28.02.2020 /
Nordkorea
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Nordkorea: Bevölkerung besonders gefährdet am Ende des Winters

Winter und Frühlingsanfang sind besonders harte Zeiten für die nordkoreanische Bevölkerung. Die Nahrungsmittelvorräte und andere lebenswichtige Güter sind aufgebraucht, und die neue Ernte ist noch nicht da. Die Christen zählen zu den am meisten Gefährdeten.

Die Einteilung der Bevölkerung in soziale Gruppen wird «songbun» genannt und schafft starke Diskriminierung. Bürger, die als «treu» (28%), «schwankend» (45%) oder «feindlich» (27%) eingestuft sind, werden im Gesundheits- und Arbeitsbereich und sogar in der Nahrungszuteilung unterschiedlich behandelt. Die rund 300‘000 Christen gehören zur letzteren Gruppe, die als regimefeindlich gilt. Schätzungsweise Zehntausende Christen sind in Konzentrationslagern inhaftiert. Im Falle einer Epidemie können sie auf keinerlei Behandlung hoffen.

Die Grenze zu China ist geschlossen
Erschwerend hat Nordkorea kürzlich seine Grenze zu China geschlossen, um den Ausbruch des Coronavirus zu verhindern. Die Militärpräsenz wurde verstärkt. So gelangen keine Lebensmittel, Medikamente und Rohstoffe für die Fabriken mehr ins Land. Die Preise sind in die Höhe geschossen. Die Verknappung ist bereits spürbar. Ein ehemaliger nordkoreanischer Diplomat sagt: «Selbst für die Elite sind beim Ausbruch ansteckender Krankheiten die Medikamente rationiert.» Auch die Arbeit von Open Doors zugunsten der nordkoreanischen Christen ist betroffen.

Ein schlecht vorbereitetes Land 
In den meisten Ländern informieren die Gesundheitsbehörden die Bevölkerung und ergreifen Vorsichtsmassnahmen. Dies ist im undurchsichtigen Nordkorea nicht der Fall. Offiziell hat das Land zwar keine Ansteckungsfälle bestätigt. Doch die Provinz Nordpjöngjang berichtete am 7. Februar, dass fünf Menschen in Krankenhäusern in Sinuiju, nahe der chinesischen Grenze, an hohem Fieber gestorben seien. Die Regierung verneint, dass das Coronavirus für ihren Tod verantwortlich sei. Das nordkoreanische Gesundheitsministerium deutet jedoch an, dass Menschen, die wegen Fieber oder Husten infektionsverdächtig sind, unter Quarantäne gestellt und behandelt werden.

Sollte sich die Epidemie in Nordkorea bestätigen, wären die Auswirkungen viel verheerender als im benachbarten China. Ohne angemessene sanitäre Einrichtungen und genügend Medikamente wäre Nordkorea nicht in der Lage, eine umfassende medizinische Versorgung zu gewährleisten. 

In jüngster Vergangenheit verursachten Cholera und SARS den Tod vieler verletzlicher Menschen. Timothy Cho*, ein Überlebender, der aus Nordkorea floh, erinnert sich: «Ich war eines jener Strassenkinder, die mit Cholera infiziert waren. Ich war auf den Tod gefasst, ohne Essen und ohne jegliche Pflege.»

Die Partner von Open Doors unterstützen 60‘000 nordkoreanischen Christen mit Lebensmitteln und Nothilfe. Sie strahlen auch christliche Radioprogramme aus und betreiben an der chinesischen Grenze Zufluchtshäuser für jene, die aus dem Land fliehen können.

*Deckname