27.04.2018 /
Algerien
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Algerien: Die unerklärliche Schliessung einer kirchlichen Kindertagesstätte

Die Behörden der Stadt Tizi-Ouzou (Kabylei) haben die Schliessung einer Kindertagesstätte gefordert, die von der grössten Kirche Algeriens betrieben wird. Christen hinterfragen die Beweggründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, und sehen sie im Zusammenhang mit der Welle von Kirchenschliessungen, die bereits seit einigen Monaten andauert.
 
Am 17. April dieses Jahres traf die Anordnung des Gouverneurs der Region ganz unerwartet ein: Der Eingang zur Kindertagesstätte, die in den Räumlichkeiten der Kirche betrieben wird, soll versiegelt werden. Salah Chalah, der Pastor der «Eglise Protestante du Plein Evangile» ist vom Hauptkommissariat vorgeladen worden. Die Behörden werfen ihm vor, diese Tagesstätte für Kleinkinder «illegal zu betreiben». Nun muss die Einrichtung bis zur «Klärung der verwaltungsrechtlichen Situation» geschlossen bleiben. Etwa zwanzig Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren besuchten die Tagesstätte, wo sie von vier christlichen Erzieherinnen betreut wurden.

Dieser Beschluss folgt auf den Besuch einer Delegation von der Direktion des Sozialwesens am 25. März in Begleitung der Polizei. Eine erste Schliessung wurde für einen Zeitraum von drei Wochen verhängt. Für Salah Chalah ist es bestürzend: «Seit ihrer Gründung vor 14 Jahren haben die Behörden noch nie mit der Schliessung der Kindertagesstätte gedroht, obwohl die Räumlichkeiten der Kirche regelmässig kontrolliert wurden. Diese Einrichtung verfolgt keinen Erwerbszweck: Sie dient nur dazu, kleinen Kindern christliche Werte zu vermitteln, denn in den nahegelegenen Kindergärten ist die Lehre des Korans Teil des offiziellen Lehrplans.» In Algerien werden seit frühester Kindheit und in allen Schulen islamische Werte gelehrt, und die arabische Sprache hat die französische in allen Fächern abgelöst. Bereits 2016 verurteilte eine Gruppe algerischer Wissenschaftler den zunehmenden Einfluss salafistischer und extremistischer Gruppen.

Im April 2017 verweigerten die Behörden in Tizi-Ouzou einer Christin die Eröffnung eines Kindergartens für 80 Kinder. Und dies obwohl sie bereits über fünf Jahre Berufserfahrung verfügte und auch alle anderen gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt waren. Viele glauben, dass diese unerklärliche Verweigerung der Betriebserlaubnis religiöse Gründe hat.

In den letzten Monaten standen die Kirchen in Algerien unter ständigem Druck. Seit November sind drei Kirchen in Oran und eine in Akbou geschlossen worden. Andere, wie z.B. die «Eglise Protestante du Plein Evangile», haben einen Schliessungsbescheid erhalten. Die Behörden werfen diesen Kirchen vor, ohne Erlaubnis zu arbeiten, obwohl sie der Protestantischen Kirche Algeriens (EPA), dem grössten kirchlichen Dachverband des Landes, angehören. Allerdings reagierten dieselben Behörden in der Vergangenheit fast nie auf Anträge von Kirchen.