31.05.2016 /
Sudan
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Sudan: Ein Pastor frei, andere verhaftet

Systematische Zermürbung von Pastoren, schwere Anklagen in Vorbereitung

Der seit dem 13. Dezember 2015 inhaftierte Pastor Telahoon (Telal) Nogosi Kassa Rata ist am 10. Mai aus einem Gefängnis in der sudanesischen Hauptstadt Khartum entlassen worden. Pastor Hassan Abduraheem Kodi Taour, scheidender Generalsekretär der Sudanesischen Kirche Christi (SCC), der wenige Tage nach Rata ebenfalls in Haft kam, wird jedoch weiter festgehalten. Ihm wird, ebenso wie Rata während seiner Haftzeit, jeder rechtliche Beistand verwehrt. Immer wieder kommt es im Sudan zu Verhaftungen von Geistlichen, ohne dass öffentlich Gründe genannt würden.

Nur zwei Besuche in sechs Monaten

Der 36-jährige Telal Rata ist leitender Mitarbeiter der Vereinigung christlicher Universitätsstudenten und der Evangelischen Kirche von Khartum. Seinen Eltern wurde, trotz zahlreicher Versuche, während der gesamten Haftzeit nur zweimal der direkte Kontakt zu ihrem Sohn gestattet. Wie es aus dem Umfeld der Familie hiess, befindet sich der Freigelassene bei guter Gesundheit. Lange Zeit war der Aufenthaltsort der beiden inhaftierten Pastoren Rata und Taour geheim gehalten worden.

Das sudanesische Recht schreibt vor, dass ein Häftling spätestens 45 Tage nach seiner Festnahme entweder vor Gericht gestellt oder freigelassen werden muss. Dies ist weder bei Rata noch bei Taour geschehen.

Pastorale Arbeit massiv behindert

Am 24. Mai wurde Pastor Kuwa Shamal erneut verhaftet. Nach seiner letzten Festnahme im Dezember 2015 wurde er bereits nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuss gesetzt, allerdings mit der Auflage, täglich im Büro des sudanesischen Geheimdienstes (SCC) vorstellig zu werden. Bei diesen Einbestellungen wurde er immer wieder längere Zeit festgehalten, was seine pastorale Arbeit massiv beeinträchtigte. Wie der Nachrichtendienst Middle East Concern meldet, soll ihm nun gemeinsam mit Pastor Taour der Prozess gemacht werden. Für den letztgenannten wird mit schwerwiegenden Anschuldigungen wie Spionage und Untergrabung der Staatssicherheit gerechnet.

Weitere Pastoren, die wechselweise verhaftet und freigelassen wurden, bevor sie zum täglichen Rapport beim NIss bestellt wurden, sind Ayub Tilyab, Yagoub Naway (beide Pastoren der SCC), Ps. Philemon Hassan und Ps. Yamani Abraha von der Khartum El Izba Baptistengemeinde.

Es ist nicht das erste Mal, dass Khartum Christen entgegen geltendem Recht festgehalten und schwerwiegende Anschuldigungen gegen sie vorgebracht hat, dafür jedoch jeglichen Nachweis schuldig blieb. Zuletzt wurden im August 2015 die Pastoren Yat Michael und Peter Yen nach acht- bzw. siebenmonatiger Haft freigelassen, die der Spionage beschuldigt worden waren.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht der Sudan zurzeit an 8. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Quelle: Middle East Concern, World Watch Monitor, Open Doors