Jahresbericht zur geschlechtsspezifischen Verfolgung 2022

Unser Bericht 2022 über geschlechtsspezifische Verfolgung (Gender Specific Religious Persecution - GSRP) zeigt, dass die aktuelle Pandemie bereits gefährdete Menschen noch mehr geschwächt hat: sie erfuhren Verfolgung und Widerstand vonseiten ihrer feindlich gesinnten Familien und Gemeinschaften im erschwerten Kontext des Lockdowns. 
 

Dieses Jahr hebt der Bericht die Zunahme von Zwangsheiraten als Form der Verfolgung von Frauen hervor, während Männer die Zielscheibe von Zwangsrekrutierung in Milizen sind, was vor allem in Südamerika, aber auch in Afrika zu beobachten ist.  

Der Bericht betont, dass die Verfolgungsmechanismen geschlechtsspezifisch sind: Männer und Frauen sind der Verfolgung stärker ausgesetzt als je zuvor. Die Verfolger tun alles, um die Christen in ihrer Identität zu zerstören. 

 

 

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Wichtigste Ergebnisse 

Geschlechtsspezifische religiöse Verfolgung ist endemisch, strategisch und wird durch Konflikte, Verbrechen und Krisen verstärkt. 

Im fünften Jahr der Erforschung der Druckpunkte, wie Männer und Frauen für ihren Glauben leiden, bestätigen sich die globalen Trends. Die Verfolger nutzen soziokulturelle Normen und Werte, die oft im Rechtssystem verankert sind oder durch dieses erleichtert werden, um christliche Männer und Frauen unter Druck zu setzen und letztlich die christliche Gemeinschaft zu schwächen. 

Die Verfolgung von christlichen Männern und Jungen zielt darauf ab, sie von der Szene zu entfernen. 

In allen Regionen laufen Männer und Jungen Gefahr, entführt, inhaftiert, geschlagen, fälschlicherweise angeklagt und von Milizen oder kriminellen Banden zwangsrekrutiert zu werden. Im Bestreben, Männer aus ihrer Rolle als Versorger und Beschützer der christlichen Gemeinschaft zu verdrängen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie wegen ihres Glaubens getötet werden. In vielen Regionen sind Gemeindeleiter noch mehr gefährdet. 

Die Verfolgung macht aus christlichen Frauen und Mädchen Sexualobjekte und Träger von Schande. 

Sexuelle Gewalt, Zwangsverheiratung und Menschenhandel bedrohen ausgegrenzte christliche Frauen und Mädchen in verschiedenen Regionen der Welt. Diese Mittel werden oft angewandt, um christliche Familien und Gemeinschaften zu bestrafen und ihnen Schande zuzufügen. Da Frauen weitgehend als minderwertig angesehen werden, werden ihre Gebärfähigkeit und sexuelle Reinheit zur Zielscheibe. Sie riskieren auch, als Bräute gehandelt zu werden, vor allem in asiatischen Ländern, oder von extremistischen Gruppen in Afrika als Sexsklaven missbraucht zu werden. Sie werden dort als Kriegstrophäen betrachten, die zukünftige Kämpfer gebären werden.    

Der Drogenhandel verschärft die Dynamik der geschlechtsspezifischen Verfolgung der Christen. 

Die weit verbreitete Macht und Kontrolle von Kartellen und kriminellen Banden in gewissen Regionen setzt die Christen der Verfolgung durch geschlechtsspezifische Gewalt im Drogenkontext aus. Dabei sind physische und psychologische Manipulation durch erzwungenen Drogenkonsum nicht selten. Bereits bestehende wirtschaftliche Ungleichheiten können sich noch verschärfen, wenn jemand drogenbezogene Aktivitäten ablehnt. 

Weltweite Krisen verschärfen die Verwundbarkeit von christlichen Männern und Frauen und verstärken geschlechtsspezifische Verfolgung. 

Weltweite Krisen schaffen neue Gelegenheiten, unerwünschten christlichen Bevölkerungsgruppen zu schaden. Diese können in sehr unterschiedlichen Kontexten auftreten, z. B. bei Konflikten, Kriminalität, parallelen religiösen Rechtssystemen oder sogar in Ländern, die positive Schritte in Richtung Geschlechtergleichstellung unternehmen. Akute Situationen, wie etwa die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan oder die Covid-19-Pandemie, machen die Schwächsten noch verwundbarer und verstärken somit geschlechtsspezifische Verfolgungstendenzen.