20.08.2020 / news

Parlamentarier wünschen entschiedeneres Handeln - UNO-Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt

Der 22. August ist von der UNO zum Internationalen Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt erklärt worden. Open Doors weist bereits seit 65 Jahren auf diese Problematik hin – und befragte Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier verschiedener Parteien zu diesem Thema.

Burgdorf, 19. August 2020 – Ausschliesslich wegen seines Glaubens im Iran inhaftiert zu sein, in Nigeria mit ansehen zu müssen, wie das eigene Dorf angegriffen und Mitglieder der eigenen Familie umgebracht werden oder in einem Arbeitslager in Nordkorea zu verschwinden – das sind nur einige Beispiele für die Gewalt, welcher Christen in Ländern ausgesetzt sind, in denen die Religionsfreiheit nicht garantiert ist.

Die Situation verschiedener Minderheiten verschlechtert sich, wie Open Doors beobachtet und anhand des jährlichen Weltverfolgungsindex dokumentiert.

Am 22. August wird der UNO-Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt nach 2019 zum zweiten Mal begangen. 80 Prozent der Menschen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert werden, sind Christen – dennoch bewirkt der Einsatz von Open Doors für Glaubensfreiheit jeweils auch Verbesserungen für andere Minderheiten.

«Wichtig, dass die Schweiz dagegen vorgeht»

Parlamentarierinnen und Parlamentarier mehrerer Parteien beantworteten Open Doors für diese Pressemitteilung die folgenden drei Fragen: «Wie finden Sie es, dass dieser UNO-Tag implementiert wurde?», «Wie stehen Sie zum Thema Christenverfolgung?» und «Wie kann die offizielle Schweiz beim Thema Glaubensverfolgung einen Unterschied machen?» (Die vollständigen Antworten finden Sie im Anhang dieses Mails).

Nationalrat Laurent Wehrli (FDP), Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Menschenrechte, findet es wichtig, dass die UNO diesen Tag ausgerufen hat. «Es ist wichtig, dass die Schweiz als christliches Land und als Sitz vieler internationaler Institutionen, einschliesslich des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), entschieden gegen die Christenverfolgung vorgeht.»

Dieser Tag zeigt, dass es Probleme gibt, die es zu lösen gilt, erklärt Philipp Hadorn (SP), Alt-Nationalrat und Sekretär der parlamentarischen Gruppe Christ und Politik. Der Einsatz der offiziellen Schweiz sei dringlich: «Wir müssen den Mut haben, dieser Problematik auch in unserer Gesellschaft wieder vermehrt Gehör zu verschaffen. Selbstverständlich sind auch Angehörige anderer Religionen gleich zu schützen.»

«Eine riesige Tragik»

Nationalrat Erich von Siebenthal (SVP) findet gut, dass die UNO die Glaubensfreiheit thematisiert und dass durch einen solchen Tag auf dieses Thema hingewiesen wird. Die Gewalttaten, die gegen Christen und andere Minderheiten verübt werden, sind laut Erich von Siebenthal «eine riesige Tragik.»

Laut dem Völkerrecht hat jede Person das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, erklärt CVP-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach. «Als aktiver Botschafter für das Völkerrecht sollte die Schweiz die Problematik der Glaubensverfolgung sehr ernst nehmen und sich nicht davor scheuen, dies in ihrem internationalen Dialog zur Sprache zu bringen, ganz besonders mit Staaten, in welchen Menschen bestimmter Glaubensrichtungen verfolgt und diskriminiert werden.»

«Glaubensfreiheit muss eingefordert werden»

«Über 260 Millionen Christen auf der Welt sind in einem hohen und extremen Mass der Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt», sagt Nationalrätin Lilian Studer (EVP). Das dürfe nicht sein: «Niemand soll aufgrund seines Glaubens in Angst und Verfolgung leben und um sein Leben fürchten.» Glaubensfreiheit muss eingefordert werden, erklärt Studer.

«Christenverfolgung ist in vielen Ländern eine Tatsache», erklärt Nationalrat Andreas Gafner (EDU). Die offizielle Schweiz könne einen Unterschied machen, zum Beispiel indem, «dass das EDA gezielt bei den betreffenden Regierungen interveniert und auch definierte Forderungen stellt.»

Philippe Fonjallaz: «Sie sollen in Würde und ohne Angst leben»

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen weist darauf hin, dass es in erster Linie Aufgabe der Staaten ist, Angehörige religiöser Minderheiten zu schützen, einschliesslich des Rechts auf freie Religionsausübung.

«Open Doors setzt sich seit 65 Jahren für das Recht der Christen ein, ihren Glauben frei zu leben und die Verfolgung anzuprangern, der sie in zu vielen Ländern der Welt ausgesetzt sind. Gewalt, sei es physisch oder psychisch, ist die schlimmste Form der Verfolgung. Wir begrüssen die Tatsache, dass die UNO das Ausmass dieses Problems nun offiziell anerkennt», sagt Philippe Fonjallaz, Direktor von Open Doors Schweiz. «Wir glauben jedoch, dass es nicht ausreicht, einen solchen Gedenktag auszurufen. Damit sich die Situation konkret ändert, müssen sich Regierungen und internationale Institutionen verbindlich dazu verpflichten, die Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf freie Glaubensausübung, zu verteidigen. Vergessen wir nicht, dass wir, wenn wir über Gewalt sprechen, von Frauen, Männern und Familien sprechen, die ganz konkret in ihrem Alltag davon betroffen sind und die in immer wiederkehrender Unsicherheit leben. Sie haben das Recht, unabhängig von ihrer Religion anerkannt zu werden, in Würde und ohne Angst vor dem, was sie am nächsten Tag erleiden könnten, zu leben.»

«Glaubensfreiheit muss eingefordert werden»

Der 22. August ist von der UNO zum Internationalen Gedenktag für Opfer religiöser Gewalt erklärt worden. Open Doors weist bereits seit 65 Jahren auf diese Problematik hin – und befragte nun Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier verschiedener Parteien zu diesem Thema. Hier finden Sie die vollständigen Antworten.

 

Wie finden Sie es, dass dieser UNO-Tag implementiert wurde?

Wie stehen Sie zum Thema Christenverfolgung?

 

Wie kann die offizielle Schweiz beim Thema Glaubensverfolgung einen Unterschied machen?

Laurent Wehrli

Nationalrat FDP,

Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Menschenrechte

Es ist gut, dass die UNO einen solchen Tag eingerichtet hat, der leider als Erinnerung daran dient, dass diese Situation nicht gelöst ist, sondern dass sie noch schlimmer ist und dass wir uns dafür einsetzen müssen, dass Christen nicht länger wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Es ist eine Tragödie, gegen die wir alle aufstehen und handeln müssen.

Es ist wichtig, dass die Schweiz als christliches Land und als Sitz vieler internationaler Institutionen, einschliesslich des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), entschieden gegen die Christenverfolgung vorgeht. Aber wir müssen erkennen, dass wir nicht alles allein lösen können. Wir müssen daher in Abstimmung mit anderen Ländern handeln und eine Menschenrechtsdiplomatie betreiben, die auch den Kampf gegen religiöse Verfolgung einschliesst.

Philipp Hadorn

Alt Nationalrat SP,

Sekretariat der parlamentarischen Gruppe Christ und Politik

Religion und Glaube sollen dem Frieden dienen. Weder im Namen von Religion soll Gewalt ausgeübt werden noch sollen Menschen aufgrund ihres Glaubens Gewalt widerfahren. Ein UNO-Tag zu diesem Thema macht sichtbar, dass wir hier Probleme haben, die es zu lösen gilt.

Verfolgung von Menschen aufgrund ihres Glaubens ist immer zu verurteilen. Heute werden auch viele Christen wegen ihrem Glauben verfolgt. Gerade als bekennender Christ macht es mich besonders betroffen, wenn „Glaubensgeschwister“ verfolgt werden. Wir müssen den Mut haben, dieser Problematik auch in unserer Gesellschaft wieder vermehrt Gehör zu verschaffen. Selbstverständlich sind auch Angehörige anderer Religionen gleich zu schützen.

Die Schweiz hat es bewiesen, dass ein friedliches Zusammenleben von Menschen mit verschiedenen Glaubensbekenntnissen möglich ist. Die internationale Verbundenheit der Schweiz mit der Tradition der „guten Dienste“ darf auch  Sensibilisierung und den Schutz verfolgter Christen zu einem Schwerpunktthema setzen - das enorme Leiden macht ein Handeln der offiziellen Schweiz dringlich. 

Erich von Siebenthal

Nationalrat SVP

Ich finde es sehr gut, dass die UNO diese Sensibilität hat, dass sie die Glaubensfreiheit thematisiert und dass durch einen solchen Tag auf dieses Thema hingewiesen wird. Ich finde das sehr wichtig. Was gegenüber den Christen und anderen Minderheiten verübt wird, ist eine riesige Tragik.

Das war für mich schon in Jugendjahren ein Thema, das mich immer berührt hat. Es bewegt mich, dass Christen verfolgt werden, weil sie an Jesus Christus glauben und was diese Menschen alles auf sich nehmen wegen ihrem glauben. Ich staune immer wieder, wie viel Kraft und Durchhaltewillen sie erhalten, um einfach treu zu bleiben. Dieses Thema war mir immer nahe.

Für mich ist klar: Wir sind nach wie vor ein Land, das auf christliche Werte gebaut ist. Ich bedauere immer wieder, dass die offizielle Schweiz Mühe hat, auch mal zu sagen, dass wir auch für die Christen auf dieser Welt einstehen. Es geht in die Richtung, dass man es vorzieht, zu sagen, dass man alle Minderheiten gleich halten will, da es sonst Problem geben könnte – das verstehe ich. Aber als christliches Land bin ich der Meinung, dass sich auch die oberste Ebene vermehrt zu unseren Werten bekennt. Das ist auch unsere Chance. Durch Corona und was noch alles kommen mag, hoffe ich, dass sich Politiker und Bevölkerung vermehrt auf unsere Herkunft besinnen und zur Bibel zurückfinden um daraus Kraft und Weisheit auch für politische Entscheide zu bekommen.

Christine Bulliard-Marbach

Nationalrätin CVP

Ich bin sehr dankbar, dass es diesen internationalen Gedenktag gibt, denn dadurch hilft die UN die Problematik der Opfer religiöser Gewalt weltweit aufzuzeigen und diesen ein Gesicht zu geben. Politisch wie auch gesellschaftlich setzt das wichtige Zeichen und führt hoffentlich zu mehr Sensibilität, Toleranz und politischem Willen. 

Leider hat die Christenverfolgung in den letzten Jahren weltweit zugenommen wie aus ihrem (Open Doors) Weltverfolgungsindex hervorgeht. Hinter jeder Zahl stecken jedoch Schicksale und oft menschliche Dramen. Aus menschlicher, religiöser und politischer Überzeugung finde ich die Diskrimination und Verfolgung von Religionsgemeinschaften, egal welcher Konfession, inakzeptabel.

Laut dem Völkerrecht hat jede Person das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Als aktiver Botschafter für das Völkerrecht sollte die Schweiz die Problematik der Glaubensverfolgung sehr ernst nehmen und sich nicht davor scheuen, dies in ihrem internationalen Dialog zur Sprache zu bringen, ganz besonders mit Staaten, in welchen Menschen bestimmter Glaubensrichtungen verfolgt und diskriminiert werden. Die offizielle Schweiz sollte sich zudem aktiv in relevante Gremien einbringen, welche sich mit der Verfolgung von Christen oder anderen Glaubensgruppen befassen.

Lilian Studer

Nationalrätin EVP

Die Ankerkennung der UNO der Opfer von religiöser Gewalt, und somit Zuteilung eines internationalen Tages, gibt der Problematik ein zusätzliches Gewicht und Gesicht und fordert zum Handeln auf. Ich finde dies enorm wichtig.

Über 260 Millionen Christen auf der Welt sind in einem hohen und extremen Mass der Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Dies ist eine beachtliche Zahl und darf nicht sein. Niemand soll aufgrund seines Glaubens in Angst und Verfolgung leben und um sein Leben fürchten. Dies muss eingefordert werden.

Glaubensfreiheit muss eingefordert werden. Wir können dies insbesondere bei internationalen Beziehungsaustausch und -vereinbarungen ansprechen und fordern und nicht die Augen vor der grossen Problematik verschliessen. Dankbar bin ich insbesondere für NGO’s die sich der Thematik annehmen und Unterstützung vor Ort bieten.

Andreas Gafner

Nationalrat EDU

Leider werden weltweit Menschen aufgrund ihres Glaubens und ihrer religiösen Überzeugung verunglimpft, schikaniert, verurteilt, vertrieben und gefoltert. Daher ist es positiv zu werten , dass dieser Tag implementiert wurde.

Christenverfolgung ist in vielen Ländern eine Tatsache. In der Schweiz gibt es einige international tätige Organisationen die sich engagiert einsetzten um verfolgten Christen in ihrer Notlage zu helfen. Solche Organisationen unterstützte ich gerne. Als Parlamentarier helfe ich mit, gezielte Vorstösse und Interventionen zu dieser Thematik zu unterstützen.

Zum Beispiel damit, dass das EDA gezielt bei den betreffenden Regierungen interveniert und auch definierte Forderungen stellt.