26.08.2016 /
Libyen
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Libyen: Einer der gefährlichsten Orte für Christen

In der anhaltend anarchischen Lage nach der Revolution 2011 ist Libyen für Christen eines der gefährlichsten Länder der Welt. Das geht aus einem aktuellen Bericht hervor, der von einem Analysten von Open Doors International (ODI) verfasst wurde.

Die Kirche in Libyen besteht beinahe vollständig aus ausländischen Christen. Bis auf geschätzt 150 Christen, die libyscher Herkunft sind, kommen alle Christen des Landes aus anderen afrikanischen Staaten. Die etwa 25.000 sind grösstenteils Flüchtlinge auf dem Weg in den Norden und nach Europa. Bereits unter der Regierung des Diktators Muammar al-Gaddafi war die Kirche nicht frei, ihren Glauben zu leben – laut dem Bericht hat sich die Situation jedoch stark verschlimmert. Dieser Monat markiert den fünften Jahrestag des Falls von Gaddafi. Rebellen setzten den langjährigen Herrscher im Zuge des «Arabischen Frühlings» ab, zwei Monate später wurde Gaddafi getötet. Trotz grosser Hoffnungen für das Land hat sich die Situation für Christen in Libyen seitdem verschlechtert: Die instabile politische Lage war ein geeigneter Nährboden für extremistische muslimische Kräfte, die stark an Einfluss gewannen.

Dabei werden Christen nicht nur von den organisierten islamistischen Milizen bedrängt: In dem Bericht heisst es, dass Christen auch von der normalen Bevölkerung Belästigungen und Verfolgung erleben müssten. Ein 29-jährige Nigerianer gibt an, auf offener Strasse mehrfach bedrohliche Situationen erlebt zu haben. «Einmal wurde ich attackiert, weil ich ein Kreuz trug. Die Männer sagten, ich sollte es verdecken.» Einige Christen fürchten, dass es Bestrebungen gebe, «die Christen in Libyen vollständig auszulöschen.» Auch Amnesty International hat die Lage der Christen in dem nordafrikanischen Land in ihrem erst kürzlich publizierten Bericht aufgegriffen.

Anlass zur Hoffnung gibt die international anerkannte Einheitsregierung, die im Januar gebildet wurde und im Frühjahr ihre Arbeit aufnahm. Sie will das Land einen und Recht und Ordnung wiederherstellen. Da die Feindseligkeiten zwischen den grössten bewaffneten Gruppen nun beigelegt sind, hofft der ODI-Analyst darauf, dass die Einheitsregierung sich Autorität verschaffen kann: «Auch wenn Recht und Ordnung im Land nicht unbedingt Religionsfreiheit für Christen bedeuten würde, könnten diese Umstände die Christen weniger verwundbar gegenüber Angriffen machen.»

(Bild: Migrantenkirche in Libyen)