Open Doors Schweiz
EMBARGOED - 26 CPA Underground

The day of the police raid, Jinyi’*s world turned upside down.

4 minuten

ZeugnisChina

Jinyi, ein Glaube, der im Untergrund standhält

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Untergrundkirche

Nachdem ihre Hauskirche aufgelöst worden war, hätte Jinyi aufgeben können. Dennoch unterstützt sie trotz aller Risiken weiterhin junge gläubige im Verborgenen.

Jinyis* schlimmste Befürchtungen drohten wahr zu werden. Die Schritte vor dem Raum liessen keinen Zweifel offen. Jinyi warf einen Blick auf die Jugendlichen, die noch wenige Augenblicke zuvor voller Freude Gott gepriesen hatten. Plötzlich öffnete sich die Tür. Chinesische Polizisten stürmten in den in Dunkelheit getauchten Raum. Aus den Lobliedern wurde
augenblicklich Panik.

An jenem Sonntagmorgen wurden die rund hundert anwesenden Christen festgenommen. Mehrere Personen wurden eine ganze Woche lang inhaftiert. Zhang*, Jinyis Ehemann und Leiter der Hausgemeinde, wurde zu dreieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 60'000
Renminbi (etwa 7250 Franken) verurteilt. Innerhalb weniger Minuten wurde die Hausgemeinde von Jinyi und Zhang aufgelöst. Und Jinyis Welt brach zusammen.

Mit ihrem Mann im Gefängnis konnte Jinyi ihre Kinder nicht mehr versorgen. In ihrer Verzweiflung wandte sie sich an die örtlichen Kirchen,
um um Hilfe zu bitten. Doch statt Unterstützung zu erhalten, wurde sie abgewiesen. Dabei hatte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann jahrelang in der Studentenarbeit engagiert. Die Christen in ihrem Umfeld fürchteten sich vor den Behörden und wollten nichts mit ihrer Situation zu tun haben.

«In meinem Herzen fühlte ich mich verraten, verletzt und enttäuscht.»

Im Stich gelassen, als sie am meisten Hilfe gebraucht hätte

Im Laufe der Tage und Wochen nahmen ihre Verwirrung und ihre Traurigkeit zu: «Ich zweifelte an meiner Stärke und fing sogar an, Gott
in Frage zu stellen», erinnert sie sich. «Ich rang mit meinem Glauben und zog mich schliesslich in die Stille zurück.» Zum Glück begleiteten sie Partner von Open Doors durch diese schwere Zeit. Jinyi gewann nach und nach wieder Kraft. «Ich begann, an die jungen Erwachsenen zu denken, die früher an unseren Versammlungen teilnahmen», erzählt sie. «An diese jungen Menschen, die, von Angst getrieben, wie verlorene Schafe ohne Hirten auseinandergetrieben worden waren.»

Jinyi lagen diese jungen Menschen besonders am Herzen, da sie selbst als Studentin zum Glauben an Jesus gefunden hatte. Die Studierenden auf ihrem Weg im Glauben zu begleiten, wenn sie zu jungen Erwachsenen wurden, war für sie mehr als ein Engagement: Es war eine Berufung, der sie ihr ganzes Leben widmete. Nachdem die Polizei eingriff und
sie diese jungen Menschen, die sie und ihr Mann geistlich begleitet hatten, nicht mehr sehen, hören oder begleiten konnte, hat sie das emotional, körperlich und geistlich zutiefst mitgenommen.

«Selbst in dieser Einsamkeit kämpfte ich dafür, durchzuhalten.»

Jinyis Geschichte ist leider bei weitem kein Einzelfall in China, wo der Staat seine Kontrolle über die Kirche verschärft. Die Behörden verstärken ihre Bemühungen, Hauskirchen aufzuspüren, zu überwachen und zu bestrafen. Um der Überwachung zu entgehen, müssen sich diese in kleine Gruppen aufteilen und in den Untergrund gehen.

Eine Berufung, die in der Not wieder aufflammt

Ein Gemeindeleiter erklärte uns: «Jeder kennt Jinyis Situation, aber niemand wagt es, sich einzumischen. Vor einigen Jahren gab es in dieser Region fünf Gemeinden. Heute gibt es nur noch eine einzige, von der Regierung anerkannte Kirche. Die Hausgemeinden bleiben diskret und im Untergrund. Die Überwachung ist allgegenwärtig, und die chinesische Regierung erlässt Gesetze, die das Wachstum der Kirche eindämmen sollen. Für Minderjährige unter 18 Jahren ist es sogar illegal, einer Religion
anzugehören.

Seit Kurzem trifft sich Jinyi mit Jugendlichen zu Einzelgesprächen, um ihnen Mut zu machen. Denn trotz der Erschöpfung und der Risiken weiss Jinyi, dass sie für diejenigen da sein muss, die Gott ihr und ihrem Mann anvertraut hat.

«Die Berufung, die ich einst von Gott erhalten hatte, ist in mir wieder aufgeflammt. Ich wusste, dass ich diesen Jugendlichen helfen musste, fest im Herrn verankert zu bleiben.»

Im Gefängnis freute sich Zhang zu hören, dass Jinyi sich weiterhin um diese «kleinen Lämmer» kümmerte, die sie gemeinsam begleitet hatten. Einige von ihnen haben inzwischen begonnen, selbst Bibelkreise zu leiten. Andere haben ihr Zuhause für Jugendtreffen geöffnet.

Wie eine Pflanze, die wächst

Heute begleitet Jinyi in zehn kleinen Untergrundgruppen mehr als 70 junge Menschen. Jinyi ist sich bewusst, dass sie mit diesem neuen Untergrunddienst enorme Risiken eingeht. Doch selbst mitten in der Verfolgung wächst der Glaube weiter – wie ein verletzlicher Samen, der in die Erde gesät wird und in Christus Wurzeln schlägt, um Frucht zu bringen.

Dank Ihrer Unterstützung können unsere Partner Christen im Untergrund wie Jinyi besuchen und sie in ihrer Isolation begleiten. Für sie war diese Nähe von unschätzbarem Wert, gerade als viele Kirchen ihr den Rücken
gekehrt hatten. «Es gab unzählige Momente, in denen ich aufgeben wollte», gesteht Jinyi. «Als Leiterin fühle ich mich isoliert. Aber eure Unterstützung und Ermutigung helfen mir, mich weniger allein und weniger ängstlich zu fühlen.»

*Name aus Sicherheitsgründen geändert

Beten wir mit Jinyi

  • Beten wir für Jinyi, ihre Familie und ihren Dienst, damit Gott sie in ihrer Berufung stärkt. Möge er ihr Weisheit und Erkenntnis schenken, damit sie den Studenten- und Jugendgruppen dienen kann.
  • Beten wir für die Untergrundgemeinden, die sich mutig in ganz China versammeln: Wie Bäume, die am Wasser gepflanzt sind (Jeremia 17,8). Beten wir, dass sie im Strom des Herrn Wurzeln schlagen und von seinem Wort gestärkt werden. Bitten wir Gott, ihnen die Kraft zu geben, in ihrem Glauben zu wachsen und das Evangelium weiterhin mit anderen zu teilen.
  • Beten wir um Ausdauer und Schutz für die Gemeindeleiter und die inhaftierten Christen. Möge Gott sie trösten, ihnen Kraft geben und für die Bedürfnisse ihrer Familien sorgen.
  • Beten wir für den Präsenzdienst von Open Doors, dass er vom Heiligen Geist geführt, auf der Wahrheit gegründet und von Gottes Liebe erfüllt ist, damit er Christen im Untergrund wie Jinyi helfen kann.