24.03.2021 /
Bangladesch
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50 Jahre Bangladesch: Zwischen Freiheit und Unterdrückung

Am 26. März feiert Bangladesch 50 Jahre Unabhängigkeit. Brother Abraham, Partner von Open Doors in Bangladesch, freut sich über die Freiheit seiner Nation. Gleichzeitig beobachtet er, wie die religiöse Unterdrückung zuletzt zugenommen hat.

Burgdorf, 24. März 2021 - «Wir freuen uns darauf, bald diese 50 Jahre Unabhängigkeit von Pakistan zu feiern», sagt Brother Abraham (Name geändert), Partner von Open Doors in Bangladesch. «Wir durchlebten zuvor eine Zeit der blutigen Auseinandersetzung mit Pakistan.» Doch auch die wechselhafte Geschichte als Teil Indiens war zermürbend. Viele dieser Probleme konnten durch die Eigenstaatlichkeit abgestreift werden. «Ich selbst kam zur Welt, nachdem Bangladesch unabhängig geworden war», erinnert sich Brother Abraham.
Er spricht von einem Meilenstein, der von Muslimen, Hindus und Christen nun gefeiert wird. «Wir sind stolz darauf, wie sich unser Land bisher entwickelt hat.» Zum Jubiläum stehen nun – stärker noch als bei den «gewöhnlichen» Jahrestagen – die historischen Monumente im Fokus und es werden die Menschen geehrt, die ihr Leben dem Land gewidmet haben. «Es ist ein besonderes Jahr, Sheikh Mujibur Rahman, der Vater unserer Nation, kam vor 101 Jahren zur Welt.» Das 100-jährige Jubiläum war am 17. März 2020, Bangladesch feiert innerhalb eines Jahres also gleich zwei grosse Feste. Vor 50 Jahren noch als Ost-Pakistan bekannt, genossen die Bangladeschi keine Freiheit. «Heute sind wir ein freies Volk.»

Auf Konvertiten wartet Druck

Bangladesch ist die viertgrösste muslimische Nation, nur in Indonesien, Indien und Pakistan leben noch mehr Menschen, die sich zum Islam bekennen. «Von unseren rund 165 Millionen Einwohnern sind 90 Prozent Muslime, Christen sind mit weniger als einem Prozent eine kleine Minderheit.»
Christen, die in christlichen Familien aufwachsen, sehen sich keinen grossen Problemen gegenüber. So gibt es auf verschiedenen Ebenen einzelne Politiker, die aus einer christlichen Familie stammen.
«Schwierig wird es für eine muslimische Person, die sich entscheidet, ihren Glauben zu wechseln – da beginnt umgehend die Verfolgung», beobachtet Brother Abraham. «Eine solche Person wird zu einer Minderheit in einer Minderheit. Oft kommen Drohungen und Angriffe durch die Familie, von der lokalen Gemeinschaft oder durch Mobs unmittelbar bei Bekanntwerden des Glaubenswechsels.»
Gefährdet sind besonders jene, die unter der Armutsgrenze leben. «Wenn jemand Christ wird, kann er den Job verlieren. Arbeitet er nicht, hat er kein Einkommen, kein Essen. Manche verkaufen Konvertiten nichts mehr, oder wenn sie selbst ein kleines Geschäft haben, wird ihnen nichts mehr abgekauft.»

Organisierte Übergriffe

Gruppen aus der Hauptstadt Dhaka ziehen mittlerweile aus, um gezielt Konvertiten anzusprechen. «Sie versuchen sie zum Islam zurückzubringen», erklärt Brother Abraham eine neue Tendenz. «Wenn sie nicht einwilligen, werden sie bedroht, zum Beispiel, dass man ihnen die Beine bricht, die Kinder gekidnappt werden, der Frau etwas angetan wird oder sie getötet werden.» Diese Gruppen konfiszieren bei diesen «Besuchen» zudem Bibeln und christliche Literatur.
Besonders die Männer würden bedroht. «Verlieren sie die Arbeit, hat auch die gesamte Familie kein Essen, wegen dem Hunger kehren manche zum muslimischen Glauben zurück.» Manchmal schreite die Polizei ein, «doch wenn sie weg ist, beginnt die Unterdrückung von vorne.»

Lage verschlechtert

Auf dem Weltverfolgungsindex stieg Bangladesch von Rang 38 auf 31, da der Druck zuletzt gewachsen ist. «Unter anderem werden Droh-Videos auf soziale Medien hochgeladen. Es sind nicht Islamisten aus dem Ausland, sondern einheimische Gruppen, welche sich berufen fühlen, ‘Abgefallene’ zurückzubringen und darauf zu achten, dass andere nicht konvertieren.»
Ein Anliegen ist Brother Abraham, dass westliche Botschaften wie jene der EU, Grossbritannien, Deutschland, die USA oder die Schweiz die Lage ansprechen. «Bangladesch ist offiziell säkular, aber die Unterdrückung ist deutlich sichtbar. Westliche Botschaften haben die Möglichkeit und Einfluss, sich für Freiheit einzusetzen.»