Myanmar
Flagge
Regierungschef
Win Myint
Bevölkerung
53 856 000
Christen
4 342 000
Hauptreligion
Buddhismus
Staatsform
Einheitliche Verfassungsrepublik


Überblick

Nach Jahrzehnten der Militärdiktatur erlebte das buddhistische Land eine gewisse politische Offenheit. Im Jahr 2015 wurde die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zur Regierungschefin ernannt, aber das Militär behält seinen starken Einfluss. Seit einigen Jahren gewinnt ein politisch geprägter Buddhismus durch radikale Mönche der Ma-Ba-Tha-Bewegung mehr und mehr Macht. Sie wollen die buddhistische Identität des Landes bewahren und gehen gegen alle religiösen Minderheiten vor.
 

Zur Situation der Christen

  • Die meisten Christen gehören ethnischen Minderheiten an, die von der Regierung ignoriert werden: Kachin, Chin, Karen und Shan. Die Mehrheit von ihnen ist extrem arm, vor allem in den ländlichen Gebieten, ohne Bildung, leben sie am Rande der Gesellschaft. Buddhistische Mönche besetzen des Öfteren Land und Gebäude einer christlichen Gemeinde und errichten darauf ihre Tempel.
  • Aufgrund der intensiven Kämpfe zwischen Armee und Rebellengruppen leben in den christlichen Gebieten von Kachin und Nord-Shan über 100 000 Christen als Vertriebene in Lagern, ohne Nahrungsmittelversorgung oder sonstiger Fürsorge. Neubekehrte Christen werden von ihren buddhistischen oder muslimischen Familienmitgliedern oder durch Stammesangehörige verfolgt.
  • Das Christentum kam 1554 mit katholischen Missionaren nach Myanmar. In der ersten Hälfte des 19. Jh. entstand unter britischem Einfluss der Protestantismus. 1966 vertrieb die Regierung alle ausländischen Missionare.
     

Beispiele der Verfolgung

  • 12. Mai 2018 – Im Bundesstaat Kachin wird eine baptistische Bibelschule Ziel der burmesischen Armee. Innert weniger Monate zwingt das Militär etwa 7 000 der mehrheitlich christlichen Dorfbewohner dazu, ihre Häuser zu verlassen. Ohne Wasser oder Nahrung legen die Vertriebenen grosse Strecken durch die Wälder zurück, einzig versorgt durch lokale Kirchen.
  • März 2018 – Die Gewaltausbrüche richten sich gegen die Kachin im Norden und gegen die Chin im Westen. Die Gewalt entspricht den ethnischen Säuberungen der muslimischen Rohingya, die aber von den internationalen Medien angeprangert werden. Dutzende Kirchen werden niedergerissen, und an ihrer Stelle Pagoden gebaut.
     

Weitere religiös verfolgte Gruppen

Muslime
 

Rückblick auf die letzten 5 Jahre

  • Speziell im Bundesstaat Wa hat sich die Situation rasant verschlimmert und trägt zum starken Anstieg der Gewalt gegen Christen bei. Der Krieg fordert in den überwiegend christlichen Staaten Kachin, Shan und Karen, viele Opfer, von der internationalen Gemeinschaft jedoch nicht beachtet. Das immer intolerantere Auftreten des Buddhismus breitet sich in Myanmar aus und drängt religiöse Minderheiten an den Rand.
  • Myanmar ist das dritte Land auf dem WVI 2019, das bezüglich Gemeindeleben den Wert 100 erreicht.
  • Die Instabilität Myanmars und ihre Auswirkungen auf die Christen sind seit 2014 deutlich spürbar. Der Durchschnittswert der Verfolgung ist in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen. Die starke Betonung des Buddhismus und des damit verbundenen Nationalismus hat die Verfolgungswerte erhöht. Aus den Krisengebieten, insbesondere aus Kachin, ist es äußerst schwierig, zuverlässige und gesicherte Informationen zu erhalten: Die reale Gewalttätigkeit fällt vermutlich weit höher aus als indexiert.

Christenverfolgung

Rang im Index: 
18
Rang im letztjährigen Index: 
24