Libyen
Flagge
Regierungschef
Fayez al-Sarraj
Bevölkerung
6 471 000
Christen
37 900
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Autoritätsstaat


Überblick

Seit dem Sturz und Tod von Muammar Gaddafi im Jahr 2011 versinkt das Land in Chaos und Gewalt. Verschiedene Fraktionen kämpfen um ihre Vorherrschaft. Im Mai 2018 wurde unter der Schirmherrschaft des französischen Präsidenten ein Friedensabkommen und ein Versprechen für bevorstehende Wahlen unterzeichnet, aber es ist unklar, ob und wie weit dies ausreicht, um dem Land Stabilität zu verschaffen.
 

Zur Situation der Christen

  • Die Kirche besteht aus Christen aus dem ganzen afrikanischen Kontinent, besonders aus Subsahara-Afrika, aber auch aus Libyern, die den Islam verlassen haben. Die beiden wichtigsten Konfessionen sind die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche. Wobei es auch einige protestantische Gemeinden gibt.
  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen ist sehr hoch. Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien und Gemeinschaften verfolgt. Aber auch die ausländischen Christen sind das Ziel der radikalen Islamisten: Sie werden schikaniert, entführt, erniedrigt, vergewaltigt oder ermordet. Wer über seinen Glauben spricht, riskiert Verhaftung und Misshandlungen.
  • Das Christentum ist bereits seit dem ersten Jh. in Libyen präsent. Mit dem Aufkommen des Islam verschwand es zwischen dem 7. und 12. Jh. jedoch fast ganz. Im 15. Jh. kehrte die katholische Kirche ins Land zurück, Ende des 19. Jh. gefolgt von weiteren Konfessionen. Nicht-Katholiken wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Land gejagt und kehrten nach 1946 wieder zurück.
     

Beispiele der Verfolgung

  • Mehrere ägyptische Christen, die in ihre Heimat zurückkehren wollten, wurden zwei Wochen lang im Gefängnis des Flughafens Tripoli festgehalten und pro Tag zweimal ausgepeitscht. Mindestens einer von ihnen befand sich über zwei Wochen lang in Bengasi in Geiselhaft, bis seine Familie ein Lösegeld zahlen konnte. (Datum und Namen halten wir aus Sicherheitsgründen zurück).
  • Ein 26-jähriger eritreischer Christ aus der Haftanstalt Al-Zawiya erzählt: «Die Wachen hassen Christen. Wenn sie ein religiöses Kreuz oder eine religiöse Tätowierung sehen, schlagen sie dich weitaus häufiger als die anderen Häftlinge.» (Quelle: Amnesty International)
  • Ein weiterer eritreischer Christ, 22 Jahre alt, berichtet, dass er nach der Durchsuchung des Bootes, auf dem er sich befand, verhaftet und geschlagen wurde: «Die Wachen nahmen mir mein Geld weg und warfen meine Bibel und die Kreuze, die ich um meinen Hals trug, fort. Zuerst überprüfen sie, ob du Geld in der Tasche hast, dann peitschen sie dich mit einem Stromkabel aus.» (Quelle: Amnesty International)
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Ibadische Muslime und Sufis
 

Rückblick auf die letzten 5 Jahre

Anarchie und der Verlust der Zentralregierung lassen die Christen als verletzlichste Gruppe zurück: denn die aktuelle Situation hat aller Meinungs- und Religionsfreiheit ein Ende gesetzt und radikale Islamisten wie auch Mitglieder weiterer bewaffneter Gruppen können Christen ungestraft angreifen. Die Verschlechterung der Situation für die Christen lässt sich auf zwei Faktoren zurückführen: erstens haben die meisten christlichen Ausländer, hauptsächlich Westler, das Land verlassen. Sie wurden besser behandelt als die einheimischen Christen. Somit ist im Verhältnis die Anzahl Vorfälle gegen einheimische Christen gestiegen. Zweitens spitzt sich die Lage für die Tausenden christlicher, in Libyen festgehaltener Migranten aus der Subsahara zu, je mehr ihnen das Geld ausgeht. Als Sexsklaven und geprellt um ihren Lohn oder Verdienst werden sie zusätzlich geplagt, wenn ihr christlicher Glaube entdeckt wird.

Christenverfolgung

Rang im Index: 
4
Rang im letztjährigen Index: 
7