12.05.2020 /
Russland
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Russland: 5mal mehr Kirchen im Visier als im Vorjahr

In Russland geraten die nicht-orthodoxen Kirchen von den Behörden zunehmend unter Druck. Die protestantischen Gemeinden werden zunehmend zur Zielscheibe. So waren 2019 fünfmal so viele Kirchen von Verwaltungsauflagen betroffen wie 2018.

Brandschutz, Sicherheitsvorgaben aller Art und verschiedene Baunormen für öffentlich zugängliche Einrichtungen sind allesamt Vorwände für die Schliessung von Kirchen. Von November 2017 bis Oktober 2018 waren davon zwei Kirchen betroffen. In den darauf folgenden zwölf Monaten im gleichen Zeitraum waren es nun bereits zehn betroffene Kirchen.

Nicht-Orthodoxe unter Druck

Ein Beobachter stellt fest: «Die Behörden haben zuerst die Zeugen Jehovas verboten und jetzt fahren sie fort, nicht-orthodoxe, christliche Konfessionen wie die Pfingstler anzugreifen.» Am 31. Dezember musste die «Kirche der Botschaft Jesu» in Nischni Nowgorod wegen angeblicher Mängel an ihrem Brandschutzsystem ihre Türen schliessen.

Gesetze gegen Terror

Die Kirchen sind auch Opfer der Jarowaja-Gesetze, die 2016 im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus verabschiedet wurden. Ironischerweise verbieten diese nun russischen Christen, das Evangelium ohne die Erlaubnis der Regierung weiterzugeben. Erteilt wird dies nur religiösen Organisationen, die bei der Regierung registriert sind.

Kirchen vor Gericht gebracht

Die betreffenden Kirchen müssen sich vor Gericht verteidigen, und das kostet viel Zeit und Ressourcen, vor allem, wenn es immer wieder vorkommt.

Seit zehn Jahren muss sich die «Christ-Erlöser-Kathedrale», die der pfingstlichen Konfession «Wort des Lebens» angehört und sich in Kaluga, einer 150 Kilometer von Moskau entfernten Stadt befindet, regelmässig vor Gericht verteidigen.

Stets ändernde Vorwände

Die Vorwände sind jedes Mal anders: Zuerst wurde der Eigentumstitel für das Land in Frage gestellt und dann jener für das Gebäude. Dann folgten angebliche Konformitätsprobleme beim Bau der Kirche.

Im Jahr 2009 wurde der damalige Gouverneur der Region bei einem Treffen sogar mit diesen Worten protokolliert: «Findet einen Grund dieses Land zu konfiszieren... was auch immer es ist!»

In Orjol, einer Stadt 368 Kilometer von Moskau entfernt, kämpft auch die «Kirche der Auferstehung Gottes» darum, ihre Türen nicht schliessen zu müssen. Laut der NGO «Forum 18» sagte Pastor Pavel Abashin, dass der Geheimdienst die Gemeinde angewiesen habe, die Kirche «mit allen Mitteln» zu schliessen.