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Nach fast neun Monaten Haft wurde Pastor Jin von der Zionskirche freigelassen und reiste am 3. Juli in die USA zu seiner Familie. Acht weitere Pastoren und Mitarbeitende der Zionskirche befinden sich jedoch weiterhin in Haft.
Wir sind zutiefst dankbar, dass die chinesischen Behörden kürzlich neun Pastoren und Mitarbeitende des Dienstes – insbesondere acht Schwestern in Christus – gegen Kaution freigelassen haben. Auch Pastor Jin wurde freigelassen. Dies ist wahrhaftig ein Ausdruck der Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Wir beten weiterhin treu für die übrigen Pastoren, die sich noch in Haft befinden.
Seine Freilassung erfolgte nicht nach dem üblichen Verfahren. Einige Mitglieder der chinesischen Kirche stehen dieser Lösung kritisch gegenüber, da sie dazu führt, dass christliche Leiter China verlassen und ihre Gemeinde zurückbleiben. Innerhalb der Kirche gehen die Meinungen auseinander. Eines steht jedoch fest: Die Christen in China sehnen sich danach, in Freiheit zu leben und einen positiven Beitrag für ihre Gesellschaft zu leisten.
Derzeit befinden sich acht weitere Pastoren und Mitarbeitende der Zionskirche in Haft. Seit dem 18. Juni wurden die Anklagepunkte gegen sie geändert: Die ursprüngliche Anklage wegen «illegaler Nutzung von Informationsnetzwerken» wurde durch die Anklage wegen «illegaler gewerblicher Nutzung» und «Betrugs» ersetzt. Obwohl bislang noch keine rechtliche Grundlage für diese neuen Anklagepunkte veröffentlicht wurde, gehen einige Beobachter davon aus, dass diese schwerwiegender sind, da sie im Falle einer Verurteilung zu deutlich höheren Strafen führen können.
Bereits 2018 war die Zionskirche in Peking geschlossen und durchsucht worden, weil sie sich geweigert hatte, Videoüberwachungskameras zu installieren. Während der Pandemie gehörte sie zu den ersten, die ihre Gottesdienste live über Zoom übertrugen, zog damit bis zu zehntausend Online-Teilnehmer an und gründete lokale Zweigstellen im ganzen Land. Diese rasante Ausbreitung zog schliesslich die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich: Nach dem Inkrafttreten neuer Massnahmen im März 2022, die die Übertragung religiöser Inhalte im Internet ohne Lizenz untersagten, leitete der Staat eine landesweit koordinierte Razzia ein – eine Premiere in der Geschichte der chinesischen Kirche.
Neben der Zionskirche sind auch viele andere Kirchen und Christen in China aufgrund ihres Glaubens Verfolgung ausgesetzt. Der geistliche Kampf geht weiter.
Caleb*, von der Forschungsabteilung von Open Doors für China, erklärt:
«In den letzten Jahren haben die Behörden ihr Vorgehen gegen Hauskirchen im ganzen Land verschärft. Diese sind nach wie vor nicht registriert und gelten offiziell als illegal. Abgesehen von den Fällen, über die in den Medien ausführlich berichtet wurde […], sind unzählige weitere Kirchen in unterschiedlichem Ausmass von Repressionen betroffen. Manche werden inhaftiert, verurteilt oder gezwungen, unterzutauchen – isoliert von der Gesellschaft und der breiten Öffentlichkeit unbekannt.»
Jason*, ein lokaler Partner von Open Doors im Osten Chinas, berichtet von dem zunehmenden Druck:
«Vor Kurzem wurde eine Hauskirche in meiner Region während des Gottesdienstes am Sonntag durchsucht. Der Leiter wurde wegen der Organisation illegaler Versammlungen zu einer Geldstrafe von mehreren Zehntausend Yuan verurteilt und sieben Tage lang inhaftiert.»
Hebräer 13,3 erinnert uns daran: «Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr selbst mit im Gefängnis, und an die Misshandelten, als wär's euer eigener Körper.»
Das Gebet erreicht durch die Kraft Gottes Orte, die Menschen selbst nicht erreichen können. Wir rufen daher noch mehr Gläubige dazu auf, gemeinsam mit den Kirchen und Christen in China in dieser schwierigen Zeit zu beten.
*Namen aus Sicherheitsgründen geändert