22.04.2016 /
Turkmenistan
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Turkmenistan: Die Polizei will ein christliches Kindercamp verhindern

Das christliche Kindercamp war für diesen Sommer geplant. Der turkmenische Geheimdienst hat dem Pastor nahegelegt, auf die Durchführung zu verzichten.

Für den Pastor der Kirchgemeinde der Stadt Mary, die an der ehemaligen Seidenstrasse liegt, klingt diese Warnung der Geheimpolizei wie eine Drohung: «Wir ersuchen Sie, das Kindercamp in diesem Sommer nicht durchzuführen. Ansonsten wird sich unser Tonfall ändern.»

Bereits 2013 hatten Geheimdienstoffiziere das Kinderlager «besucht», das am gleichen Ort stattfand und von derselben Kirchgemeinde organisiert worden war.

Diese Drohungen fallen mit dem Inkrafttreten eines Religionsgesetzes am vergangenen 12. April zusammen, mit dem alle nicht zuvor genehmigten religiösen Aktivitäten untersagt und weitere Einschränkungen eingeführt wurden. Danach wird die Mindestanzahl von Mitgliedern zur Registrierung einer neuen christlichen Versammlung von früher 5 auf 50 erhöht. Ausserdem muss jegliche religiöse Literatur von einer Regierungskommission genehmigt werden. Dennoch ist bisher noch kein einziger Paragraph dieses neuen Gesetzes veröffentlicht worden.

Wie die Nordkoreaner müssen auch die Turkmenen ihren «Führer» verehren. Turkmenistan ist damit das einzige zentralasiatische Land, in dem es einen Personenkult gibt. Diese Verehrung wird vom Buch «Ruhnama» (das Buch der Seele) befeuert. Es wurde vom früheren Präsidenten Nyýazow verfasst, dessen Ideologie die gesamte Gesellschaft beeinflusste, bevor ihre Verbreitung an den Schulen und Universitäten schrittweise verringert wurde.

Der jetzige Präsident Berdimuhamedow sorgte dafür, dass die Statue seines Vorgängers in einen Vorort der Hauptstadt Aşgabat «umgesiedelt» wurde, bevor er sich sein eigenes Standbild errichten liess, das 2015 eingeweiht wurde.

Die Christen machen um die 2 % der Bevölkerung Turkmenistans aus. Die meisten von ihnen gehören ethnischen Minderheiten an, hauptsächlich russischer Herkunft, während die Zahl der einheimischen Christen stagniert. (Quellen: Forum 18 und Open Doors)

(Bild: Turkmenische Kinder)