02.05.2017 /
Äthiopien
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Äthiopien: Neuer Gesetzesentwurf versetzt Christen in Sorge

Kleineren Gemeinden im Bundesstaat Tigray droht Versammlungsverbot

Die Regierung des Bundesstaates Tigray im Norden Äthiopiens erwägt, ein neues Gesetz zu erlassen, das christliche Aktivitäten auf behördlich anerkannte Kirchengelände beschränken würde. Die neue Regelung hätte besonders drastische Auswirkungen auf kleine Hausgemeinden, die kein eigenes Gebäude haben - ihre Versammlungen würden dadurch illegal.

Evangelisation ausserhalb von Kirchen bald verboten?

Sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden, wären davon vor allem die Christen ausserhalb der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche betroffen. Um überhaupt ein eigenes Grundstück erwerben zu können, müsste eine Kirche (vermutlich bezogen auf die Denomination) mindestens 6.000 Mitglieder vorweisen können - mehr, als es in Tigray überhaupt nicht-orthodoxe Christen gibt. Grundsätzlich würde das Gesetz allen Christen verbieten, ausserhalb eines kirchlichen Geländes über ihren Glauben zu sprechen.

Kirchenleiter vor Ort haben gegenüber der Regierung ihre Bedenken bezüglich des geplanten Gesetzes geäussert, doch bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Ein ähnliches Gesetz trat kürzlich im benachbarten Bundesstaat Amhara in Kraft. Die äthiopischen Christen befürchten, dass sich die Situation nun auch in anderen Regionen des Landes verschlechtern könnte.

Wachsende Gemeinden und zunehmende Spannungen

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl protestantischer Christen in Äthiopien erheblich gewachsen. Die neuen Gläubigen haben zum grossen Teil einen animistischen Hintergrund; einige sind jedoch auch vom orthodoxen zum evangelischen Glauben konvertiert. Neben den Spannungen, die aus der Abwendung von der jeweiligen Tradition resultieren, setzt die Regierung die Christen zunehmend unter Druck. Um jegliche mögliche Opposition im Keim zu ersticken, werden religiöse Institutionen immer stärker überwacht. Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen werden verdächtigt, ausländische Spione zu sein, die einen Sturz der Regierung herbeiführen möchten.

Äthiopien belegt auf dem Weltverfolgungsindex 2017 von Open Doors Platz 22 unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Neben den genannten Problemen leiden Christen in muslimisch dominierten Gebieten wie den Regionen Afar und Somali im Osten des Landes unter einem zunehmend extremistischen Islam. Sie werden gesellschaftlich ausgeschlossen und sind immer wieder gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt.

Quellen: World Watch Monitor, Open Doors *Name geändert