01.10.2019 / news

Das Evangelium gelangt in uigurische Dörfer

Ilmur* (im Bild) und seine Frau Gulya* sind Christen, aber keine Kirchengänger. Uiguren treffen sich zu Hause, sie essen, singen, tanzen, beten und lesen zusammen in der Bibel. Wo Uiguren sind, ist Verfolgung nie weit. Aber die beiden verstecken sich nicht, sie besuchen arme Dörfer und teilen die Liebe Jesu. Ein Mitarbeiter von Open Doors hat sie getroffen und berichtet, wie sie das tun.

Ilmur* (im Bild) und seine Frau Gulya* sind Christen, aber keine Kirchengänger. Uiguren treffen sich zu Hause, sie essen, singen, tanzen, beten und lesen zusammen in der Bibel. Wo Uiguren sind, ist Verfolgung nie weit. Aber die beiden verstecken sich nicht, sie besuchen arme Dörfer und teilen die Liebe Jesu. Ein Mitarbeiter von Open Doors hat sie getroffen und berichtet, wie sie das tun.

Ilmur ist Hausgemeindeleiter und Evangelist, Ehemann und Vater von drei erwachsenen Söhnen. Er beschäftigt sich gerne in seiner Werkstätte und ist gewandt in Holzarbeiten. Gewichtheben macht ihm Spass und tut ihm an Leib und Seele gut. Früh morgens liefert er täglich das frisch gebackene runde Uigurenbrot eines lokalen Bäckers, der auch Christ und einer seiner Jünger ist.

Unser Freund liebt gutes Essen. Während wir uns unterhalten, kocht seine Frau das Abendessen, feine Düfte aus der Küche versprechen eine leckere Mahlzeit. Liebe geht durch den Magen, heisst es bei uns. In Zentralasien gilt dasselbe für den Respekt. Seine Besucher warm zu empfangen und zu verköstigen ist dort sehr wichtig.

Von den Seinen verstossen
Als geborener Uigur wuchs Ilmur als Muslim auf. So wurde er von den Seinen bedroht, als er sich für Jesus entschied. In seiner Kultur ist dies besonders schwerwiegend, weil jedes Mitglied eng mit Familie und Gemeinschaft verknüpft ist und die Beziehungen sehr tief sind.

Wie viele neue Christen in Zentralasien führte auch Ilmur vorher ein verrufenes Leben. «Ich war alkohol- und drogenabhängig. Ich schlug meine Frau häufig, hatte keinen Respekt vor Gott. Bis er mich berührte. Plötzlich wurde mir klar, wie stark und mächtig Er ist, es war überwältigend. Das hat mein Leben völlig verändert.»

Schon bald dreht sich unser Gespräch um Ilmurs Dienst in uigurischen Dörfern. Dort spricht er mit Leidenschaft und Begeisterung von Jesus, betont aber, dass er dabei wachsam sein muss. «Wenn ich ein neues Dorf besuche, sind die Einheimischen rasch auf dem Laufenden. Man wird beobachtet. ‘Woher kommt er, wen will er besuchen’? fragen sie sich. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein.» Mit seinem Herzen als Evangelist betet Ilmur vor jedem Besuch für gute Gespräche, in denen er den Koran mit der Bibel vergleichen und über Isa (Jesus) sprechen kann.

Als Familie im Dienst unterwegs
Am nächsten Tag holt mich Ilmur nach dem Frühstück ab. Gulya und einer der Söhne begleiten ihn. Die Fahrt dauert drei Stunden bis ins Dorf, wo wir gebrauchte Kleidung, Schuhe und Lebensmittel verteilen wollen. Auf dem Weg erklären sie mir: «Wir erkundigen uns, wer ein besonderes Bedürfnis hat. Wir freunden uns zuerst an und sind zurückhaltend mit dem Evangelium. Es ist nicht nur gefährlich für uns, sondern auch für sie.»

Für jeden Besuch brauchen sie die Zustimmung des Dorfältesten. Mir wird schnell klar, dass dies keine einfache Sache ist.

Zuerst begeben wir uns zu einem muslimischen Ältesten. Ilmur kennt ihn und weiss, dass er eine gute Beziehung zum Ältesten des Dorfes hat, das unser heutiges Ziel ist. Seine Eltern sind nun auch Christen, und er selbst ist sehr offen für Diskussionen über Gott.

Wir essen mit diesem Mann und setzen dann unsere Reise fort. Im Dorf werden wir von der Sozialarbeiterin empfangen, die auch die Ortskrankenschwester ist. Ihr Vater, der Dorfälteste, hat gerade sein Einverständnis für unseren Besuch gegeben.

Besuch bei Notdürftigen
Ilmur wird stets freundlich empfangen, weil er die Menschen und die lokalen Sitten voll respektiert. Dabei steht er offen zu seinem christlichen Glauben und seiner Motivation. Schliesslich ist dies ein uigurisches Dorf und der Älteste ein Muslim. Die Sozialarbeiterin und der Dorfälteste nahmen die angebotene Unterstützung bereitwillig an, weil ihnen sonst niemand helfen wollte.

Zusammen mit der Sozialarbeiterin besuchen wir die Ärmsten im Dorf: eine ältere, alleinstehende Frau, die krank ist, eine Mutter mit drei kleinen Jungen, eine Grossmutter, die sich um ein schwerbehindertes Familienmitglied kümmert. Ilmur hört sich ihre Nöte und Lebensgeschichten an, händigt die Gaben aus, betet mit jenen, die dazu bereit sind, und verkündet sogar manchmal das ­Evangelium.

Freut euch, wenn ihr verfolgt werdet
Später frage ich ihn, ob die Christen Verfolgung fürchten sollten oder versuchen, sie zu vermeiden. Weise antwortet er: «Wenn wir erfahren, dass jemand verfolgt wird, unterstützen wir einander natürlich, aber wir gratulieren uns auch! Verfolgung macht uns stärker, es ist ein Test. Laufen wir nicht weg davor! Wir sollten uns darüber freuen und dankbar sein für alles, was Gott in unserem Leben tut.»

Wenn ich über Ilmurs Leben und seinen Dienst nachdenke, muss ich einfach den Herrn preisen. Das Evangelium, das Einzelpersonen und Familien in einem Verfolgungskontext verändert; Familien, die liebevoll ihre Nächsten umgeben – geht es in unserem Dienst nicht genau darum? Während ich all diese Eindrücke auf mich einwirken lasse, vertraue ich dem Herrn, dass sein Reich hier weiterwächst. /

* Namen geändert

Auszug Oktober 2019 – Magazin