Nigeria
Flagge
Regierungschef
Muhammadu Buhari
Bevölkerung
206 153 000
Christen
95 358 000
Hauptreligion
Christentum / Islam
Staatsform
Bundesrepublik


Überblick

Die Verfolgung in Nigeria zeichnet sich durch einen besonderen gewalttätigen Charakter aus. Im Vergleich zu anderen Ländern hat Nigeria die höchste Anzahl von Christen, die wegen ihres Glaubens ermordet werden. Die Gewalt geht von terroristischen Gruppen wie Boko-Haram oder dem Islamischen Staat in Westafrika aus, aber auch von extremistischen Kämpfern der Peul, die christliche Bauern angreifen. Obwohl die Gewalt noch hauptsächlich im Norden und im Zentralgürtel des Landes vorkommt, beginnt sie sich langsam in Richtung Süden auszubreiten.

Mit portugiesischen Siedlern, die sich im 15. und 16. Jh. an der Atlantikküste niederließen, fand der Katholizismus Eingang. Im 19. Jh. evangelisierten befreite Sklaven die Bevölkerung. Erster anglikanischer Pastor wurde der Nigerianer Samuel Adjai Crowther.

Zur Situation der Christen

Bei Angriffen von Islamisten werden oft Christen getötet, ihr Eigentum und ihre Lebensgrundlagen zerstört. Die Angreifer werden selten verhaftet, geschweige denn vor ein Gericht gestellt. Die ermordeten Familienväter lassen Frauen und Kinder zurück, die mittellos und ohne Schutz dastehen. Die von Islamisten entführten Frauen und Mädchen werden vergewaltigt und gezwungen, Muslime zu heiraten. Christen, die in einer muslimischen Familie leben, werden von ihren Familienangehörigen abgelehnt und stehen unter großem Druck, zum Islam zurückzukehren. 

Die aus ihren Dörfern vertriebenen und ihrer Einkommensquelle beraubten Christen werden zu Binnenflüchtlingen und leben in informellen Lagern. Ihr Leid geht weit über den einen Angriff hinaus, den sie erlitten haben. Die Fulani halten das überfallene Dorf besetzt und hindern die Vertriebenen daran, zurückzukehren. Seitens der Regierung erhalten die Vertriebenen keine Unterstützung, ihre Kinder gehen nicht mehr zur Schule, und ohne Einkommen sind sie in den Lagern jeder Gefahr ausgesetzt.

Beispiele der Verfolgung
  • 12. Mai 2020 – Bei einem besonders gewaltsamen Angriff einer Peul-Miliz im Bundesstaat Kaduna wurden siebzehn Menschen getötet. Die meisten der Opfer waren Christen. Z. B. eine fünfköpfige Familie mit drei kleinen Kindern und eine junge Mutter, wobei die Angreifer versuchten, ihr drei Monate altes Baby zu töten, was ihnen aber nicht gelungen ist. Das Baby hat überlebt.
  • 14. April 2020 – Die christliche Gemeinde des Dorfes Maiyanga (Plateau State) erlebte gegen 20 Uhr den Angriff militanter Fulani, die – ausgerüstet mit Gewehren und Macheten – neun Menschen töteten, zwei weitere verwundeten und mindestens 33 Häuser niederbrannten. 250 Menschen wurden durch den Überfall vertrieben und verloren jegliche Lebensgrundlage.
  • 20. Januar 2020 – Im Bundesstaat Adamawa wurde Pastor Lawan Andimi von der islamischen Terrorgruppe Boko-Haram hingerichtet, vermutlich wurde er durch seine Entführer enthauptet. Der Pastor bekleidete ein hohes Amt in einer Vereinigung mehrerer christlicher Konfessionen. Er wurde am 3. Januar bei einem Überfall auf die Stadt Michika entführt.
Verfolgung in den fünf Lebenssphären

Die Gewalt ist auf einem Höhepunkt, die Lage der Christen dramatisch: 3530 wurden getötet, 270 Kirchen überfallen, 990 Christen entführt und Tausende wurden das Opfern von körperlicher oder sexueller Gewalt. Dieses Elend hat katastrophale und traumatische Langzeitfolgen für die christliche Gemeinschaft.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Christenverfolgung

Rang im Index: 
9
Rang im letztjährigen Index: 
12