22.11.2017 /
Saudi-Arabien
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Saudi-Arabien: Antike Kirche soll wiedereröffnet werden - Lage der Christen noch unverändert

Vor kurzem empfingen der saudi-arabische König Salman bin Abdulaziz sowie Thronfolger Mohammad bin Salman das Oberhaupt der maronitischen Kirche im Libanon, Bechara Boutros Rai. Die Lage der christlichen Minderheit ist bislang unverändert.

 

Burgdorf/Wien, 22. November 2017 – Im Anschluss an das ungewöhnliche Treffen in der saudischen Hauptstadt Riad kündigte Kronprinz bin Salman Berichten zufolge an, dass als «Geschenk» für den Patriarchen eine 900 Jahre alte Kirche renoviert und wiedereröffnet werden soll.

Wie die katholische Nachrichtenagentur Fides meldet, soll die Kirche künftig als Zentrum für interreligiösen Dialog dienen. Offizielle saudische Quellen haben das Vorhaben im Zusammenhang mit der Kirche bislang nicht bestätigt.

 

«Dialog zwischen Muslimen und Christen wird möglich»

Der kuwaitischen Tageszeitung Alrai zufolge, zeigt der Besuch eines Kirchenführers in Riad aber «ein neues Saudi-Arabien», in dem der «Dialog zwischen Zivilisationen und Religionen, zwischen Muslimen und Christen» möglich sei.

Bechara Rai war trotz der aktuellen politischen Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Libanon für einen Kurzbesuch nach Riad gereist. Während des Empfangs trug er sein Brustkreuz, was in der saudischen Öffentlichkeit eigentlich verboten ist.

 

Zweifel an Verbesserung für Christen im Land

Ungeachtet des hoffnungsvollen Signals bleibt der Druck auf Christen in Saudi-Arabien bis auf weiteres extrem hoch. Die meisten der 1,4 Mio. Christen im Land sind Arbeitsmigranten, die ihren Glauben nur streng abgeschirmt ausleben dürfen.

Wendet sich ein saudischer Bürger vom Islam dem christlichen Glauben zu, droht ihm nach dem herrschenden Recht die Todesstrafe. Hinzu kommt der immense gesellschaftliche Druck, auch wenn sich die Jugendkultur unter dem Einfluss von Satellitenfernsehen, Internet und sozialen Netzwerken immer mehr verändert.

 

Saudi-Arabien auf Rang 14 des Weltverfolgungsindex

Bei einem Kongress zum Thema Christenverfolgung in Schwäbisch Gmünd äusserte sich ein in Saudi-Arabien lebender kuwaitischer Christ muslimischer Herkunft vor wenigen Tagen zu den aktuellen Entwicklungen in seiner Wahlheimat. Er zweifelt daran, dass sich die Lage der Christen in Saudi-Arabien unter dem künftigen König Mohammed bin Salman verbessern wird.

Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors nimmt Saudi-Arabien aktuell Platz 14 unter den Ländern ein, in denen Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden.