diesem sonst für seine religiöse Toleranz bekannten Land.

Zur Situation der Christen

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Die unheilvolle Anwesenheit islamistischer Gruppen wie Al-Kaida oder Islamischer Staat im Norden des Landes und die Unfähigkeit des malischen Staates, die Sicherheit seiner Bewohner zu gewährleisten, hat die Bevölkerung veranlasst, eigene Selbstverteidigungsmilizen zu bilden. Französische Streitkräfte haben zwar im Jahr 2013 interveniert, um den dschihadistischen Vormarsch aus dem Norden abzuwehren, doch die Region ist zu einem Hort für Terroristen geblieben. 
 

Die Situation der Christen 

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Zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ist eine echte Versöhnung zwischen den singhalesischen Buddhisten und den tamilischen Muslimen noch immer nicht erreicht. Religiöse und ethnische Minderheiten sind vom gesellschaftlichen Leben und den politischen Prozessen ausgeschlossen. Weiterhin diskriminiert wird auch die tamilische Minderheit. Im April 2019 wurde Sri Lanka von blutigen islamistischen Angriffen heimgesucht, bei denen Hunderte von Menschen starben. 
 

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