Tunesien
Flagge
Regierungschef
Kaïs Saïed
Bevölkerung
11 783 000
Christen
23 300
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik


Überblick

Nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten Essebsi im Juli wurden im Oktober Neuwahlen abgehalten. Nun steht Kaïs Saïed mit Habib Jemli als Premierminister an der Spitze des Staates. Die Regierung ist mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert, welche junge Menschen radikalisieren und in die Arme terroristischer Gruppen treiben.

Die Situation der Christen

  • Tunesiens Christen sind überwiegend katholisch Es gibt aber auch Protestanten und eine kleine Gemeinschaft tunesischer Christen muslimischer Herkunft. Christen genießen ein gewisses Maß an Religionsfreiheit. Allerdings haben einige neu gegründete Gemeinschaften in letzter Zeit keine Zulassung erhalten, die ihnen einen rechtlichen Status verleihen würde.
  • Die Verfolgung ist nicht auf den ersten Blick sichtbar. Sie zeigt sich vor allem in Diskriminierungen im Alltag. Von wirklicher Verfolgung kann man ehesten bei den Konvertiten sprechen. Diese Christen muslimischer Herkunft riskieren, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, oder sie werden von Familie, Freunden, Ehepartnern, verbal, psychisch und physisch unter Druck gesetzt, wieder zum Islam zurückzukehren. Viele üben ihren neu gefundenen Glauben darum im Verborgenen aus. Es ist schwierig für sie, offen über ihren Glauben zu sprechen, sich zu treffen und echte Gemeinschaft zu erleben. Auf der anderen Seite sind sie relativ frei, ihren Glauben über das Internet und zusammen in sozialen Netzwerken zu teilen.
  • Das Christentum überlebte in Tunesien bis ins 11. Jh. hinein und verschwand dann. Im 19. Jh. wanderten Franzosen und andere christliche Ausländer zu, in der Regel Katholiken oder Protestanten. Aktuell wächst die tunesische Kirche dank Internet und christlichen TV-Sendungen.
     

Beispiele der Verfolgung

Aus Sicherheitsgründen können wir keine weiteren Details bekanntgeben.

  • Im Oktober 2019 – Die muslimische Familie einer jungen christlichen Witwe droht ihr, die drei Kinder wegzunehmen.
  • Im Jahr 2019 – Ausländische Christen wurden verhaftet und wegen der christlichen Literatur in ihrem Besitz verhört. Sie wurden beschuldigt, zu Bekehrungen ermutigt zu haben.
  • Im Jahr 2019 – Viele Christen muslimischer Herkunft, besonders Frauen, mussten aufgrund des Drucks durch ihre Familien und deren Drohungen wegziehen. Es wird auch berichtet, dass mehrere Christen Opfer von körperlichem und/oder sexuellem Missbrauch geworden sind.
     

Andere religiös verfolgte Gruppen

Schiitische Muslime und Bahai

Das «Gesicht» der Verfolgung

  • Das Ausmaß der Gewalt hat in diesem Jahr zugenommen: vermehrt werden Christen zuhause von ihren Familien angegriffen oder mussten ihren Arbeitsplatz verlassen oder ihre Geschäfte schließen, nachdem ihr Glaube entdeckt wurde. Andere werden verhaftet und verhört sowie beschuldigt, zur Bekehrung aufzufordern, weil man bei ihnen christliche Literatur gefunden hat.
  • Konvertiten vom Islam zum Christentum fürchten die Reaktionen ihrer engsten Umgebung, besonders im konservativeren Süden des Landes. In Tunis können sie dem familiären Druck eher entgehen und ihren Glauben in der Anonymität einer Großstadt ausleben. An der Südgrenze sind extremistische Gruppen aktiv und bereit, jede Person aufzugreifen, die als Christ identifiziert wird.
     

Hauptmechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
34
Rang im letztjährigen Index: 
37