07.09.2020 /
Kamerun
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Kamerun: Christen im Norden durch Boko Haram belagert

Wiederholte Angriffe durch Boko Haram im Norden Kameruns verunsichern die Christen. Die jüngsten Überfälle auf abgelegene Dörfer haben drei Männer das Leben gekostet, andere wurden ihres Besitzes beraubt.

Die jüngsten Angriffe geschahen zwischen dem 29. Juli und dem 8. August in mehreren Dörfern nahe der nigerianischen Grenze. Sie erfolgten nach dem gleichen Muster früherer Attacken: Sobald die Militanten ankommen und einzig Frauen vorfinden, plündern sie Häuser und gehen woanders auf der Suche nach Männern, um diese zu töten.

Nachtschichten in den Bergen

Pastor Amos (Name geändert) berichtet, was in seinem Dorf Kassa Darra geschah: «Wegen der ständigen Angriffe schlafen die Männer lieber ausserhalb des Dorfes in den nahe gelegenen Bergen als in den Häusern. Am Abend des 8. August sagte ich den Kirchenführern, dass wir wachsam sein müssten. Plötzlich hörten wir die Militanten der Boko Haram. Sie umzingelten uns und riefen den Feuerbefehl. Jeder von uns floh in eine andere Richtung. Nachdem die Angreifer gegen 1 Uhr morgens gegangen waren, trafen wir uns wieder. Wir stellten fest, dass ein Kirchenältester, Jonas Vigue (46), getötet und Marava Keda (56) in die linke Hand geschossen worden war.»

Während des Angriffs plünderten die Kämpfer das Haus von Pastor Amos. «Ich bin Gott dankbar, dass er uns verschont hat, auch wenn wir um unseren Bruder Jonas Vigue trauern müssen. Seine Frau, Rebecca, ist untröstlich.»

Kinder versteckten sich in den Bergen

Die Angreifer zogen sich zurück, nachdem sie mindestens fünf weitere Häuser geplündert hatten. Zum Glück blieb seine Familie unverletzt. «Meine Frau war zu einem Treffen nach Mora gefahren und verbrachte die Nacht dort. Wegen der Unsicherheit hatte ich die Kinder gebeten, die Nacht auf dem Gipfel des Berges zu verbringen.»

Widerstand leisten, sich unterwerfen, die Gegend verlassen ... was tun?

Aufgrund des Zustands der Strassen in dieser abgelegenen und unzugänglichen Region konnten die kamerunischen Streitkräfte nicht gegen die Angreifer vorgehen. Christen sind nach wie vor eines der bevorzugten Ziele der Extremisten, aber auch viele Muslime, die Boko Haram nicht unterstützen. Die Zerstörung und die Angst, welche die terroristische Gruppe hervorruft, zwingen die Bewohner der Region, sich zu unterwerfen oder die Region zu verlassen, erklärt der Sprecher von Open Doors für Sub-Sahara-Afrika.