Saudi-Arabien
Flagge
Regierungschef
Salman ibn Abd al-Aziz
Bevölkerung
35 263 000
Christen
1 200 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Monarchie


Überblick

Offiziell gilt Saudi-Arabien als zu 100 Prozent islamisch. An einzelnen wenigen Orten existieren noch Überreste christlicher Gebäude, die aus der Zeit vor dem Islam stammen. In Saudi-Arabien liegen die Städte Mekka und Medina (beides im Islam heilige Orte, da sie die Geburts- und Grabesstätte des Propheten Mohammed beherbergen). Saudi-Arabien bekennt sich zum Wahhabismus, einer strengen Auslegung des Islams. Anderen Religionen dürfen nicht praktiziert werden. Die meisten Christen sind Ausländer, die vorübergehend im Land arbeiten.

Bis ins 6. Jh. hinein existierten auf der Arabischen Halbinsel viele Synagogen und Kirchen. Juden und Christen wurden dann aber ab dem 7. Jh. gezwungen, sich zum Islam zu bekehren oder aus dem Land zu fliehen. Sonst wurden sie getötet. In den letzten Jahren nimmt das Christentum durch christliche Gastarbeiter, hauptsächlich aus Afrika und Asien, wieder zu.

Zur Situation der Christen

Verlässt ein saudi-arabischer Muslim den Islam und wird Christ, kann das wegen des Apostasie-Gesetzes mit der Todesstrafe bestraft werden. Die Gerichte haben in den vergangenen Jahren deswegen jedoch keine Todesurteile ausgesprochen.

Die meisten Christen stammen entweder aus dem Westen oder aus Regionen mit einem niedrigen oder mittleren Einkommen, sei es Indien, die Philippinen oder Afrika. Ihren christlichen Glauben können diese Ausländer nicht frei mit Saudis teilen. Sie treffen sich in ihren privaten Räumen, um gemeinsam zu beten und die Bibel zu studieren. Dabei ist höchste Diskretion gefordert.  

Die wenigen saudischen Christen mit muslimischem Hintergrund stehen unter größerem Druck, vor allem durch ihre Familien. Sie sind gezwungen, ihren Glauben im Geheimen zu leben. Die Zahl der saudischen Christen nimmt jedoch zu. Immer mutiger teilen sie ihren neuen Glauben im Internet und in christlichen Satellitenfernsehsendern miteinander. Diese öffentlichen Aktionen können zu ernsten Konsequenzen seitens der saudischen Familien und Behörden führen.

Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen sind in Saudi-Arabien nach wie vor ein riesiges Problem. Asiatische und afrikanische Christen, hauptsächlich die in saudischen Haushalten arbeitenden Frauen, sind sehr davon betroffen. Sie werden misshandelt, motiviert durch eine negative Haltung dem christlichen Glauben gegenüber oder infolge Rassismus. Nachprüfbare Zahlen zu entsprechenden Vorfällen sind aufgrund der gesellschaftlichen Tabus und eines fehlenden Rechtsschutzes selten.

Beispiele der Verfolgung
  • 3. Juni 2021 – Das Gericht verurteilt einen christlichen Ex-Muslim jemenitischer Herkunft zu einer Buße von rund 65’000 Franken. Der verheiratete Familienvater stand unter dem Druck seines Umfelds und der Behörden, die ihn bereits wegen seines Glaubens zu Gefängnis und Auspeitschung verurteilt hatte. Der Druck wurde dem Mann zu hoch und er entschied sich mit seiner Familie für das Exil.
  • Gesamter Berichtszeitraum: Mehrere Konvertiten mit muslimischem Hintergrund mussten ihren Wohnort verlassen und woanders innerhalb des Landes oder im Ausland Zuflucht finden. Aus Sicherheitsgründen nennen wir keine weiteren Einzelheiten.
Das Maß der Verfolgung  

Saudi-Arabien ist eines der wenigen Länder, in denen Kirchengebäude verboten sind. Auch jegliches öffentliches Bekennen eines anderen Glaubens als des Islam ist verboten. Die Punktzahlen in den Bereichen des kirchlichen und zivilen Lebens sind daher besonders hoch. Saudische Familien reagieren rabiat, wenn sie erfahren, dass ein Familienmitglied zum Christentum konvertiert ist. Das Resultat sind Schläge, Hausarrest, beschlagnahmte Pässe, eingefrorene Bankkonten usw. Die häufigste Gewalt gegen Christen ist die sexuelle Belästigung der weiblichen ausländischen Hausangestellten aus Glaubens- oder Rassismusgründen. Hunderte von Frauen sind davon betroffen.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Christenverfolgung

Rang im Index: 
11
Rang im letztjährigen Index: 
14