30.04.2020 /
Nordkorea
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Nordkorea: Welche Zukunft haben Christen, wenn Kim Jong-Un stirbt?

Sollte Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un sterben, stehen die Christen vermutlich vor allem vor zwei möglichen Szenarien.

In den letzten Tagen kursierten Gerüchte über den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un. Er ist das Oberhaupt des Landes, das die Christen wegen ihres Glaubens am meisten verfolgt. Nun ist die Frage, ob sich dies im Falle des Todes des Diktators radikal ändern würde?

Hypothese 1: Wenn die Kim-Dynastie an der Macht bleibt

Zunächst einmal beobachteten wir nach den früheren Übergängen in der Exekutive in den Jahren 1994 und 2011 eine Zunahme der sozialen Kontrolle. Je schwächer der Führer, desto mehr muss er eine Politik der eisernen Faust betreiben, um sicherzustellen, dass die Menschen auf dem «richtigen» Weg bleiben. Die Kinder von Kim Jong-Un wären zu jung, um die Macht zu übernehmen. Wahrscheinlich würde seine Schwester Kim Yo-Jong die Geschicke in der Regierung übernehmen. Die junge Frau, die etwas über 30 Jahre alt ist, könnte versucht sein, drastische autoritäre Massnahmen zu ergreifen, um sich den Respekt der Bevölkerung zu verschaffen.

Dieses Szenario würde die Situation der Christen, die in diesem Land seit Jahrzehnten sehr schwer verfolgt werden, nicht verbessern. In der Tat glaubt das Kim-Regime, dass das Christentum eine Bedrohung für seine absolute Macht darstellt. In der Propaganda werden sie regelmässig als Staatsfeinde dargestellt.

Hypothese 2: Im Falle eines Staatsstreichs

Kim Jong-Un hat wenige Freunde und viele Feinde. Seine Feinde könnten sich gegen ihn wenden, ein Machtkampf könnte entstehen und mit Hilfe der Vereinigten Staaten eine Wiedervereinigung zwischen Süd- und Nordkorea herbeiführen. Es sei denn, China beeilt sich, Nordkorea zu annektieren, um die US-Militärpräsenz in Südkorea zu blockieren. Man könnte sich dann eine Verbesserung der Meinungsfreiheit vorstellen, deren Intensität vom internationalen politischen Umfeld abhängen würde.

Bis auf Weiteres...

Kurzfristig erwarten wir keine wesentlichen Veränderungen für die nordkoreanische Bevölkerung. Christen werden weiterhin unterdrückt werden und weiterhin Hilfe suchen. Langfristig hoffen wir auf einen bedeutenden Wandel im Land, einen Wandel, der mehr Freiheit und Wohlstand für alle Bürgerinnen und Bürger bringen wird.

Wenn dies geschieht, müssen wir bereit sein, den nordkoreanischen Christen zu helfen. Gegenwärtig sind unsere Radioprogramme eine grosse Quelle der Ermutigung für nordkoreanische Christen, die ihre christlichen Überzeugungen im Verborgenen leben.

Der Ursprung der Gerüchte

Kim Jong-Un war am 15. April bei den Feierlichkeiten zur Geburt des Gründers des Regimes, seines Grossvaters Kim Il-Sung, abwesend, was Gerüchte über seinen möglichen Tod auslöste. Darüber hinaus wurde Kim Jong-Un im April aufgrund von Herzproblemen einer grösseren Operation unterzogen. Einige Leute glauben, dass die Operation schlecht durchgeführt wurde und dass sich sein Gesundheitszustand erheblich verschlechtert hat.