Was ist Christenverfolgung?

In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 zählt die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu den grundlegenden Menschenrechten.

Insbesondere Artikel 18 besagt Folgendes in Bezug auf Religionsfreiheit: «Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schliesst die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.»

Die Religionsfreiheit ist in diesem Artikel klar definiert, insbesondere das Recht, seine Religion zu wechseln und sie zu bekennen; für die Verfolgung hingegen gibt es keine allgemein anerkannte Definition.

Für Open Doors ist Verfolgung «Feindseligkeit, welche die Christen wegen ihrer Verbundenheit mit Christus erleiden». Dazu gehören auch Haltungen, Worte und feindselige Handlungen gegen Christen.» Diese weitgefasste Definition schliesst das Risiko aus, Verfolgung lediglich auf Gewalttaten zu beschränken. Die tägliche Bedrängnis kann nämlich für christliche Gemeinschaften schlimmere und verheerendere Auswirkungen haben als Kirchenzerstörungen oder Attentate, vor allem wenn sie aus politischem Druck oder andauernder sozialer oder religiöser Diskriminierung hervorgeht. Im gleichen Sinn kann auch der Verlust seiner Arbeit oft genauso schlimme Folgen haben wie Gefängnis und Schläge.

Verfolgung kommt in grossem Ausmass in Regionen vor, wo das Leben für jedermann schwierig ist. Sie kommt also zu der bereits existierenden Verletzlichkeit hinzu, die Christen sind somit doppelt verwundbar. In diesen Systemen, wo die Christen ihrer Rechte beschnitten oder ausgegrenzt werden, nennt man sie «Bürger zweiter Klasse».

 

Der Weltverfolgungsindex ist eine Liste von 50 Ländern, die nach dem Ausmass der Christenverfolgung klassifiziert sind. Jedes Land verfügt über eine eigene Seite, die das Profil sowie alle Artikel und Informationen zum betreffenden Land enthält.

>>Weltverfolgungsindex 2017

 

Wie lange nimmt die Verfolgung von Christen noch weiter zu?

«WELLEN VON NATIONALISMUS LASSEN ASIATISCHE LÄNDER AUF DEM WVI STEIGEN»

Nordkorea führt den Weltverfolgungsindex (WVI) zum sechzehnten Mal in Folge an - und isoliert sich mit jedem Jahr noch mehr als bisher. Die bedeutendste Triebkraft der Verfolgung weltweit bleibt aber die islamistische Unterdrückung; so liegen denn auch die meisten Länder auf dem WVI im Nahen Osten oder in Nordafrika. Zum vierten Mal in Folge ist die Gesamtpunktzahl der Top 50 des WVI gestiegen - von 3299 im Jahr 2016 auf 3355 im Jahr 2017. Dies deutet stark auf eine Zunahme der Christenverfolgung weltweit hin.

Mit einem Ausmaß an Gewalt, das sogar Nordnigeria übersteigt, liegt Pakistan neu auf Platz vier. Indien steht aufgrund der Angriffe hinduistischer Extremisten auf die Kirche weiter oben auf dem WVI (Platz 15) als je zuvor. Mit Ausnahme vom kriegszerrütteten Jemen hat die Verfolgung in den asiatischen Ländern am meisten zugenommen. In Laos, Bangladesch, Vietnam und Bhutan hat sich die Situation für Christen verschlechtert und der buddhistische Nationalismus hat Sri Lanka wieder unter die Top 50 befördert.

Asien: Religiöser Nationalismus auf dem Vormarsch

In Indien waren hinduistische Nationalisten von 2004 bis 2014 zwar nicht an der Macht, verbreiteten sich aber auf dem Land, wo die Mehrheit der indischen Bevölkerung lebt. Über 600'000 Extremisten wurden ausgebildet, um Schulen zu leiten und so ganze Familien zu radikalisieren. Christliche Organisationen berichten von rund 40 Übergriffen pro Monat, bei denen Pastoren verprügelt, Kirchen niedergebrannt und Bekehrte schikaniert werden. Acht Christen wurden 2016 wegen ihres Glaubens getötet.
Die meisten ostasiatischen Regierungen setzen auf die nationalistische Karte. Als Sri Lanker gilt nur, wer Buddhist ist, als Malaie nur, wer Muslim ist. In Malaysia gibt es «Reinigungszentren» für die Rückkehr von Christen und «abfallenden Muslimen» zum Islam. Laos hat eine paranoide Regierung, die verzweifelt versucht, an der Macht zu bleiben, und Christen in Stammesgemeinschaften sind sowohl der Verfolgung durch den Staat als auch durch ihren Stamm ausgesetzt.

Afrika: Gewalt und Druck

Über West- und Ostafrika wird wegen der brutalen Aufstände militanter Islamisten schon seit Jahren berichtet. In Nordnigeria sind wegen Boko Haram derzeit acht Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. Mindestens zwölf Christen wurden 2016 in Somalia von der Miliz Al-Shabaab getötet. Aber der militante Islamismus nimmt auch andernorts zu. Mit saudischer Finanzierung werden in Somalia, Kenia, im Niger und in Burkina Faso neue Netzwerke extremistischer Schulen aufgebaut und lokale Regierungsvertreter für Baubewilligungen für Moscheen bestochen. Doch nicht nur Gewalt treibt die Verfolgung voran; alle «Kategorien» des WVI zur Bestimmung des Drucks auf Christen (Privatleben, Familienleben, soziales Leben, kirchliches Leben und Zivilleben) weisen ein zunehmendes Ausmaß von Verfolgung auf.

Naher Osten: Polarisation und radikale Regimes

Seit dem Rückzug der amerikanischen Streitkräfte im Nahen Osten führen die extremistischen Regimes von Saudi-Arabien und dem Iran im Jemen einen Stellvertreterkrieg, dem viele Christen zum Opfer fallen. Vier Missionarinnen wurden 2016 gezielt getötet. Im Iran wurde eine Rekordzahl von Christen festgenommen und viele verloren aufgrund riesiger Geldstrafen ihre Existenzgrundlage. Es gibt aber auch Muslime, die sich angesichts dieser Grausamkeiten vom Islam abwenden, was zu einer erstaunlichen Zunahme von Christen mit muslimischem Hintergrund führt.
Die meisten von ihnen sind täglich mit der Feindseligkeit ihrer Familie, Sippe und der Gesellschaft konfrontiert. Aber in Indonesien gibt es eine neue Art von Christ mit muslimischem Hintergrund: unabhängig, stark und furchtlos. Viele der verfolgten Christen erleben, wie ihre Schwierigkeiten durch Gottes Fürsorge zu etwas Gutem werden. Es ist also nicht alles schlecht. In Syrien und im Irak überwinden Christen jahrhundertealte konfessionelle Grenzen und auch Christen und Muslime kommen sich teilweise wieder näher, was für den Wiederaufbau dieser Länder maßgebend ist.

Vertrautes Dilemma

Und dennoch: das Dilemma der verfolgten Kirche bleibt bedrückend vertraut. In Nordkorea, Somalia und Teilen Pakistans ist die Frage: «Wie kann ich meinen Glauben ausleben, ohne jemandem davon zu erzählen?». In Ländern mit zunehmendem, religiösem Nationalismus fragen sich Pastoren, wie sie Gottesdienst feiern und evangelisieren können, ohne den Zorn der Masse auf sich zu ziehen. In Ländern mit totaler Überwachung und Kontrolle (z.B. in Zentralasien) ist die Frage: «Wie kann ich meinen Glauben ausleben, wenn die Augen der Regierung überall sind?». In den Staaten mit Bürgerkrieg, wie Syrien und Libyen, ist das Problem oft noch grösser: «Kommt je der Tag, an dem uns keine Bombenanschläge drohen?», oder: «Wie können wir das Land verlassen, aber dennoch die Möglichkeit behalten, eines Tages nach Hause zurückkehren zu können?»
Jeden Tag sind verfolgte Christen weltweit mit diesen Dilemmas konfrontiert. Sie brauchen mehr denn je Freunde, die ihnen beistehen und sie stärken.

Grundlagen und Instrumente

Der Weltverfolgungsindex (WVI) ist das wichtigste Instrument von Open Doors (OD), um die Entwicklung, das Ausmaß und die Stärke der Christenverfolgung weltweit zu messen. Dazu hat Open Doors ein Analyse-Tool entwickelt, mit dem die gefährdeten Länder identifiziert bzw. zur vertieften Untersuchung aussortiert werden. Die Methodik wurde 2012 vollständig revidiert. Sie wurde vom
in Deutschland geprüft und die revidierte Fassung kam im WVI 2014 zum ersten Mal zur Anwendung.

Der Index stützt sich auf Einschätzungen von Fachleuten – OD-interne und externe Forscher und Experten auf dem Gebiet der Glaubensfreiheit und Christenverfolgung – und wurde mit anderen unabhängigen Quellen abgeglichen. Damit wird die größtmögliche Zuverlässigkeit, Transparenz, Objektivität und wissenschaftliche Qualität der Daten gewährleistet.
 

Was ist Christenverfolgung?

«Verfolgung» umfasst alle Äußerungen von Feindseligkeit gegenüber einzelnen Christen oder christlichen Gemeinschaften, von subtilem Druck bis zu offener Gewalt. Häufig sind Kriegssituationen, ethnische, religiöse oder politische Spannungen und einflussreiche mafia-ähnliche Systeme und Gruppen die Auslöser.

Es sind komplexe Situationen, die zur Verfolgung von Christen führen. Ihr Glaube ist nicht zwangsläufig Ursache für den Druck oder die Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird. Die Verfolgung kann Auswirkung einer anarchischen Situation z. B. in so genannt gescheiterten Staaten und Krisengebieten sein, oder aber ihre Religionszugehörigkeit kann dazu führen, dass Christen in einer Krisensituation doppelt von den Auswirkungen betroffen sind. Der WVI versucht, die verschiedenen Ursachen von Verfolgung so gut wie möglich zu unterscheiden.
 

Zwei Hauptformen: Subtiler Druck und offene Gewalt

Der WVI unterscheidet zwei Hauptformen der Verfolgung: subtiler Druck und offene Gewalt. Während Gewalttaten besonders auffallen, schränken kaum merkliche Formen der Unterdrückung das Leben von Christen am meisten ein. Es zeigt sich deutlich, dass mehr Gewalt nicht unbedingt stärkere Verfolgung bedeutet, d.h. der Index widerlegt die Annahme, dass die gewalttätigsten Verfolger die Hauptursache von Verfolgung seien.

Während Gewalt anhand der Zahl und der Stärke gewalttätiger Übergriffe auf Christen gemessen werden kann, braucht es andere Instrumente und Methoden, um subtilen Druck und Schikanen gegen Christen aufzudecken.
 

Die Dynamik der Verfolgung

Der WVI unterscheidet drei zugrundeliegende Motive oder Typen von christenfeindlichen Systemen, die die Entstehung von Verfolgung begünstigen: religiöser Extremismus, Staatsideologie und missbräuchliche totalitäre und korrupte Regime. Diese sind der Nährboden für die Triebkräfte von Verfolgung. Diese fasst der WVI in acht Kategorien zusammen, innerhalb derer die eigentlichen Urheber der Christenverfolgung handeln. Insgesamt identifiziert der WVI elf Hauptakteure, wie z.B. Familienclans oder Behörden. (vgl. untenstehende Tabelle).

Wie der Begriff sagt, ist Verfolgung in der größten Kategorie, «religiöser Extremismus», in der radikalen Religiosität der Akteure begründet. Er umfasst Gruppierungen, die dazu neigen, in sich geschlossene Gesellschaften zu bilden. Die «Anderen» sind ausgeschlossen und gelten als minderwertig, als Unmenschen oder Ungläubige. Jegliche noch so unmoralische oder unmenschliche Taten gegen diese sind erlaubt.

Im Bereich Staatsideologie ist der Staat der Auslöser für Verfolgung. Es handelt sich um religionsfeindliche Systeme wie kommunistische Diktaturen oder Länder, in denen radikaler Säkularismus vorherrscht. Personen, die sich dem System und der staatlichen Ideologie nicht beugen, werden nicht geduldet.

In missbräuchlichen Systemen streben elitäre Gruppierungen oder Einzelpersonen mit allen Mitteln danach, alle Macht und Ressourcen an sich zu reißen. Zu diesem Bereich zählen vor allem paranoide totalitäre Systeme oder korrupte mafia-ähnliche Gruppierungen. Um ihr Ziel zu erreichen verbünden sich die politischen Führer mit einflussreichen lokalen Anführern. In diesem Bereich ist Christenverfolgung meist nicht das strategische Ziel, sondern eine Nebenwirkung des Systems.
 

Triebkräfte von Verfolgung und ihre Ziele

Der WVI fasst die Triebkräfte von Verfolgung in acht Kategorien zusammen.

A) Religiöser Extremismus

  1. Islamischer Extremismus: Ein Land oder eine Region dem «Haus des Islam» einverleiben, wenn nötig mit Zwang und Anwendung von Gewalt.
  2. Religiöser Nationalismus: Ein Staat oder eine Region einer Religion unterwerfen: dem Hinduismus, Buddhismus, ultraorthodoxen Judentum oder anderen.
  3. (Wegen seiner Prävalenz wird der radikale Islam gesondert aufgeführt.)
  4. Exklusives Stammesdenken: Die Vorrangstellung von ethnisch-religiösen Traditionen oder überlieferten Kulten aufrechterhalten. Konfessionelles Anspruchsdenken: Eine traditionelle Mehrheitskirche als einzig anerkannte christliche Religionsgemeinschaft durchsetzen.

B) Staatsideologie

  1. Kommunistische Unterdrückung: Der Kommunismus wird zur ausschließlichen Staatsideologie.
  2. Säkulare Intoleranz: Religiöse Konzepte sollen aus dem öffentlichen Leben und dem individuellen Denken beseitigt werden.

C) Missbräuchliche Systeme

  1. Diktatorische Paranoia: Festhalten an der absoluten Macht, auch ohne zwangsläufig andere Ziele zu verfolgen.
  2. Systematische Korruption: Ein System von Anarchie, Gesetzlosigkeit und Korruption schaffen mit dem Ziel der eigenen Bereicherung.

In zahlreichen Ländern überschneiden sich die verschiedenen Triebkräfte, die zur Verfolgung führen bzw. eine vorherrschende Triebkraft begünstigt die Entwicklung von anderen Verfolgungsmechanismen.
 

Akteure oder Urheber von Verfolgung

Die eigentlichen Urheber von Verfolgung sind Gruppen oder Einzelpersonen, die von den oben genannten Kräften angetrieben werden. Der WVI erfasst elf Kategorien, die sich teilweise überschneiden bzw. verschiedene Akteure können sich zusammenschließen, um die Dynamik der Verfolgung in Gang zu setzen. Mit Ausnahme der Kategorie «Behörden» können die Akteure ziemlich genau identifiziert werden.

  • Lokale, nationale oder Provinz-Behörden
  • Anführer von militanten Gruppierungen oder Clans
  • Geistliche nichtchristlicher Religionen
  • Geistliche christlicher Glaubensgemeinschaften
  • Fanatische und extremistische Bewegungen
  • Anführer aus der Zivilgesellschaft oder Menschenansammlungen
  • Familien und Familienverbände
  • Lokale oder nationale politische Parteien
  • Aufständische oder paramilitärische Gruppen
  • Kartelle, Clans und Netzwerke des organisierten Verbrechens
  • Geheime Organisationen und Gesellschaften

Bei all diesen christenfeindlichen Systemen, Triebkräften und Akteuren von Verfolgung steht das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt. Christen oder andere Einzelpersonen und Gruppen, die sich nicht unterwerfen, können Opfer von Verfolgung werden.

Der WVI zeigt, dass Christen in keiner Kategorie ausdrücklich Zielscheibe der Verfolgung sind. Möglicherweise steht bei allen ausschließlich das Streben nach absoluter Macht im Mittelpunkt.
In einer solchen Situation wäre es ratsamer, sich dieser zu beugen und möglichst nicht aufzufallen. Das steht jedoch im Gegensatz zum fundamentalen Glauben der Christen, dass absolute Macht keine irdische ist. Diese Haltung zeigt sich im öffentlichen sowie im privaten und familiären Umfeld und kann von möglichen Urhebern von Verfolgung als Herausforderung oder Provokation aufgefasst werden.
 

Analyse der Glaubensfreiheit in den fünf Lebensbereichen
 
Der Fragenkatalog folgt der Annahme, dass ein Christ sein Glaubensleben in fünf sich überschneidenden Sphären lebt:

  • Privatleben: Versucht der Verfolger die persönliche Intimsphäre zu besetzen und missachtet damit die Gedanken- und Gewissensfreiheit?
  • Familienleben: Versuchen Staat oder Angehörige einen Christen innerhalb seiner Familie an der Ausübung des Glaubens zu hindern?
  • Soziales Leben: Werden Christen in ihrem Lebensumfeld wegen ihres Glaubens bedroht oder daran gehindert, ihn auszuüben?
  • Zivilleben: Kontrolliert der Staat das Leben seiner Bewohner, sind Christen frei oder zu Bürgern zweiter Klasse deklassiert?
  • Kirchliches Leben: Haben Christen die Freiheit, ihren Glauben in einer Gemeinschaft zu leben und auszudrücken?

Ein sechster Abschnitt steht unter dem Titel «körperliche Gewalt». Dieser Bereich überschneidet sich mit den anderen; er wird zu Analyse- und Kommunikationszwecken getrennt betrachtet. Gewalt wurde in der für den WVI 2017 maßgeblichen Zeitspanne zwischen dem 1. November 2015 und 31. Oktober 2016 untersucht. Sie kann in jedem Bereich auftreten.
 

Verfahren von der Vorausscheidung bis zum definitiven Index

Die Vorausscheidung der unter Beobachtung stehenden Länder erfolgt mit einem Schnellanalyseverfahren, dem «Rapid Appraisal Tool». Es gleicht Ergebnisse von Internetrecherchen mit verschiedenen Quellen ab. Je nach Resultat werden zusätzliche Feinuntersuchungen mit den Instrumenten «World Watch Survey» oder «Vulnerability Assessment Tool» vorgenommen. Wenn das Ergebnis einer oder mehrerer Analysen die Notwendigkeit einer vertieften Untersuchung bestätigt, werden die internen und externen Fachleute mit der Bewertung der betroffenen Länder mittels einem für den WVI ausgearbeiteten Fragebogen beauftragt.

Anhand der zusammengetragenen Daten wird eine Punktzahl ermittelt, die es ermöglicht, die betroffenen Länder nach Schweregrad der Verfolgung zu erfassen und aus den 50 Ländern, in denen die Christen am meisten verfolgt werden, die Reihenfolge auf dem Weltverfolgungsindex zu ermitteln.
 

Darstellung des Verfolgungsgrades im WVI-Raster

Das Ausmaß der Verfolgung wird im Raster des WVI mit verschiedenen abgestuften Farben dargestellt. Zuoberst im Index befinden sich die Länder, in denen die Christen am stärksten unter Verfolgung zu leiden haben.

  1. Absolute Verfolgung: Länder mit einem Wert von über 85 Punkten im Verfolgungsindex
  2. Extreme Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 71 und 85 Punkten
  3. Schwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 56 und 70 Punkten
  4. Mittelschwere Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 41 und 55 Punkten
  5. Gelegentliche Verfolgung: Länder mit einem Wert zwischen 26 und 40 Punkten

Die Reihenfolge erlaubt es lediglich, die einzelnen Länder miteinander zu vergleichen. Eine Veränderung im Rang von einem Jahr zum anderen bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Verschlechterung oder Verbesserung der Situation der Christen im betreffenden Land. Hingegen kann aus der Veränderung der erreichten Punktzahl von einem Jahr zum anderen eine gewisse Entwicklungstendenz für ein Land ermittelt werden.
 

Definition der Schlüsselbegriffe für die WVI-Recherche

Ein Christ ist: «jede Person, die sich selbst als Christ identifiziert oder zu einer christlichen Gemeinschaft gehört, die auf die historischen Bekenntnisse der Kirche gründet.»

Verfolgung ist: «jegliche Form von Anfeindung oder Benachteiligung, die ein Christ wegen seines Glaubens an Christus erfährt. Das können feindselige Haltungen, Aussagen und Taten sein, die von außerhalb oder auch innerhalb der christlichen Gemeinschaft herrühren.»

Die Karte zum Weltverfolgungsindex gibt Ihnen einen Überblick über die Länder, in welchen die Situation für Christen derzeit am schlimmsten ist. Die aktuelle Weltverfolgungskarte können Sie hier im PDF-Format herunterladen.

>>Weltverfolgungskarte herunterladen

Erfreulicherweise fallen die rapportierten Zahlen 2017 sehr viel tiefer aus als noch in der Vergleichsperiode zum WVI 2016. Besonders die Tötungen sind zurückgegangen. Wurden im Vorjahr noch 7106 Morde gezählt, waren es im aktuellen Berichtsjahr 1207 Menschen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden. Auch die Anzahl attackierter Kirchen ist rückläufig, sie sank von 2425 Angriffen auf 1329 Attacken.

>>Die Zahlen der Verfolgung

 

 

 

1

Noch immer ist Nordkorea das Land mit den schwierigsten Bedingungen für Christen ihren Glauben auszuleben. Die Hoffnungen auf eine gewisse Öffnung durch den neuen Machthaber, haben sich nicht erfüllt. Kim Jong-Un führt die Politik seines Vaters und Grossvaters weiter und regiert sein Land mit eiserner Hand. In seinen Augen ist und bleibt der christliche Glaube ein schädliches Gedankengut aus dem Westen.

2

Die somalische Verfassung schreibt den Islam als Staatsreligion vor und die muslimischen Clanchefs sagen in aller Offenheit, dass in Somalia das Christentum keinen Platz habe und sie jedes Kirchengebäude, jede kirchliche Gemeinschaft zerstören und jeden Christen umbringen werden.

Jeder Glaubenswechsel ist nach dem Gesetz der Scharia illegal. Ein Somalier, der zum Christentum konvertiert, gilt als Verräter. Der Besitz von christlicher Literatur oder nur schon den eigenen Kindern etwas über Jesus Christus zu erzählen, zieht die Todesstrafe nach sich, wenn es bekannt wird. Und seine muslimische Herkunft zwingt ihn, seinen neuen Glauben in aller Heimlichkeit auszuüben, denn alle, die gegen ihn als Christen vorgehen, können vor dem Staat mit Straffreiheit rechnen.

3

Seit Jahrhunderten ist die zentralasiatische Region ein Unruheherd. Afghanistan macht da keine Ausnahme. Zehn Jahre nach dem Fall der Taliban hat sich die allgemeine Lage im Land wieder verschärft. Es gibt keinerlei Religionsfreiheit für die einige Tausend Menschen zählenden christliche Minderheit. Die Präsidentenwahlen im Juni 2014 haben da keine Veränderungen gebracht. Ein Afghane ist automatisch Muslim, ein Glaubenswechsel völlig undenkbar. Die soziale Kontrolle ist in allen Bereichen des täglichen Lebens gross und allgegenwärtig.

4

Seit 2014 lässt sich eine zunehmende Konkurrenz zwischen den radikalen Muslimgruppen Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und der Taliban beobachten. Das führt zu einer Radikalisierung der gesamten Gesellschaft Pakistans und Beobachter sprechen mittlerweile von einer «Talibanisierung» der pakistanischen Gesellschaft. Der Druck auf die Christen, der zur Hauptsache von den Koranschulen, den sogenannten Madressen, ausgeht, ist gross. Man vermutet, dass von den 35 000 Madressen im Land rund 11 000 in ihrer theologischen Ausrichtung völlig radikalisiert sind. Im Januar 2016 schloss die Regierung 182 Koranschulen.

5

Der Sudan ist eines der wenigen Länder, das seit der ersten Veröffentlichung des Weltverfolgungsindex im Jahr 1993, jedes Jahr auf dem Index erscheint. Der Glaubenswechsel (oder die Apostasie) ist unter Todesstrafe verboten und Christen sind Menschen zweiter Klasse. Obwohl die Verfassung die Religionsfreiheit zwar garantiert, verlangen die meisten Gesetze eine strikte Anwendung der Scharia, d.h. des islamischen Rechtes, wie es der Koran vorschreibt. Es ist der absolute Wille der Regierung, ein Land zu schaffen mit einer Religion, einer Kultur und einer Sprache.