18.03.2021 /
Algerien
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Algerien: Pastor wegen «Erschütterung des Glaubens von Muslimen» verurteilt

Rachid Seighir wurde zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von rund 3500 Euro verurteilt, weil er christliche Bücher verkauft hat. Er hat Berufung eingelegt, der Fall wird voraussichtlich am 18. April weiterverfolgt.

In Algerien wurden am 27. Februar Pastor Rachid Seighir und sein Assistent Noah Hamami bei einer Anhörung, bei der sie nicht anwesend waren, zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von rund 3500 Euro verurteilt. Angeklagt wegen «Untergrabung des Glaubens von Muslimen» haben beide Berufung eingelegt und werden voraussichtlich am 18. April weiterverfolgt.

Fall geht auf Dezember 2017 zurück

Im Dezember 2017 brach die Polizei in die Schreibwaren-Buchhandlung ein, die Rachid neben seiner Arbeit als Pastor betreibt und in der Noah ihm als Verkäufer hilft. Die Polizei hatte dort christliche Bücher, Bibeln und Drucker gefunden.
Die beiden Männer wurden sofort nach Artikel 11.2 der Verordnung von 2006, die den nicht-muslimischen Gottesdienst regelt, angeklagt, der besagt, dass es verboten ist, «jegliches Material herzustellen, zu lagern oder zu verbreiten, das geeignet ist, den Glauben der Muslime zu untergraben.»
Der Gouverneur von Oran hatte die Buchhandlung sofort schliessen lassen. Im Dezember 2018 hatte ein Gericht die Entscheidung aus verfahrensrechtlichen Gründen aufgehoben, aber die Buchhandlung durfte nicht wiedereröffnen.

Gemeindemitglied fünf Jahre im Gefängnis

Das Urteil kommt in einem zunehmend feindseligen Klima für algerische Christen. Vor seiner Verurteilung hatte Pastor Rachid in einem Interview mit einer christlichen Zeitung gerade die Verurteilung eines seiner Gemeindemitglieder zu fünf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe für die Verbreitung einer als «blasphemisch» gegen den Islam bezeichneten Karikatur erwähnt.
Kurz zuvor waren zwei andere Christen wegen Gotteslästerung zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

«Die Situation ist ernst»

Protestantische Kirchen, die wegen Covid-19 geschlossen wurden, konnten bis heute nicht wiedereröffnet werden, während nicht-christliche Gotteshäuser wieder in Betrieb sind. Elf Kirchen wurden von den Behörden versiegelt, ohne dass ihre Zukunft bekannt ist.
In Sorge um sein Land hatte Pastor Salah, Präsident der algerischen protestantischen Kirche und Pastor der protestantischen Kirche des vollen Evangeliums von Tizi Ouzou, 2019 in einem Video einen eindringlichen Appell gestartet, den er mit diesen Worten unterstrich: «Die Situation ist ernst!»