2 minuten
Nachdem das Internet über Monate hinweg fast vollständig abgeschaltet war, erhalten die Christen nach und nach wieder Zugang zur Aussenwelt. Während des vom Regime verhängten Blackouts war vielen die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen, biblischer Unterricht und der Kontakt zu anderen Gläubigen vorenthalten worden.
Mehrere Monate lang erlebte der Iran einen der bedeutendsten Internetausfälle seiner Geschichte. Die Behörden schränkten den Zugang zu internationalen Plattformen wie WhatsApp, Telegram, Instagram oder YouTube stark ein, offiziell um Protestbewegungen und politische Unruhen unter Kontrolle zu halten.
Für die iranischen Christen hatte diese Sperre jedoch weitaus tiefgreifendere Folgen als eine blosse technische Unterbrechung. In einem Land, in dem Hausgemeinden ohnehin schon unter Druck stehen, ist das Internet oft die einzige sichere Möglichkeit, biblische Lehre zu erhalten, an Online-Gottesdiensten teilzunehmen oder den Kontakt zu geistlichen Leitern im Ausland aufrechtzuerhalten.
Während des Internetausfalls waren viele Gläubige völlig von der Aussenwelt abgeschnitten. Christliche Dienste im Ausland verloren fast jeglichen Kontakt zu den iranischen Gläubigen. Für manche Konvertiten war dieser Bruch besonders schmerzhaft. «Gestern Abend konnte ich endlich eine Predigt auf Farsi in den sozialen Netzwerken hören. Ich fühle mich wie neu geboren», berichtet Rahab*, eine iranische Christin.
Auch der Gemeindeleiter Afshin* beschreibt die psychologischen Auswirkungen dieser Zeit:
«Die Gewalttaten und der Internetausfall haben eine riesige Welle von Depressionen ausgelöst.»
Seiner Meinung nach hat die digitale Isolation das Gefühl der Verlassenheit verstärkt, das viele Iraner empfinden. Familien haben den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren, während den Gläubigen geistliche Unterstützung und brüderliche Gemeinschaft vorenthalten wurden.
Heute kehrt der Internetzugang in bestimmten Regionen des Landes allmählich zurück. Christen können wieder mit anderen Gläubigen kommunizieren, biblische Lehre empfangen und den Kontakt zu Partnerwerken wieder aufnehmen. Doch diese Wiederannäherung erfolgt mit Vorsicht. Viele befürchten eine verstärkte Überwachung durch die Behörden und den Aufbau eines kontrollierten nationalen Netzwerks, das vom restlichen weltweiten Internet getrennt ist.
Für Afshin wird die Rückkehr des Internets jedoch nicht ausreichen, um die Wunden des Landes zu heilen. «Wieder online zu sein, ist nur ein vorübergehendes Heilmittel», sagt er. «Aber der Schmerz des iranischen Volkes geht weit darüber hinaus. Nur Gott kann wahre Hoffnung und echte Freiheit bringen.»
Bild: Spiegelung eines Kreuzes auf dem Bildschirm eines Smartphones vor der Vank-Kathedrale in Isfahan. Im Hintergrund muslimische Besucher (Touristen) der Kirche