24.04.2020 /
Iran
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Iran: Ein Brief aus dem Gefängnis

Wie einst der Apostel Paulus, der von seinem Gefängnis aus an verschiedene Gemeinden schrieb, so richtet Nasser Navard, ein iranischer Christ, einen Brief voller Wohlwollen und Ermutigung an seine Glaubensgeschwister.

Nasser ist in einer Kollektivzelle eingesperrt und vom Virus bedroht. Er sagt, dass ihn die Gebete der Gläubigen tragen:

Im Namen des Herrn, «Wahrlich, ihr seid unsere Herrlichkeit und unsere Freude – 1. Thessalonicher 2:20», an alle lieben Brüder und Schwestern, die von Gottes Liebe und Gnade beschenkt sind. 
Ich sende euch Grüsse, während ich mich hinter den hohen Mauern und dem Stacheldraht des Evin-Gefängnisses nach der Gemeinschaft mit euch sehne. Mein Herz ist voller Liebe, Fürsorge und Dankbarkeit in Erinnerung an unsere Zeiten der Gemeinschaft. Ich schreibe, was aus meinem Herzen zu euch hinausdringt. Ich erinnere mich an eure Versammlungen, an euren Lobgesang für den Herrn in Einheit des Geistes und des Herzens. Ich bin [im Geist] bei euch. Mauern und Entfernungen können uns trotz meines inneren Schmerzes nicht trennen; ihr seid immer in meinen Gebeten […]. 
Ich danke Gott für eure Unterstützung, […] dass ihr meine Lasten geteilt, mir Kraft gegeben und mich ständig ermutigt habt. Wie glücklich bin ich, euch an meiner Seite zu haben! 
Niemals könnte ich all das allein durchstehen; der Herr trägt mich […] mit der Wärme eurer Liebe durch inmitten aller Härte dieses Kerkers. Die wichtigste Botschaft, die ich hörte, war, einander zu lieben. Möge die Liebe und Fürsorge des Herrn mit euch sein und euch beschützen. «Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blösse oder Gefahr oder Tod?» – (Römer 8,35) 
Mit all meiner Liebe und Fürsorge,
Nasser Navard Gol-Tapeh

Wie Youcef Nadarkhani und mehrere andere Christen, deren Antrag auf Freilassung abgelehnt wurde, bleibt Nasser Navard im Gefängnis. Er verbüsst eine 10-jährige Haftstrafe wegen Mitgliedschaft in einer Hauskirche. Nasser (58) hat gesundheitliche Probleme. Seine Familie ist um ihn besorgt, vor allem jetzt, wo der Ramadan beginnt. Menschenrechtsgruppen haben die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert, da in mehreren Gefängnissen von Coronavirus-Infektionen und Todesfällen berichtet wurde. Beten wir für Nasser und andere Glaubensgeschwister, die im Iran inhaftiert sind.

Um zu verhindern, dass die Hafteinrichtungen zu epidemiologischen Zeitbomben werden, liessen die Behörden im März 83’000 Gefangene provisorisch frei, darunter mehrere Christen. Hier sind einige von ihnen: Ramiel Bet-Tamraz, Mary (Fatemeh) Mohammadi, Amin Khaki und Rokhsareh (Mahrokh) Ghanbari. Eine freudige Überraschung erreichte Amin und Rokhsareh Anfang April vonseiten der Gefängnisbehörden: sie müssten nicht zurück ins Gefängnis und ihre Kaution würde ihnen zurückerstattet, sobald die Gerichte wieder öffneten!