Afghanistan
Flagge
Regierungschef
Präsident Ashraf Ghani
Bevölkerung
36 373 000
Christen
Einige Millionen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik


Überblick

In Afghanistan kämpfen mehrere aufständische Gruppen um die Herrschaft, darunter auch die Taliban und der Islamische Staat. Die Regierungstruppen halten etwa 40 Prozent des Landes unter ihrer Kontrolle. Seit 2004 ist Afghanistan eine islamische Republik. Die Unsicherheit im Land nimmt zu und das Risiko von Terroranschlägen ist sehr hoch. Trotz aller Gewalt fanden am 20. Oktober 2018 Parlamentswahlen statt.
 

Zur Situation der Christen

  • Die afghanische Kirche bewegt sich nur im Untergrund. Alle afghanischen Christen sind ehemalige Muslime. Sie können ihren Glauben nur unter größter Geheimhaltung ausüben. Wenn sie entdeckt werden, werden sie oftmals getötet. Sie werden von Islamisten und ihren Familien verfolgt, die sie in einigen Fällen als Strafe sogar in eine Psychiatrie einweisen lassen. Familie, Clan oder Stamm müssen die Ehre verteidigen, indem sie sich Mitgliedern, die Christen werden, «entledigen».
  • Nach den Schriften Eusebius’ von Cäsarea kam das Christentum im 2. Jh. n. Chr. mit den Aposteln Thomas und Bartholomäus nach Afghanistan und entwickelte sich zur nestorianischen Kirche. Im 13. Jh. konvertierte ein Stammesführer zum Islam und so verschwand allmählich der christliche Glaube. Im 17. Jh. brachten armenische Kaufleute den christlichen Glauben zurück, wurden aber 1871 vertrieben. Im Jahr 1973 versuchten Christen erfolglos, in Kabul eine Kirche zu eröffnen.
     

Beispiele der Verfolgung

  • 1. Juli 2018 – Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge leben in Indien rund 14 500 afghanische Asylbewerber. Unter ihnen auch Christen muslimischer Herkunft, wie z. B. Ap (Pseudonym). Er wurde 2014 durch einen Angriff der Taliban auf eine Untergrundkirche in Kabul verwundet und verhaftet. Er konnte aber mit einem 6-monatigen indischen Visum fliehen und hat in Neu-Delhi Asyl beantragt.
  • Mai 2018 – Der 32-jährige Farid wird nach 9 Jahren als Asylbewerber in Norwegen, wo er zum Christentum konvertierte, nach Kabul abgeschoben. Infolge seiner Bekehrung pflegt er keinen Kontakt mehr mit seiner Familie. «Ich bin verwirrt und verängstigt», sagte er. Er weiß, dass die Gefahr groß ist, getötet zu werden, wenn sein Glaube entdeckt wird.
  • März 2018 – Sadi, ein 24-jähriger Christ, wurde von Schweden nach Afghanistan zurückgeführt. Er sagt: «Ich habe Angst, dass mich jemand erkennt und tötet.» Denn in Afghanistan zirkulieren Fotos, die auf seinen christlichen Glauben hinweisen.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Moderate sunnitische Muslime, Schiiten, Sufis und alle sonstigen religiösen Minderheiten
 

Rückblick auf die letzten 5 Jahre

  • Die Verfolgung erreichte in allen Bereichen einen Höhepunkt: Es ist unmöglich, dass ein Christ seinen Glauben öffentlich zum Ausdruck bringt. Die Gewalt nahm im Jahr 2018 besonders zu, was sich in der Zeit vor den Wahlen zeigte und die sich durch die Gebietsgewinne der Taliban und die Bildung des Islamischen Staates noch verstärkt hat.
  • Noch vor fünf Jahren lebten christliche Ausländer in Afghanistan relativ unbehelligt von Verfolgung. Die meisten sind mittlerweile aus dem Land geflohen und werden hier statistisch nicht mehr aufgeführt. Unsere Daten konzentrieren sich nun rein auf afghanische Konvertiten, die einer extremen Verfolgung ausgesetzt sind.

Christenverfolgung

Rang im Index: 
2
Rang im letztjährigen Index: 
2