Türkei
Flagge
Regierungschef
Recep Tayyip Erdoğan
Bevölkerung
82 962 000
Christen
173 000
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Parlamentarische Republik


Überblick

Die säkulare Türkei steht vor dem Übergang zu einem islamischen Land, das auf islamischen Normen und Werten basieren wird. Die Macht liegt zunehmend in den Händen von Präsident Erdogan. Die Opposition wird unterdrückt. In der Türkei sitzen die meisten Journalisten im Gefängnis. Die Regierung akzeptierte jedoch die Ergebnisse der Kommunalwahlen von 2019 in Ankara und Istanbul, obwohl diese nicht zugunsten der Regierung ausgefallen sind.

Die Situation der Christen

  • Türkische Christen zählen sich mehrheitlich zur armenischen, griechisch- oder syrisch-orthodoxen Kirche zugehörig oder zur chaldäisch-katholischen Kirche. Es gibt kleine protestantisch geprägte Freikirchen und türkische Christen muslimischer Herkunft. Der christliche Bevölkerungsanteil hat durch irakische und syrische Flüchtlinge zugenommen.
  • Der religiös geprägte Nationalismus übt einen starken Druck auf alle Christen aus, besonders auf denjenigen mit muslimischer Herkunft. Sie werden von ihren Familien und ihrem Umfeld verfolgt. Obwohl es offiziell nicht verboten ist, die Religion zu wechseln, riskieren Muslime, die zum Christentum konvertieren, geschieden zu werden oder den Verlust ihres Anrechts auf das Erbe. Einige üben ihren Glauben im Geheimen aus oder werden offen von der Gesellschaft diskriminiert.
  • Das Christentum ist in der Türkei seit der Zeit des Neuen Testamentes präsent. Apostel Paulus gründete Gemeinden, die von den Römern sehr schnell verfolgt wurden, aber der christliche Glaube entwickelte sich bis zur Ankunft der Osmanen. Der Völkermord an den Armeniern und Assyrern im Jahr 1915 blutete die Kirche aus. Nach dem Sieg im Griechisch-Türkischen Krieg anerkannte die Türkei im Vertrag von Lausanne (1923) vier religiöse Strömungen: den sunnitischen Islam, die griechisch-orthodoxe und die armenische Kirche sowie das Judentum.
     

Beispiele der Verfolgung

  • Im Jahr 2019 – Mindestens 23 Ausländer mit einer Aufenthaltsgenehmigung durften nicht mehr in die Türkei zurückkehren. Andere haben einen Ausweisungsbescheid erhalten. Alle waren sie Christen. Für Hans-Jürgen Louven (58), der seit über 20 Jahren in Mugla an der Ägäis lebte und im Tourismus arbeitete, war es ein Schock, als seine Aufenthaltsgenehmigung nicht erneuert wurde. Am 21. August wurde ihm befohlen, die Türkei innerhalb von 10 Tagen zu verlassen.
  • Im Jahr 2019 – Mehrere Gemeinden berichten von Hassreden und Vandalismus. Christen erhalten Morddrohungen, andere werden auf offener Straße schikaniert.
  • 19. November 2019 – Der südkoreanische, evangelische Pastor Jinwook Kim wird in Diyarbakir im Südosten der Türkei getötet. Das schürt in der Region die Angst vor einer weiteren Eskalation der Gewalt gegen Christen. Der 41-Jährige wurde auf offener Straße angegriffen und mit drei Messerstichen so schwer verletzt, dass er wenige Stunden nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb.
     

Andere religiös verfolgte Gruppen

Juden und Aleviten

Das «Gesicht» der Verfolgung

  • Der Druck in allen Lebensbereichen nimmt zu, die Feindseligkeiten gegenüber Christen wachsen, geschürt durch die nationalistisch geprägte Rhetorik der Regierung und ein gegen Christen feindselig gestimmtes gesellschaftliches Klima. Trotz der Ausweisung der 23 Ausländer, die mit türkischen Kirchen zusammenarbeiteten, ist im Vergleich zum vergangenen Jahr ein Rückgang der Gewalt zu verzeichnen.
  • Historische Gemeinschaften wie die armenische und die assyrische Kirche sind einem hohen Druck ausgesetzt, besonders im Südosten. Gefangen im Kreuzfeuer der türkischen Armee und kurdischen Gruppen ziehen die meisten Christen in die Westtürkei.
     

Hauptmechanismen der Verfolgung

Islamischer Extremismus, religiöser Nationalismus

Christenverfolgung

Rang im Index: 
36
Rang im letztjährigen Index: 
26