29.05.2015 /
Turkmenistan
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Turkmenistan: Zunahme des Personenkults und der Überwachung

Während die Christen immer stärker überwacht werden, hat der turkmenische Präsident zu seiner eigenen Ehre eine Statue errichten lassen.

In der Hauptstadt Aşgabat erklang am vergangenen Montag, 25. Mai, die Nationalhymne, als eine 21 m hohe vergoldete Statue eingeweiht wurde. Sie stellt den Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedow dar. Er sitzt auf seinem Lieblingspferd auf einem Felsblock und hält eine Friedenstaube in der rechten Hand. Dieses imposante Monument ist ein weiteres Zeichen für den Personenkult, dem der Präsident eine grosse Bedeutung beimisst.

Bereits Berdimuhamedows Vorgänger, Saparmyrat Nyýazow, der sich vom Volk Türkmenbaşy («Führer der Turkmenen») nennen liess, etablierte während seiner Regierungszeit von 1991 bis zu seinem Tod 2006 einen allgegenwärtigen Personenkult. Auch er liess viele Statuen seiner Person im ganzen Land errichten, unter anderem eine in der Hauptstadt, die sich mit der Sonne drehte (Bild).

Fernab von allen offiziellen Paraden werden die rund 95‘000 Christen in ihrer Glaubensfreiheit zunehmend eingeschränkt. Pastor Zaurbek* erlebt dies täglich: da den Behörden bekannt ist, dass sein Bruder für einen christlichen Fernsehsender in Europa arbeitet, überwachen Geheimdienstagenten ihn sowie seine Kommunikation Tag und Nacht.

Nurjamal* ist ebenfalls Pastor und auch ihm folgt die Polizei überall hin, so dass er keine Kirchenmitglieder besuchen kann. Sobald er ein Haus betritt, wird die Wohnung sofort durchsucht und wenn eine Bibel gefunden wird, muss er für die Busse aufkommen. Auch seine Ehefrau, die als Krankenhausärztin arbeitet, weiss, dass ihr wegen ihres Glaubens jederzeit die Kündigung droht.

Die Lehrerin Khadisha* wurde von der Geheimpolizei aufgefordert, Informationen über christliche Bekannte zu liefern. Da sie die Aussage verweigert, lassen sie nicht locker und bedrängen sie weiter.

Für das Abhalten von illegalen Versammlungen in Privathäusern oder den Besitz religiöser Literatur und Bibeln droht die Polizei den Christen seit kurzem nicht mehr nur mit Bussen sondern mit Gefängnisstrafen. Nun treffen sich die Gläubigen vermehrt in abgelegenen Gegenden oder nachts zum Gottesdienst. Ausserdem befürchten sie, dass ihnen die Behörden das Wasser oder die Gaszufuhr abstellen oder ihnen ihre Landparzellen wegnehmen könnten.

*Decknamen