22.01.2021 /
Mexiko
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Mexiko: «Ich dachte, sie würden meine Mutter umbringen»

Nachdem Mexiko im Weltverfolgungsindex 2020 nicht gelistet war, kehrt das Land auf dem diesjährigen Index zurück und rückt auf den 37. Rang vor. Die organisierte Kriminalität ist in erster Linie für diesen Anstieg verantwortlich und übt ihren Einfluss im ganzen Land aus. In ländlichen Gebieten werden die Christen auch von den Dorfgemeinschaften unter Druck gesetzt. Diese praktizieren alte Bräuche aus vorchristlicher Zeit und versuchen, die Christen aus ihren Heimatdörfern zu vertreiben.

Rosario lebte mit ihren fünf Kindern in Yatzil Tres Lagunas, einer kleinen ländlichen Gemeinde im Landesinneren von Mexiko. Sie musste für ihre Kinder allein sorgen, da ihr Mann eine sehr gut bezahlte Arbeit in einem anderen Bundestaat angenommen hatte, um für den Lebensunterhalt für die Familie aufzukommen. Er kehrte nur einmal im Jahr nach Hause zurück, da die Reise sehr teuer ist.

Als sich Rosario an diesem Morgen auf den Weg machte, um auf dem Markt Lebensmittel einzukaufen, gab sie ihren Kindern die folgende Anweisung: «Falls ich nicht zurückkomme, dann geht ihr zu eurer Tante und bleibt dort!» Offenbar hatte sie eine Vorahnung, die sich bereits wenig später bewahrheitete. Kurz nachdem Rosario ihr Haus verlassen hatte, wurde sie von einer Gruppe Männer angegriffen.

Besuch im Gefängnis

«Als ich sah, wie meine Mutter fortgebracht wurde, nahm ich unsere Hausschlüssel und wir alle gingen zum Haus meiner Tante», erinnert sich Rosi, ihre Älteste. Während sie sich im Haus ihrer Tante versteckten, beteten die Geschwister für die Freilassung ihrer Mutter. Dann kam der Abend, an dem sie sie im Gefängnis besuchten. Rosi erzählt: «Als wir ankamen, sahen wir meine Mutter umringt von diesen bewaffneten Menschen. Sie behaupteten, sie sei eine Hexe. Meine Mutter sagte ihnen immer wieder, dass das nicht stimme und dass sie nur wegen ihres christlichen Glaubens bestraft würde.»

Das Trauma überwinden

Ihre Mutter verfolgt und eingesperrt zu sehen, hat in den Kindern tiefe Spuren hinterlassen. «Die Leute dort sagten, dass sie auch uns Kinder einsperren würden», berichtet Rosis Bruder Josue, der damals neun Jahre alt war. «Ich hatte so grosse Angst, aber ich dachte mir, wenn meine Mutter so stark blieb, musste auch ich stark und mutig bleiben.» Kevin, der Jüngste der fünf Geschwister, erzählt: «Ich dachte, diese Leute würden meine Mutter umbringen.» Er verlor wegen der emotionalen Belastung seinen Appetit und wollte nicht mehr spielen. Nach Rosarios Freilassung konnten sie und ihre Kinder an einem Traumaseminar von Open Doors teilnehmen. Rosi konnte sogar den Verfolgern ihrer Mutter vergeben. Unsere lokalen Partner haben der Familie zusammen mit anderen Christen aus dem Dorf eine neue Unterkunft ausserhalb ihres Heimatdorfes besorgt. Für all die erhaltene Unterstützung sind Rosario und ihre Kinder sehr dankbar.