19.07.2019 /
Indien
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Indien: Christliche Familien verprügelt und vertrieben

Vor wenigen Wochen griff ein Mob in einem indischen Dorf* die dort lebende christliche Minderheit an. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt. Die Christen mussten aus dem Dorf fliehen und konnten bislang nicht in ihre Häuser zurückkehren. Durch einheimische Partner steht Open Doors in Kontakt mit ihnen und unterstützt sie.

An einem Sonntagmorgen besuchte Pastor Bishu* wie jede Woche die kleine Gemeinde unweit seines eigenen Heimatdorfes. Als er sich dem Haus näherte, in dem die Gottesdienste stattfanden, umringte ihn eine Gruppe junger Männer. «Sie begannen, mich zu verhören und fragten mich, was ich in ihrem Dorf mache. Dann fingen sie an mich zu schlagen und zu treten», berichtet der Pastor. Nachdem einige der Christen ihm zu Hilfe eilten, konnte er nach Hause zurückkehren.

Doch tags darauf eskalierte die Gewalt. Eine grosse Gruppe junger Männer aus dem Dorf versammelte sich, bewaffnet mit langen Stöcken und Stangen. Sie griffen die christlichen Familien an und schlugen sogar Frauen und Kinder. Einem der Opfer, Babu* (32), wurde der Arm gebrochen, während zwei weitere Männer schwere Kopf- und Rückenverletzungen erlitten.

Trotz seiner Verletzung hält Babu unerschütterlich an seinem Glauben fest. «Ich hatte grosse Angst. Dennoch ist es ein Privileg für mich, für Christus zu leiden. Ich bin nicht entmutigt, aber ich weiss, dass es für mich jetzt schwierig wird: Bis mein Arm besser wird, kann ich nicht arbeiten, um meine Familie zu versorgen.» Wie die anderen Christen auch, hat Babu an einem Seminar zur Vorbereitung auf Verfolgung teilgenommen. Rückblickend sagt er: «[Dort] haben wir erfahren, dass Menschen auf der ganzen Welt wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt werden und trotzdem bis zu ihrem Tod daran festhalten. Das hat uns alle inspiriert und uns ermöglicht, stark zu bleiben.»

Pastor Bishu erklärt die Übergriffe folgendermassen: «Die Dorfbewohner wollen, dass wir unsere Stammesrituale und Bräuche aufrechterhalten. Sie befürchten, dass es ihnen Unglück bringt oder dass ihre traditionelle Kultur langsam verschwinden könnte, wenn sich das Christentum ausbreitet.» Nach den Angriffen befinden sich die Christen in einer nahezu ausweglosen Lage, wie unsere lokalen Partner erläutern, die sie besucht haben: «All diese Familien sind sehr arm und verdienen ihren Lebensunterhalt meist durch Landwirtschaft oder als Tagelöhner. Nach dem Vorfall mussten sie in andere Dörfer fliehen. Einige wohnen in einem Gemeindegebäude im nahegelegenen Dorf. Wir stehen in enger Verbindung zu ihnen und tun, was wir können, um ihnen zu helfen.»

* aus Sicherheitsgründen können keine Details genannt werden; Namen wurden geändert