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In der ersten Oktoberwoche sind in Udaipur (Bundesstaat Rajasthan) zwei Pastoren und elf weitere Christen nach vier Monaten in Haft vorläufig entlassen worden. Möglich wurde dies durch die Hinterlegung der geforderten Kautionen. Extremistische Hindus hatten die Männer am 5. Juni «widerrechtlicher Konversionen» beschuldigt und so den Anstoss zu ihrer Verhaftung gegeben.
Wie lokale Kontaktpersonen von Open Doors berichten, betrachten die 13 Christen ihre Entlassung aus der Haft als «Wunder». Suraj Thakur*, einer der Partner von Open Doors, sagte: «Ihre Freilassung ist ein grossartiger Grund, Gott zu danken, und erinnert uns an seine Treue. Während viele Christen wegen ihres Glaubens weiterhin lange Haftstrafen erdulden müssen, freuen wir uns mit diesen Brüdern, dass sie zu ihren Familien und Gemeinden zurückkehren können.»
Vom 5. bis 7. Juni 2026 hatte in Udaipur eine dreitägige Versammlung von Christen aus indigenen Stämmen stattgefunden. Das Treffen wurde jedoch von einer Gruppe extremistischer Hindu-Nationalisten behindert, aus deren Mitte auch die Vorwürfe stammten. Im Bundesstaat Rajasthan wurde 2025 das «Rajasthan Prohibition of Unlawful Conversion of Religion Bill» verabschiedet, das den Glaubenswechsel aufgrund von Zwang oder widerrechtlichen Anreizen unter Strafe stellt. Immer wieder werden in Rajasthan und vielen anderen Bundesstaaten Pastoren auf Basis geltender Anti-Konversions-Gesetze verhaftet und verbringen mitunter Jahre im Gefängnis.
Thakur erläutert die Auswirkungen des Anti-Konversions-Gesetzes und der darauf basierenden Anklagen auf die Christen in Rajasthan: «Nach der Einführung des Gesetzes und der Verhaftung dieser Christen hat die christliche Gemeinschaft Angst davor entwickelt, sich öffentlich oder privat zu versammeln. Viele Hausgemeinden haben ihre Treffen eingestellt. Christliche Aktivitäten stehen unter Beobachtung, und selbst christliche Einrichtungen zögern, ihre Räumlichkeiten für christliche Veranstaltungen zu vermieten. Lokale politische Vertreter der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) sowie extremistischer Hindu-Gruppen wenden sich aktiv gegen Christen, indem sie Hassreden gegen christliche Stammesangehörige halten und so Streit unter der Bevölkerung schüren. Christen werden oft beschuldigt, Gelder aus dem Ausland zu erhalten und andere durch falsche Versprechen zum christlichen Glauben zu bekehren.»
Im Bundesstaat Chhattisgarh haben sich einige Gemeinden zu einem höchst ungewöhnlichen Schritt genötigt gesehen. Sie brachten an ihren Gebäuden Schilder mit dem folgenden Inhalt an: «Nur Christen dürfen die Kirche zum Gebet betreten. Wenn andere aus freien Stücken kommen, müssen sie die Verantwortung für ihre Entscheidung tragen.» Kirchenvertreter erklärten, die Hinweisschilder seien in erster Linie als Vorsichtsmassnahme angebracht worden, um rechtliche Konsequenzen im Rahmen des aktuellen Anti-Konversions-Gesetzes zu vermeiden.
In Chhattisgarh bitten einige Gemeinden inzwischen Nichtchristen um das Ausfüllen einer Selbstauskunft im Blick auf ihren Kirchenbesuch. Neben seinen persönlichen Angaben gibt der Unterzeichnete mit dem Formular an, keiner unzulässigen Beeinflussung, Drohung, Nötigung, Täuschung oder Verführung ausgesetzt worden zu sein und auch keine Kenntnis über einen Fall von Zwangskonversion zu haben. Allein im Bezirk Dhamtari (Chhattisgarh) wurden bereits über 1000 solcher Formulare bei den Behörden eingereicht. Im Bundesstaat Maharashtra kommen ähnliche Formulare zum Einsatz.
Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 steht Indien an 12. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
*Name geändert