04.09.2020 /
Nordkorea
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Nordkorea: Hunger, Naturkatastrophen und die «Geisterkrankheit»

Vor einem Monat verschlimmerten Überschwemmungen die in Nordkorea herrschende humanitäre Notsituation noch weiter. Und auch wenn das Regime weiterhin erklärt, dass es keinen einzigen Covid-19-Fall im Land gebe, kämpfen die Behörden gegen eine Ausbreitung des Virus, das die Nordkoreaner «Geisterkrankheit» nennen.

«Die Menschen können krank sein, ohne es zu wissen. Sie sind meist schon unterernährt. Dann sterben sie plötzlich schnell. Manche fallen sogar einfach tot auf den Boden», erklärt Simon*, der unter Nordkoreanern tätig ist.

Schwere, anhaltende Regenfälle führten Anfang August zu Überflutungen in den Provinzen Hwanghae-Nord und Hwanghae-Süd, den wichtigsten Reisanbaugebieten Nordkoreas. Zehntausende Helfer wurden in die betroffenen Regionen entsandt, um die Evakuierung der Anwohner zu unterstützen. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass durch die Regenfluten und Wirbelstürme die Wohnungen von mehr als 5 Millionen Menschen beschädigt sein könnten. Die Naturkatastrophe gefährdet die diesjährige Reisernte, was die humanitäre Krise weiter zu verschlimmern droht. Nach Einschätzung der UNO sind mehr als 40 % der Bevölkerung unterernährt und auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Zwar erklärten sich die UNO bereit, sofortige Nothilfe in den Überschwemmungsgebieten zu leisten, aber Nordkorea nahm diese nicht an. Am 14. August erklärte Staatschef Kim Jong Un, dass Nordkorea aufgrund der Covid-19-Pandemie die infolge der Flut entstandenen Schäden ohne ausländische Hilfe bewältigen werde, um zu vermeiden, dass so das Virus ins Land gelange.

Bereits vor der Corona-Pandemie war es für die heimlichen Christen in Nordkorea nur unter äussersten Vorsichtsmassnahmen möglich, sich zu treffen; die zusätzliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit macht geheime Treffen nahezu unmöglich. Um die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern, wurden auch die Sicherheitsmassnahmen an der Grenze zu China weiter verschärft, damit ist es für die nordkoreanischen Christen schwieriger, durch Kontakte zu Christen in China lebensnotwendige Hilfe und geistliche Stärkung zu erhalten. Über Untergrundnetzwerke stehen in China Essen, Medikamente, Winterkleidung und andere Hilfsgüter bereit. Doch Simon erklärt: «Zuerst muss Gott eine Tür öffnen. Sobald die Menschen aus dem Land herauskommen können, werden wir ihnen die Mittel zum Überleben geben. Kürzlich hatten wir eine Gelegenheit, etwas Nothilfe weiterzugeben. Wir warten auf die nächste.»

*Deckname