05.09.2019 /
Indien
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Hindutva-Ideologie: der Antrieb hinter der Verfolgung (Indien)

Innerhalb weniger Jahre hat die Verfolgung von Christen in Indien dramatisch zugenommen. Auf dem Weltverfolgungsindex 2019 klassiert sich das Land inzwischen unter den zehn Staaten, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Die wachsende Dominanz der Hindutva-Ideologie in der indischen Gesellschaft scheint der zunehmenden Verfolgung zugrunde zu liegen.

Die Kernbotschaft des nationalistischen Denkens ist: «Wer nicht Hindu ist, ist kein Inder.» Die Ideologie entstand in der Zeit, als Indien danach strebte, eine unabhängige Nation zu werden. Vor allem Christen und Muslime wurden als Staatsfeinde betrachtet.

Warum der Hass auf Christen?

Hindus fürchten einen Machtverlust. «Wenn Hindus aus den unteren Kasten Christen werden, fürchten die Hindus aus den höheren Kasten, ihre Anerkennung und Würde in der Gesellschaft zu verlieren», erklärt Abishek*, ein lokaler Partner von Open Doors.

Viele Hindus sehen das Christentum als fremde Religion, die Inder von ihrer Religion, Identität und Traditionen abwendet. Hindu-Nationalisten schüren solche Ängste und Vorurteile mit gezielter Indoktrinierung. «Man füttert die Leute mit Falschinformationen», sagt Maruc*, ein anderer Partner von Open Doors. «Vor einigen Jahren wurde die Hilfe von Christen sehr gern angenommen. Die Leute sagten: ‘Niemand mag euch, aber ihr Christen seid voller Liebe, sehr sozial, ihr helft den Menschen.’ Aber wenn heute Christen ihre Hilfe anbieten, wird gefragt: ‘Helft ihr uns, damit wir Christen werden?’»

Maruc erzählt die Geschichte von einem Christen, der 2018 bei den Überschwemmungen im Bundesstaat Kerala Menschen helfen wollte, deren Haus völlig von den Fluten umgeben war. Ob er Christ sei, wollten sie wissen. Als er bejahte, weigerten sie sich, ins Boot zu steigen. «Es geht gegen jede Logik, aber so weit ist es in unserem Land gekommen.»

Ein anderer wichtiger Partner von Open Doors, Pastor Samuel*, stellt fest: «Heute sehen sie die Christen nicht mehr als Brüder, sondern als anti-national, als Verräter, als jene, die Hindus zum Christentum zu bekehren suchen.» Pastor Kuldeep* hat kürzlich einen Mordanschlag überlebt: «Deshalb nimmt die Verfolgung hier zu: Die Hindus glauben, dass Amerikaner oder Europäer nach Indien kommen und Menschen mit Geld zum Christentum locken. Dass es eine Taktik ist, um die Welt zu beherrschen.» Dies betrifft nicht nur die allgemeine Bevölkerung, sondern gerade auch die Behörden.

Betet für Indien
Die Open Doors-Partner vor Ort bitten die weltweite Kirche um Gebet. «Bitte betet um Weisheit für unsere Regierung. Indien ist ein vielfältiges Land, wie ein Garten mit vielen verschiedenen Blumen. Betet, dass wir in Eintracht leben können.» /

* Namen geändert

Auszug September 2019 – Magazin