Libyen
Flagge
Regierungschef
Fayez al-Sarraj
Bevölkerung
6 662 000
Christen
34 500
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Autoritätsstaat


Überblick

In Libyen existiert weder Meinungs- noch Religionsfreiheit. Christen sind in ihrem Recht, sich zu versammeln, sehr eingeschränkt. Es gibt etwa 34‘000 Christen im Land, nach Schätzungen jedoch sind nur etwa 150 Personen libyscher Herkunft. Die große Mehrheit besteht aus Ausländern und Arbeitsmigranten, die hauptsächlich aus den afrikanischen Staaten südlich der Sahara kommen. Alle Christen, ob Libyer oder Ausländer, erfahren durch die Bevölkerung Ablehnung und sind der Gewalt ausgesetzt.

Die beiden Hauptkonfessionen sind römisch-katholisch oder orthodox. Es gibt auch einige protestantische Christen. Das Christentum ist bereits seit dem ersten Jh. in Libyen präsent. Mit dem Aufkommen des Islam jedoch verschwand es zwischen dem 7. und 12. Jh. fast ganz. Erst im 15. Jh. fasste die katholische Kirche wieder Fuß, gefolgt Ende des 19. Jh. von weiteren Konfessionen. Nicht-Katholiken wurden während des Zweiten Weltkriegs aus dem Land gejagt und kehrten aber nach 1946 wieder zurück.

Zur Situation der Christen

Libysche Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich sowohl islamischer wie auch der Unterdrückung durch den Clan konfrontiert. Sie werden seitens ihren Familien und der gesamten Gesellschaft unter starken und gewaltsamen Druck (einschließlich der Folter) gesetzt, zum Islam zurückzukehren.

Die in Libyen anwesenden Christen aus der Subsahara sind das Ziel islamistischer Gruppen und krimineller Organisationen. Entführungen und Morde kommen häufig vor. Christen werden täglich belästigt und bedroht, oft nur, weil sie ein Kreuz um den Hals tragen. Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen wird als extrem eingestuft. Diejenigen, die ihren Glauben öffentlich machen oder mit Muslimen über ihren Glauben sprechen, werden von der Bevölkerung mit Gewalt belegt und riskieren eine Verhaftung. Ihre Lage wird durch die Schwäche der Regierung, für Recht und Ordnung zu sorgen, noch unsicherer.

Beispiele der Verfolgung

Januar 2020 – Romany Adly Ayoub, ein 27-jähriger ägyptischer Christ, der seit 2014 in Libyen lebte und ein Bekleidungsgeschäft gegründet hatte, um seine Familie in der alten Heimat zu versorgen, wurde von der islamistischen Gruppe Ansar al-Scharia entführt und ermordet. Er hatte sich geweigert, seinen christlichen Glauben aufzugeben.

Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Am meisten betroffen sind die Bereiche des zivilen und kirchlichen Lebens, und zwar durch das Fehlen einer Zentralregierung. Anarchie und islamischer Extremismus gehen Hand in Hand. Es gibt weder Meinungsfreiheit, weder Gleichbehandlung von Christen noch die Erlaubnis, Kirchen zu bauen. Sowohl islamistische Gruppen als auch die Behörden ergreifen Christen (hauptsächlich Konvertiten aus dem Islam oder Migranten aus afrikanischen Staaten südlich der Sahara) und gehen dabei straffrei aus. Christen sind der Gewalt und der erniedrigenden Behandlung ungeschützt ausgesetzt. Beides hat in diesem Jahr weiter zugenommen.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Christenverfolgung

Rang im Index: 
4
Rang im letztjährigen Index: 
4