07.02.2014 /
Tunesien
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Tunesien : Die christliche Minderheit ist erleichtert

Die neue tunesische Verfassung lehnt die Scharia als Rechtsgrundlage ab. Die Minderheiten und die Menschenrechtsverteidiger sind erleichtert.

Seit dem Wahlsieg der Islamisten befürchteten die Experten das Schlimmste. Die islamische Regierung ging eindeutig auf die Anwendung der Scharia (islamisches Recht) und deren Einführung in die Landesverfassung zu. Dies hätte weitere Einschränkungen gegen die Christen herbeigeführt. Am 26. Januar wurde die neue Verfassung verabschiedet. Die religiösen Minderheiten und die Befürworter der Laizität sind froh, dass die Scharia darin keinen Platz fand, auch wenn Artikel 1 den Islam als «Staatsreligion» bezeichnet.

Von den elf Millionen Einwohnern sind rund 25‘000 Christen. Die meisten sind Ausländer (aus etwa 80 Ländern), aber es hat auch eine kleine Gruppe einheimische Christen europäischer und arabischer Abstammung. Sie sind es, die den grössten Druck erleiden, wie Aziz berichtet: «Die Drohungen haben sofort nach meiner Bekehrung angefangen, weil ich meinen Freunden auf Facebook davon erzählte.»

Zwei Jahre waren nötig, um die neue Verfassung aufzusetzen. Nun wurde sie angenommen, drei Jahre nach dem Sturz des Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali. Der Selbstmord eines tunesischen Gemüseverkäufers hatte den «Arabischen Frühling» ausgelöst, welcher sich über ganz Nordafrika und den Nahen Osten ausgebreitet hat.

Artikel 6 «verbietet jegliche Form von Anklage wegen Apostasie und Anstiftung zur Gewalt», während der Koran und die Lehren des Propheten Mohammed nicht als «Rechtsquellen» anerkannt werden. Die Verfassung ernennt den Staat zum «Bürgen der Gewissensfreiheit» und sichert die «Neutralität der Kultstätten in Bezug auf politische Manipulation» zu.

Zwei Begriffe beunruhigen jedoch die tunesische Liga für Menschenreche, welche «gefährliche Interpretationen bezüglich Staatsbürgerschaft und Freiheit hervorrufen können». Artikel 6 legt nämlich auch fest, dass der Staat «Schutz des Heiligen und der Religion gewährt».(Bild: Frauengruppe in Tunesien)