05.02.2016 /
Sri Lanka
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Sri Lanka: Reaktionen angesichts der neuen Verfassung befürchtet

In der neuen Verfassung sollen Massnahmen verankert werden, die für die christliche Minderheit positive Auswirkungen hätten. Aber von Seiten buddhistischer Geistlicher werden heftige Reaktionen befürchtet.

Am vergangenen 9. Januar hat Präsident Sirisena eine neue Verfassung vorgestellt, in der eine Dezentralisierung der Macht vorgenommen werden soll, um ethnischen Spannungen in Sri Lanka vorzubeugen. Diese Verfassungsänderung kann für die 7 % Christen und die 10 % Muslime im Land positive sowie negative Auswirkungen haben. Einerseits hat sich die Situation der Christen nach der 2015 erfolgten Auflösung der Religionspolizeieinheit verbessert.

Dennoch bleiben die Christen vorsichtig, was die Bedeutung des Buddhismus für die Identität des Landes anbelangt. Sie rechnen seitens buddhistischer Extremisten mit starken Widerständen.

Ein Pastor erklärt: «Die Mönche verstehen sich als Hüter des Buddhismus in der Welt. Aus ihrer Sicht wurden alle anderen buddhistischen Länder durch den Kommunismus oder Atheismus korrumpiert. Für sie bleibt Sri Lanka das Modell des einzig wahren Buddhismus, für dessen Verteidigung sie sich einsetzen wollen.»

Auch wenn die buddhistischen Extremisten weniger sichtbar sind als noch 2014, setzen sie ihre Anschläge auf die muslimischen und christlichen Minderheiten dennoch fort. Pastor Dayaratne und seine Frau haben dies erlebt: Aufgrund eines von eifersüchtigen buddhistischen Mönchen erfundenen Skandals entzogen die Behörden ihnen im April 2013 die Obhut der 130 Kinder, die in ihrem Waisenhaus lebten.

Auch hinter der Verfassungsänderung vermuten die buddhistischen Extremisten die Absicht, den Einfluss ihrer Geistlichen zu beschränken und den Versuch der Regierung, sich dem Westen anzunähern. Sie drohen damit, die neuen Gesetze zu boykottieren.

Sri Lanka befindet sich nicht mehr im Weltverfolgungsindex 2016, nachdem es im Index 2015 den 44. Rang belegte und sich 2014 sogar noch auf dem 29. befand. Das lässt sich zum Teil damit erklären, dass im Januar 2015 wider Erwarten der diktatorische Präsident Mahinda Rajapaksa abgewählt wurde. Deshalb war es während des Untersuchungszeitraums für den WWL 2016 (bis Ende Oktober 2015) zwischenzeitlich etwas ruhiger geworden um die zwei radikalbuddhistischen Bewegungen, mit denen er in enger Verbindung stand.