Afghanistan
Flagge
Regierungschef
Präsident Ashraf Ghani
Bevölkerung
36 373 000
Christen
Einige Millionen
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Islamische Republik


Überblick

Die Instabilität in Afghanistan nimmt weiterhin zu: einerseits durch das komplexe System der Stammeszugehörigkeiten und der daraus folgenden Rivalitäten, die sich im Vorfeld der Parlamentswahlen 2018 verschärfen, andererseits nehmen die gewalttätigen Angriffe extremistischer Gruppierungen zu – Beispiel ist die Bombardierung von 140 Regierungssoldaten im April 2017 durch die Taliban. Die westliche Vorstellung, was eine Nation ausmacht, hat in der afghanischen Kultur keinen Rückhalt: die Loyalität gilt zuerst der Familie, dann dem Clan, danach dem Stamm und erst dann einem Staat. Wer sich nicht an gesellschaftliche Normen hält, wie das eben Christen tun, wird als Verräter oder Abtrünniger betrachtet und aus der Gemeinschaft entweder ausgestossen, vertrieben, oder gezwungen zum Islam zurückzukehren oder dann getötet, um so die Familienehre wiederherzustellen. Christen werden ebenfalls durch islamische Extremisten bedroht (Islamischer Staat, al-Kaida, Taliban oder das Haqqani-Netzwerk aus afghanischen Guerilla-Kämpfern), die mehr als 40% des Landes kontrollieren. Auch die Regierung ist den Christen gegenüber feindlich eingestellt. Afghanistan ist eine islamische Republik und anerkennt keine anderen Religionen.

Zur Situation der Christen

  • Alle afghanischen Christen sind Konvertiten aus dem Islam, die ihren Glauben nicht offen bekennen können. Wessen neuer Glaube entdeckt wird, wird gezwungen, zum Islam zurückzukehren, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen oder muss fürchten, dass sein/ihr Heim zerstört oder er/sie von Familienangehörigen ermordet wird.
  • Die kleine Gemeinschaft ausländischer Christen, zur Hauptsache Diplomaten und Angehörige internationaler Streitkräfte, kann sich in den abgesicherten Diplomatenbezirken treffen und hat auf die Rangliste keinen Einfluss.

Beispiele der Verfolgung

Diese Beispiele sind Einzelbeispiele und nicht repräsentativ. Die Verfolgung afghanischer Christen kann aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht publik gemacht werden.

  • 20. Mai 2017 – Eine deutsche Christin, Mitarbeiterin einer schwedischen NGO, die bei einem Bildungsprojekt mitarbeitet, wird getötet. Ihr afghanischer Aufpasser enthauptet. Am selben Tag wird eine finnische Christin entführt, am 14. September jedoch wieder freigelassen. Die Verantwortung für diese Tat beansprucht niemand.
  • 11. Mai 2017 – In Deutschland stirbt eine 38-jährige Afghanin, eine Christin mit einem muslimischen Hintergrund, an den Folgen ihrer Verletzungen, die ihr vor einem Supermarkt in Prien von einem 29-jährigen afghanischen Asylbewerber zugefügt werden. Seine Tat war religiös motiviert, da die Mutter von zwei Kindern im Alter von 11 und 5 Jahren in ihrer Nachbarschaft eine afghanischsprachige Bibelgruppe besuchte.

 

Christenverfolgung

Rang im Index: 
2
Rang im letztjährigen Index: 
2