07.10.2020 /
Libyen
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Libyen: Christen werden straffrei inhaftiert und ermordet

 

Ohne eine Regierung, die Recht und Ordnung durchsetzen kann, werden libysche Christen von den beteiligten Parteien ungestraft zur Zielscheibe.

Romany Adly Ayoub ist ein ägyptischer Christ, der seit dem Jahr 2014 in Libyen lebt. Er hat dort ein Bekleidungsgeschäft eröffnet, damit er seiner Familie Geld nach Hause schicken kann. Ohne Nachricht von ihm seit Januar erfährt seine Familie dann aber, dass Romany von der islamistischen Gruppe Ansar al-Sharia entführt und ermordet wurde, weil er sich weigerte, seinen Glauben zu leugnen. Dies ist ein eklatantes Beispiel für die Gewalt, die Christen in Libyen tagtäglich betrifft.

Enormer Druck

Nach dem Sturz von Gaddafi 2011 versank das Land im Chaos. Das von der Regierung hinterlassene Vakuum wurde von politischen und militärischen Fraktionen gefüllt, die nicht zögern, schwere Menschenrechtsverletzungen gegen Libyer zu begehen, um ihre Macht zu behaupten. Unter den Opfern sind Christen, die von den verschiedenen Parteien ungestraft ins Visier genommen werden.

Muslime, die zum Christentum konvertieren, sind noch stärker gefährdet. Wenn sie im Internet über ihren Glauben sprechen, werden sie verhaftet und wegen Blasphemie ins Gefängnis gesteckt. Da jeder Libyer angeblich Muslim ist, stehen sie unter enormem psychischen oder physischen Druck von der Polizei oder ihren Familien, zum Islam zurückzukehren.

UN-Mission für Oktober geplant

Besorgt über die Situation plante der UN-Menschenrechtsrat im Oktober eine Mission zur Beurteilung der Menschenrechtssituation im Land. Erstmals soll nun auch die Religionsfreiheit bewertet werden. Tatsächlich leben die Christen in Libyen unter extremem Druck.

Dennoch ist Libyen Unterzeichner mehrerer internationaler Verträge, die die Bedeutung der Religions- und Glaubensfreiheit bekräftigen. Der Verfassungsentwurf für 2017 macht jedoch den Islam zur Religion des Landes und die Scharia zur Hauptquelle der Gesetzgebung. Obwohl das libysche Strafgesetzbuch den Glaubensabfall nicht verurteilt, sind die verwendeten Begriffe vage genug, um Christen der Blasphemie zu beschuldigen.