Open Doors Schweiz
In the area where tradition and radical Orthodox reign, Yakob, a 26-year-old man, lived a life shaped by the community's rigid beliefs.

3 minuten

NachrichtenÄthiopien

Äthiopien: Mindestens 60 Christen bei Angriffen getötet

Unterstützen Sie das Projekt
Afrika – Vereint gegen Gewalt


Mindestens 60 Christen wurden zwischen dem 20. und 25. Oktober bei mehreren Angriffen in der Region Oromia in Äthiopien getötet.

Die Region Arsi in Äthiopien wurde erneut von Gewalt heimgesucht. Letzte Woche wurden bei mehreren Angriffen bewaffneter Gruppen in den Bezirken Merti und Shirka mindestens 60 orthodoxe Christen getötet. Auch Häuser wurden in Brand gesteckt und Geschäfte zerstört. Unter den Opfern befinden sich Frauen, Kinder und ältere Menschen

Christen wiederholt Ziel von Angriffen

Dieser Gewaltakt ist Teil einer Reihe von Anschlägen, von denen die Region seit mehreren Jahren betroffen ist. Im vergangenen Februar drangen bewaffnete Männer in einen Markt und eine Kirche ein und töteten mehr als 20 Christen sowie einen muslimischen Wachmann.

Einige Monate später, im Mai, wurden mindestens 12 Christen in einer mehrheitlich muslimischen Gemeinde getötet. Eigentum der Opfer wurde in Brand gesetzt , ebenso wie die 101 Jahre alte St.-Gabriel-Kirche in Telata. Mehr als 280 Menschen wurden infolge dieser Ereignisse vertrieben.

Wer ist dafür verantwortlich?

Auf Anfrage der französischen Nachrichtenagentur AFP schätzt die Organisation Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED), die sich auf die Analyse von Konflikten spezialisiert hat, dass diese Gewalttaten religiös motiviert sein und sich speziell gegen Christen gerichtet haben könnten. Die NGO stützt sich dabei insbesondere auf Berichte über die Plünderung einer Kirche.

ACLED zufolge sollen die Angriffe auf orthodoxe Christen in der Region seit Februar 2023 zugenommen haben, wobei sich die Gewalt im Laufe des vergangenen Jahres verschärft habe.

Bislang haben weder die Behörden noch die äthiopisch-orthodoxe Kirche eine Gruppe identifiziert oder benannt, die für diese jüngsten Angriffe verantwortlich ist.

Eine Region geprägt von politischen, ethnischen und religiösen Spannungen

Diese Angriffe sind Teil einer Konfliktlage, die mehrere Regionen Äthiopiens betrifft. Im Norden des Landes steht die Tigray People’s Liberation Front (TPLF) der Bundesregierung gegenüber und hat sich der «Alliance for Survival» angeschlossen, einer Koalition aus sieben Gruppen, die darauf abzielt, den aus dem Volk der Oromo stammenden Premierminister Abiy Ahmed zu stürzen.

In Oromia kämpft auch die Oromo-Befreiungsarmee (OLA) gegen die Regierung, vor allem um die Selbstbestimmung und die politische Autonomie des Volkes der Oromo zu erreichen.

Zu diesen politischen Konflikten kommen ethnische und religiöse Spannungen hinzu. Laut dem Medienunternehmen The Africa Report verbinden viele Oromo fälschlicherweise das orthodoxe Christentum mit der ethnischen Gruppe der Amhara, obwohl diese Glaubensrichtung auch unter den Oromo, den Tigrayern und den Gurage vertreten ist. Die Amhara können somit sowohl aufgrund ihrer ethnischen Herkunft als auch wegen ihres orthodoxen Glaubens zur Zielscheibe werden.

Diese Spannungen, die auf historische, politische und kulturelle Faktoren zurückzuführen sind, wurden durch die jüngsten politischen Entwicklungen im Land noch verschärft.