25.12.2019 / news

SYRIEN: Ohne Ehemann und ohne Vater

Jina weiss nicht, wo ihr Mann ist – und das seit sechs Jahren. Ihr Sohn, Abraham, war erst eins, als sein Vater Robert wegen seines Glaubens entführt wurde. Abraham erinnert sich nicht an seinen Vater – aber er spürt seine Abwesenheit jeden Tag.

Nicht zu wissen, ob Robert noch am Leben ist und ob er eines Tages zurückkehren wird, ist für Jina und Abraham schmerzhaft und in vielerlei Hinsicht herausfordernd.

Jina erinnert sich an glücklichere Zeiten, auch wenn die nur von kurzer Dauer waren. «Robert und ich haben uns während des Kriegs 2011 verlobt und im selben Jahr geheiratet. Abraham wurde 2012 geboren und 2013 wurde mein Mann entführt.» Sie nennt ihren Sohn ‘Apo’, die gängige Kurzform für ‚Abraham’ in der armenischen Sprache. «Wir waren sehr glücklich mit unserem Sohn und träumten von der Zukunft. Mein Mann und ich konnten nur Apos ersten Geburtstag gemeinsam feiern – danach wurde Robert entführt.»

Lebenswichtige Hilfe
Ohne Robert als Ernährer sind Jina und Apo dringend auf Hilfe angewiesen. Jina kann nicht arbeiten, weil sie als alleinerziehende Mutter für Apo sorgen muss. «Es ist sehr schwierig, unseren Jungen alleine grosszuziehen», sagt sie.

Die beiden werden von einer Kirche in Aleppo unterstützt, die als Hoffnungszentrum fungiert und von Pastor Abdalla, einem Partner von Open Doors, geleitet wird. Jina erhält regelmässig Brennstoff zum Heizen sowie Geld für andere Dinge. Ohne die Hilfe der Kirche würden sie und Apo sehr leiden.

Mehr von Jesus
Apo leidet nach wie vor unter dem Verschwinden seines Vaters, selbst wenn er keine Erinnerungen an Robert hat. Nach dessen Entführung sprach Apo drei Jahre lang nicht. Er ist immer noch ängstlich. Jeden Abend sagt er zu Jina: «Gute Nacht, ich liebe dich, aber verlass mich nicht.»

Doch die Aktivitäten im Hoffnungszentrum tun ihm sichtlich gut. «Er fragt mich oft, wann es wieder Freitag ist, wenn Sonntagsschule ist. Wenn ich ihn frage, wieso, sagt er: ‘Um mehr von Jesus zu erfahren’. Er geniesst es dort zu sein und liebt das Singen und die biblischen ­Geschichten», sagt Jina.

Ein Licht in der Dunkelheit
Die Aktivitäten des Hoffnungszentrums sollen dabei helfen, die nächste Generation von Christen in Syrien hervorzubringen. Die angebotenen Aktivitäten sollen zu widerstandsfähigen Familien und Gemeinschaften, und schliesslich auch zu einer widerstandsfähigen ­Kirche führen. Eine Kirche, die als Licht Christi in der Dunkelheit des Nahen Ostens leuchtet. /

Auszug Dezember 2019 – Magazin