04.10.2016 /
Mexiko
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Mexiko: Übergriffe auf protestantische Christen

Verhaftungen und Vertreibungen im Süden des Landes

In mehreren Bundesstaaten im Süden Mexikos ist die lokale Verwaltung stark von indigenen Traditionen und Bräuchen beeinflusst. Dies erschwert die Situation für Christen, die nicht den 'traditionalistischen' Dorfkirchen angehören, welche Elemente indigener Religionen mit dem Katholizismus verbinden. Gerade protestantische Christen sind immer wieder Benachteiligungen ausgesetzt.

'Ein normales Leben ist unmöglich'

Die Menschenrechtslage in Mexiko gibt generell Anlass zur Besorgnis: 2015 wurden 10.000 Fälle von vermeintlichen Menschenrechtsverletzungen registriert, eine Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch in diesem Jahr wurden wieder viele Fälle bekannt. Ein Grund dafür ist die wachsende religiöse Intoleranz. Insbesondere die evangelische Minderheit ist vermehrt mit Benachteiligungen konfrontiert. Konflikte entzünden sich oft, wenn die Protestanten sich nicht an den traditionellen religiösen Feierlichkeiten beteiligen. Aus diesem Grund forderten beispielsweise die örtlichen Behörden in Mariano Matomoros (Bundesstaat Chiapas) über 100 Protestanten dazu auf, das Dorf zu verlassen. 'Leider häufen sich Übergriffe gegen nicht-katholische Familien', erklärt L*, der für eine lokale Hilfsorganisation arbeitet. 'Man schneidet sie vom Zugang zu Wasser- und Abwasserleitungen ab, eignet sich ihren Besitz an, verweigert ihnen medizinische Behandlung und es kommt auch zu körperlicher Gewalt. Ein normales Leben ist für diese Familien unmöglich.'

Verhaftungen und Todesdrohungen

Nicht immer liegt solchen Feindseligkeiten ein konkreter Anlass zugrunde. Immer wieder werden Christen schlicht aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer protestantischen Kirche belästigt. Ein Beispiel ist L.P.* aus dem Dorf La Chachalaca im Bundesstaat Oaxaca. Schon in jungen Jahren konvertierte er zum evangelischen Glauben und blieb diesem auch dann treu, als er zunehmend unter Druck gesetzt wurde. Im Juli 2015 wurde er für 48 Stunden inhaftiert. Der Vorwurf lautete, er habe durch seine abweichende Religionszugehörigkeit die Sitten des Dorfes verletzt. Als er zehn Tage später erneut verhaftet wurde, forderten ihn die Behörden auf, seinem Glauben abzuschwören. Seinen Kindern wurde verboten, am Schulunterricht teilzunehmen. Nach einer weiteren Verhaftung verliess L.P.* das Dorf vorübergehend, doch bei seiner Rückkehr wurde er erneut festgenommen. Wieder verliess er das Dorf und wandte sich an das Bezirksgericht, das ihm Recht gab. Doch die Dorfbewohner zeigten sich davon wenig beeindruckt: Als er Ende März 2016 zurückkehrte, erhielt er Todesdrohungen und wurde dazu aufgefordert, das Dorf binnen 15 Minuten zu verlassen. Etwa 30 Menschen versammelten sich vor dem Haus seiner Mutter, in dem er sich aufhielt, kappten die Stromleitung und griffen seine Schwester sowie seinen Cousin an, als diese nach draussen traten.

Viele der im Laufe dieses Jahres vertriebenen Familien konnten bis heute nicht in ihre Dörfer zurückkehren. In manchen Fällen wurden sogar ihre Häuser zerstört.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors steht Mexiko derzeit auf Platz 40 unter den Ländern, in den Christen am stärksten verfolgt werden.

Quellen: Open Doors, World Watch Monitor