10.03.2016 /
Nigeria
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Nigeria: 13‘000 Kirchen geschlossen

Zeitgleich mit der Veröffentlichung eines 48-seitigen Analyseberichts von Open Doors publizierten zahlreiche Kirchen Nigerias vereint unter dem Dach der «Christian Association of Nigeria» eine Erklärung – ein historischer Schritt. Darin verpflichten sie sich dazu, die unterdrückten Christen im Norden des Landes stärker als bisher zu unterstützen. Gleichzeitig fordern sie die Regierung auf, der Gewalt ein Ende zu bereiten. Zudem solle die UN die Vorfälle untersuchen.

 

Burgdorf/Wien, 10. März 2016 – Ein 48-seitiger Hintergrundbericht von Open Doors analysiert die zusehends dramatischer werdende Situation der Christen im Norden Nigerias. Denn sie sind einer der weltweit tödlichsten Terrorgruppen der Welt ausgesetzt: Der Boko Haram, die dem Islamischen Staat die Treue geschworen hat.

Im Norden des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas kamen im Jahr 2015 mehr als 4000 Christen durch die Hand der Boko Haram ums Leben.

 

Die «Christian Association of Nigeria» (CAN) ist Nigerias grösster Kirchenverbund, dem protestantische, evangelische, pfingstliche und katholische Gemeinden angehören. Ihre Vertreter reagierten nun auf die bedrohliche Entwicklung mit einem geradezu historischen Schritt: «Zum ersten Mal überhaupt wenden wir uns mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit»,  betont Pastor Musa Ake, Generalsekretär der Vereinigung.

 

Ausmass deutlich machen

«Wir wollen das ganze Ausmass der Verfolgung deutlich machen, der Christen in unserem Land ausgesetzt sind.» Als Basis für das Communiqué dient die von Open Doors und der CAN gemeinsam erarbeitete Studie, die für die Jahre 2006 bis 2014 die Ermordung von 11‘500 Christen und die Zerstörung oder Schliessung von 13‘000 Kirchen im Norden Nigerias belegt. Darüber hinaus ist darin von 1,3 Millionen Christen die Rede, die vor der Gewalt in sichere Landesteile fliehen mussten.

 

Die Auswirkungen der Gewalt auf die Lage der Christen aber auch auf das Zusammenleben von Christen und Muslimen sind immens. Viele der Befragten berichteten aus ihrem Alltag von Diskriminierung, Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Viele Menschen sind traumatisiert.

Annährend zwei Drittel der Pastoren gaben an, der Kirchenbesuch sei unter dem Druck der Übergriffe deutlich zurückgegangen.

 

Ernüchternde Perspektiven und ein Weckruf

Pfarrer Samuel Dali ist Präsident des Bundes «Vereinigung der Brüdergemeinden», die in den von massiver Gewalt betroffenen nördlichen Bundesstaaten weit verbreitet sind. Dali kennt die prekäre Situation vor Ort bestens und verbindet mit dem Bericht Hoffnung in anderer Hinsicht: «In der Vergangenheit waren viele der Geschwister im Süden oft völlig unwissend über das, was im Norden des Landes geschah. Die Übergriffe galten mitunter als eine „Angelegenheit des Nordens“. Jahrelang habe ich mich deshalb oft im Stich gelassen gefühlt, als sei ich ein Fremder unter den Christen; selbst grosse Probleme wurden nicht angesprochen.»

 

Dali betrachtet den Bericht deshalb als «Weckruf» für die Kirchen des Südens, «damit sie erkennen, dass der islamische Extremismus von Boko Haram eine Bedrohung für die Christen im ganzen Land ist». Angesichts dieser grossen Bedrohung ist die neu gewonnene Einheit zwischen den Kirchen überlebenswichtig.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht Nigeria zurzeit an 12. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.