«Es bleibt nur Emmanuel: Jesus ist mit uns.»
Das sagen uns die Gläubigen in Afghanistan. Seit die Taliban im August letzten Jahres die Macht übernommen haben, haben sich die Lebensbedingungen der geheimen Christen im Land noch mehr verschlechtert. Schon vor der Rückkehr der Taliban war das Leben für Christen in Afghanistan unerträglich. Seit der Machtübernahme sind die Christen bedrohter als je zuvor.
 
Deshalb wollen wir während des ganzen Jahres 2022 für sie beten. Hier finden Sie jeden Monat einen neuen Artikel sowie aktuelle Gebetsanliegen.
 

Wie vorgehen?

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Juni 2022 – «Er hat das grösste Opfer gebracht!»



Beispielbild. Copyright: Unsplash, by Joel Heard

Saleha* gehört zu einer winzigen Minderheit von Frauen in Afghanistan. Jene, die mit einem Mann verheiratet sind, der seine Frau liebt und ihre Rechte respektiert. Umso schwieriger war es für Saleha, als ihr Mann entführt wurde. Doch durch diese schmerzhaften Ereignisse hat sie zu Jesus gefunden, der alles für sie opferte.

Heute ist Saleha um die 40 Jahre alt. «Sie sagte mir einmal, dass sie eine privilegierte Frau sei in Afghanistan und sogar weltweit, weil sie die einzige Frau sei, die von ihrem Mann wirklich geliebt werde», erzählt einer unserer Partner, der sie vor einigen Monaten kennengelernt hat.

Tatsächlich schlug Salehas Mann sie nicht, wie es für andere Ehemänner in ihrer Gemeinschaft üblich ist. Er lehrte sie sogar das Lesen und Schreiben. Doch ihre Familien und die Gemeinschaft verstanden sie nicht und wurden ihnen gegenüber sehr misstrauisch. «Sie sahen es als etwas Schlechtes, als ein verdächtiges Verhalten. Sie glaubten, dass das Paar seinen Glauben an den Islam verraten hatte und dass sie Agenten des Westens waren», erklärt unser Partner.

Schliesslich wurde es für sie zu gefährlich, in ihrem Haus zu bleiben. Doch bevor sie umziehen konnten, verschwand ihr Mann. Er wurde entführt und Saleha war nun ganz allein. Niemand war da, um sich um sie zu kümmern.

Von Hoffnung gequält

Enge Freunde mit den gleichen Werten nahmen sich ihrer an und brachten Saleha in eine andere Stadt. Dort wurde sie von einer Familie von heimlichen Christen aufgenommen, die sie wie ihre eigene Tochter behandelten. Saleha konnte nicht glauben, dass ihr Mann tot sein könnte. «Sie war sicher, dass er am Leben war, auch wenn sie nichts von ihm hörte. Das Warten und Hoffen quälte sie. Eine Zeit lang war sie sehr wütend auf Gott», berichtet unser Partner.

Ein langer Weg der Akzeptanz

Die Jahre vergingen. Ihr Weg zur Akzeptanz war sehr hart, geprägt von Höhen und Tiefen. Manchmal freute sie sich, wenn jemand sie zum Beten besuchte, ihr Bibelverse schickte und sie ermutigte. Zu anderen Zeiten war sie so traurig, dass sie es nicht vertrug.

Saleha war blind vor Kummer und Wut. «In diesen schwierigen Zeiten, in denen sie nichts sehen oder tun konnte, kümmerten sich ihre Adoptivfamilie und Freunde weiterhin liebevoll um sie und beteten für sie», fährt unser Partner fort.

Das grösste Opfer

Manchmal sang sie Lieder, die sie und ihr Mann früher immer zusammen gesungen hatten. Sie sang sie zu seiner Erinnerung. Und nach und nach besiegten diese Lieder ihre Wut. «Sie erinnerte sich an die ursprüngliche Absicht, die sie und ihr Mann gehabt hatten: der Nation Hoffnung zu bringen. Sie dachte an die schweren Zeiten zurück, die sie durchlebt hatten, und wie Gott sie bewahrt hatte. Und schliesslich erkannte sie, dass ihr Opfer, als sie als junge Frau ihren Mann verlor, in keiner Weise mit dem grössten Opfer aller Zeiten vergleichbar ist, dem Opfer Jesu Christi», sagt unser Partner abschliessend.

Seitdem hat Saleha gelernt, ihre Rolle als Tochter in ihrer neuen Familie wahrzunehmen. Sie hat auch gelernt, eine grosse Schwester für ihre jüngeren Geschwister zu sein. Hier hat sie ihr Missionsfeld gefunden, Gottes Berufung für ihr Leben. Sie unterrichtet ihre Geschwister im Wort Gottes und hilft ihnen, Bibelstellen auswendig zu lernen. Sie sind ihre eigenen Kinder geworden, da sie selbst keine Kinder hat.


Gebetsanliegen:

1. Beten wir für Saleha, dass Gott sie über den Verlust ihres Mannes hinwegtröstet und ihr eine hoffnungsvolle Zukunft schenkt.

2. Beten wir für die vielen Menschen, insbesondere die Frauenrechtsgruppen, die mit den Lehren der Taliban nicht einverstanden sind. Mögen sie in Jesus Christus ihr Vorbild finden.

3. Beten wir für die Taliban. Möge Gott ihnen individuell, von den Einflussreichsten bis zu den einfachen Soldaten, ein Wunder des Verständnisses schenken. Sie suchen einen Weg zum Himmel, also beten wir, dass Gott ihnen Jesus offenbart, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

* Name geändert

30 Tage Gebet

Wir danken Ihnen, dass Sie während des Monats Februar im Gebet für die Christen in Afghanistan eingestanden sind.

 

 
«Und doch hat er sie gerettet um seines Namens willen, damit er seine Macht kundtue.»
Psalm 106:8
Und wenn Sie es wären?

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Muslim aufgewachsen und begegnen eines Tages Gott ganz unerwartet in einem Traum. Eine leuchtende Gestalt zieht Sie an, ruft Ihren Namen und sagt, «Folge mir nach.»

une imageSie haben gehört, dass andere dies schon erlebt haben, aber nie jemand, den Sie kennen. Sie haben gesehen, wie der wütende Mob die Frau, die als Verräterin am Islam beschuldigt wurde, auf der Strasse steinigte. Sie wissen: Fragen stellen, diesem Traum nachgehen und diesem Mann nachfolgen, würde Konsequenzen haben.

Doch diese Stimme – dieses Licht – und die Tatsache, dass er Ihren Namen kennt, machen Sie neugierig.  Allen Widerständen zum Trotz beschliessen Sie, ihm nachzufolgen. Egal, was es kostet. Was auch immer es bedeutet.

Wenn sie es wüssten, würden Ihre Verwandten Sie nie wieder wie vorher ansehen.

Sie sind ein Verräter an Ihrer Kultur und an Ihrem Glauben. Wenn das jemand wüsste, würden Sie ausgepeitscht oder sogar getötet. Und vielleicht würden die Menschen, die Ihnen am nächsten stehen, den Gewehrabzug betätigen.

Doch, oh Wunder, Sie erfahren, dass Sie nicht der Einzige sind. Gott  führt Sie in seiner Macht zu einer anderen Person – und schliesslich zu einer Gruppe Menschen, die sich nur selten treffen. Sie tun es im Geheimen, um über jenen zu sprechen, den Sie gesehen haben – den Mann mit den Narben in den Händen, die leuchtende Gestalt. Sie lernen, diesen Menschen zu vertrauen.

Vor allem aber lernen Sie seinen Namen kennen: Jesus. Den Namen, der über allen Namen steht.

Am 16. August 2021 sind die Taliban zurückgekommen. Woche für Woche haben Sie vernommen, dass ihre Truppen immer näherkommen, eine Stadt nach der anderen fällt in ihre Hände. Heute ziehen die US-Streitkräfte ab, und nun besetzen bewaffnete Männer stolz den Präsidentenpalast.

Draussen herrscht totales Chaos. Ihre Nachbarn drängen sich in überfüllte Lastwagen, ganze Familien wollen das Land verlassen. Der Flughafen in Kabul ist der einzige Ausweg, und diese Menschen riskieren alles, um in ein Flugzeug zu steigen.

Zu Hause klingelt Ihr Telefon ständig. Ihre Freunde machen sich Sorgen: «Ist alles in Ordnung bei dir?» Aber eine Nachricht weckt Ihre Aufmerksamkeit. Die angezeigte Nummer ist Ihnen unbekannt. «Wir wissen, dass du Jesus nachfolgst. Wir kennen deinen Namen», sagt die Stimme.

Ein Schauer läuft Ihnen über den Rücken, dann durchströmt Sie ein seltsames Gefühl der Ruhe.

Die Taliban sind zurück und niemand weiss, wozu sie fähig sind. Aber Sie wissen, dass Emmanuel – Jesus – bei Ihnen ist.

Dies ist nur ein Beispiel für die gefährliche Realität, die die geheimen Gläubigen in Afghanistan erleben. In den ersten Tagen nach der Rückkehr der Taliban sagte unsere Quelle in der Region: «Jeder Christ, mit dem ich spreche, bittet nur um eines: Gebet. Es ist wirklich das Einzige, worum sie bitten. Jeglicher irdische Schutz wurde von ihnen genommen.»

Unser Gründer Bruder Andrew sagte, dass unsere Gebete an Orte gelangen können, die für uns unerreichbar sind. «Es gibt keine Grenzen, keine Gefängnismauern, keine Türen, die uns verschlossen bleiben, wenn wir beten.»