Jemen
Flagge
Regierungschef
Abdrabbo Mansour Hadi
Bevölkerung
30 911 000
Christen
Einige Tausend
Hauptreligion
Islam
Staatsform
Republik


Überblick

Die christliche Kirche besteht mehrheitlich aus jemenitischen Familien mit einem muslimischen Hintergrund, die ihren Glauben im Geheimen leben müssen. Falls sie entdeckt werden, laufen sie Gefahr, von den Behörden verhört und inhaftiert zu werden. Zusätzlich werden sie in ihrem familiären Umfeld und in radikal islamischen Gruppierungen zur Zielscheibe und von ihnen unter großen Druck gesetzt, zum Isam zurückzukehren oder mit dem Tod bedroht.

Lange vor der Ankunft des Islam im 7. Jh. lebten auf der Arabischen Halbinsel Christen (sogenannte Nestorianer). Seit den 1970er-Jahren gewinnt das Christentum mit Ankunft einer großen Anzahl von Gastarbeitern aus Afrika und Asien wiederum an Bedeutung.

Zur Situation der Christen

Jemenitische Christen werden aufgrund ihres Glaubens weiterhin Opfer körperlicher und seelischer Gewalt, sind sexueller Belästigung, Vergewaltigung sowie Zwangsheiraten ausgesetzt oder werden vertrieben.

Die Existenz islamischer Extremistengruppen wie dem Islamischen Staat und Al-Kaida, die Destabilisierung durch die Covid-19-Pandemie und der Bürgerkrieg stürzten das Land in eine der größten gegenwärtigen humanitären Krisen der Welt. Die ganze jemenitische Bevölkerung leidet darunter – doch die jemenitischen Christen sind besonders gefährdet, da die Nothilfe hauptsächlich über lokale muslimische Leiter und örtliche Moscheen läuft. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie alle Hilfsbedürftigen von der Hilfe ausschließen, die nicht als fromme Muslime gelten.

Die jemenitische Kultur ist sehr stammesorientiert. Die Strafe für das Verlassen des Islam bedeutet oftmals Tod oder Verbannung. Männer und Frauen, die zum Christentum konvertieren, aber mit Muslimen verheiratet sind, riskieren die Scheidung und können so das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren.

Beispiele der Verfolgung

Während des Berichtszeitraums zum WVI 2022 wurden mehrere Vorfälle der Verfolgung von Christen gemeldet. Aus Sicherheitsgründen können wir keine Einzelheiten nennen. Die derzeitige Lage der Kämpfe im Land (und das allgemeine Misstrauen gegenüber Personen, die Informationen sammeln) beeinträchtig die Erhebung und Überprüfung der Daten.

Berichten zufolge wurden mehrere Christen inhaftiert und Dutzende Konvertiten erlitten körperliche und seelische Gewalt oder sexuellen Missbrauch, wurden zwangsverheiratet oder entführt. Dutzende flüchteten innerhalb des Landes an einen anderen Ort oder flohen aus dem Land. Die Gründe für die Flucht waren oftmals eine Kombination aus Angst vor einer Ermordung (wegen ihres Glaubens) und dem Bürgerkrieg.

Das Maß der Verfolgung

Zu dem bereits großen Druck im Alltag allgemein kommt die Zunahme der Gewalt gegenüber Christen hinzu. Einige von ihnen landen im Gefängnis, andere fliehen um ihrer Sicherheit willen aus dem Land. Nachbarn oder Familienangehörige denunzieren die heimlichen Treffen der Christen. Die Huthis (Bürgerkriegspartei) sind äußerst entschlossen, allen christlichen Aktivitäten entgegenzuwirken.

Wichtigste Mechanismen der Verfolgung

Islamische Unterdrückung, Unterdrückung durch den Clan/Stamm, ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Christenverfolgung

Rang im Index: 
5
Rang im letztjährigen Index: 
7