10.08.2019 /
Iran
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Iran: Prozess gegen vier Christen – «Ihr seid Abtrünnige!»

Vier Christen erschienen am 28. Juli vor einem iranischen Gericht; offiziell wegen «Untergrabung der Staatssicherheit». Plötzlich enthüllte der Richter die wahren Gründe für ihre Anklage.

Am 28. Juli erschienen vier iranische Christen mit muslimischem Hintergrund vor Gericht. Offiziell werden sie der «Untergrabung der Staatssicherheit» und der «Förderung des Zionismus» beschuldigt.

Plötzlich erklärte der Richter, dass «die Bibel von Grund auf neu erfunden worden» sei und dass die Angeklagten «Abtrünnige» seien. Er enthüllte damit den wahren Grund für die Anklage: Ihre Hinwendung zum Christentum.

Mehrere Gemeinde-Mitglieder in Haft

Die vier Angeklagten sind Mitglieder derselben christlichen Gemeinde im Iran und ihr Pastor, Youcef Nadarkhani, wurde im Juli 2017 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sie waren bei einer Reihe von razzienhaften Überfällen im Januar und Februar in der nördlichen Stadt Rasht verhaftet worden.

Nach einer Anhörung vier Tage zuvor, am 24. Juli, wurden fünf weitere Mitglieder derselben Kirche, darunter Pastor Andolreza Ali Haghnejad, zurück ins Gefängnis geschickt, nachdem sie sich geweigert hatten, ihren Anwalt durch einen vom Gericht ernannten Anwalt zu ersetzen.

«Abtrünnige» haben im Iran keinen Rechtsschutz

Christen im Iran gelten als «westlicher Einfluss» und «Bedrohung der islamischen Identität des Landes». Die Regierung versucht zu verhindern, dass sich die Kirche entwickelt. Daher dürfen Christen ihren Glauben nicht mit Nichtchristen diskutieren.

Christen mit muslimischem Hintergrund dürfen keine offiziellen Kirchen besuchen, was viele von ihnen zwingt, geheime Untergrund-Gemeinden zu besuchen. Sie sind besonders anfällig, weil sie als Abtrünnige gelten und nach iranischem Recht keinen Rechtsschutz geniessen.