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Am 1. und 8. November 2026 rufen Kirchen aus aller Welt anlässlich des Sonntags der verfolgten Kirche (SVK) zum Handeln und zum Gebet auf.
Der Sonntag der verfolgten Kirche (SVK) macht auf die Realität der Christenverfolgung weltweit aufmerksam. Jedes Jahr lädt der SVK die Kirchen in der Schweiz dazu ein, sich ein besseres Bild von der Lage der Christen in drei Ländern zu machen, in denen Verfolgung herrscht. In diesem Jahr sind dies Nigeria, Syrien und Zentralasien.
Burgdorf, 27. Oktober 2026 – Gemäss dem Weltverfolgungsindex von Open Doors, einer Hilfsorganisation für verfolgte Christen, sind derzeit mehr als 388 Millionen Christen aufgrund ihres Glaubens starker Verfolgung oder Diskriminierung ausgesetzt. Das ist jeder siebte Christ weltweit.
Jedes Jahr im November sind die Kirchen in der Schweiz aufgerufen, für die verfolgte Kirche weltweit zu beten, die Ungerechtigkeit, unter der sie leidet, anzuprangern und sich zu informieren. Diese Aktion findet ausserdem in fast 150 weiteren Ländern statt, sodass sich Christen auf der ganzen Welt für die verfolgte Kirche einsetzen.
Die fünf ehemaligen Sowjetrepubliken im Herzen Zentralasiens gehören alle zu den TOP 50 der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Usbekistan (Platz 25) und Tadschikistan (Platz 27) führen die Liste in der Region an, gefolgt von Turkmenistan (Platz 35), Kirgisistan (Platz 40) und Kasachstan (Platz 45). Diese fünf Länder teilen eine gemeinsame Geschichte innerhalb der Sowjetunion. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der darauffolgenden Unabhängigkeit durchliefen sie eine Phase wirtschaftlicher und politischer Instabilität. Die Menschen lebten ihren Glauben frei aus, christliche Kirchen entstanden und konnten sich nach der Unterdrückung in der Sowjetzeit endlich frei entfalten.
Nachdem sich die nationalen Regierungen etabliert hatten, reagierten sie auf diese Entwicklungen mit der Verabschiedung neuer Gesetze, die jegliche religiöse Missionsarbeit einschränkten, sei sie nun christlicher oder muslimischer Natur. Zahlreiche protestantische Kirchen gingen in den Untergrund, da die offizielle Registrierung mit erheblichen Hindernissen verbunden war. Ab 2010 begann sich die Politik in Bezug auf Wirtschaft und Religionsfreiheit zu liberalisieren.
Mit dem daraus resultierenden wachsenden Einfluss des Islam, insbesondere innerhalb der indigenen Bevölkerung der Turkstaaten, hat sich der Ursprung der Verfolgung und Diskriminierung von Christen verlagert: Sie geht nicht mehr ausschliesslich vom Staat aus, sondern zunehmend von der Gesellschaft, insbesondere von der Familie, dem sozialen Umfeld und religiösen Führern, die die Bevölkerung dazu anstacheln, sich gegen die Christen zu stellen. Am stärksten betroffen sind Christen mit muslimischem Hintergrund, insbesondere neue Konvertiten. Sie sind sowohl familiärer als auch gesellschaftlicher Verfolgung ausgesetzt, die in ländlichen Gebieten besonders schwerwiegend ist. Dort kann ihre Konversion zu Ablehnung und Feindseligkeit aus ihrem Umfeld führen. Da die orthodoxe Kirche hingegen keine aktive Missionstätigkeit ausübt, wird sie in der Regel weder von der Regierung noch von der Gesellschaft verfolgt.
Usbekistan ist das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens; daher ist dort auch die Zahl der Christen am höchsten. Christen sind dort mit Einschränkungen der Religionsfreiheit konfrontiert, insbesondere mit dem Verbot der Glaubensverkündigung und Schwierigkeiten bei der Registrierung von Gemeinden. Dadurch müssen sie mit Razzien, Verhaftungen, Drohungen und Geldstrafen rechnen.
In Tadschikistan sind afghanische Christen, die dort Zuflucht gesucht haben, besonders von der Gefahr einer Abschiebung an die Grenze bedroht. In Afghanistan müssten sie unter dem Taliban-Regime aufgrund ihres Glaubens mit Verfolgung, Folter oder sogar dem Tod rechnen.
In Turkmenistan setzt das autoritäre Regime restriktive Gesetze und eine strenge Kontrolle religiöser Aktivitäten durch, wodurch Christen einer Überwachung durch die Religionsbehörden sowie Einschränkungen hinsichtlich christlicher Materialien ausgesetzt sind. Die Kirche hat ihre Aktivitäten eingeschränkt. Dadurch ist die Zahl der Verfolgungsfälle zurückgegangen, was jedoch nicht bedeutet, dass der Druck nachgelassen hat: Die Lage bleibt für Christen angespannt, insbesondere für Protestanten und Konvertiten mit muslimischem Hintergrund.
In Kirgisistan haben russisch-orthodoxe Christen in der Regel kaum Schwierigkeiten, insbesondere in den grossen Städten. Konvertiten vom Islam zum Christentum hingegen – seien sie nun orthodox oder protestantisch – sind starkem Druck ausgesetzt, vor allem in Dörfern mit muslimischer Mehrheit, wo sie geschlagen, unter Hausarrest gestellt oder von ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen werden können. Seit dem Religionsgesetz vom Februar 2025 bedarf jede religiöse Aktivität einer vorherigen Genehmigung, und für die Registrierung einer Glaubensgemeinschaft sind 500 Unterschriften von Mitgliedern erforderlich, was für viele Kirchen kaum zu bewältigen ist. Dadurch werden die Einschränkungen der Religionsfreiheit weiter verschärft.
Das Gleiche gilt für Kasachstan. Das Land hat eine relativ säkulare Regierung, die den Islam nicht aktiv unterstützt. Der Islam nimmt zwar einen historischen Platz in der Kultur ein, bestimmt aber nicht die Politik. Allerdings müssen Kasachen mit muslimischem Hintergrund, die zum Christentum konvertiert sind, in ländlichen Gebieten mit Verfolgungen rechnen. Nicht-traditionelle protestantische Christen sind häufig Ziel von Polizeirazzien in ihren Kirchen und können wegen «Anstiftung zu religiösem Unfrieden» inhaftiert werden.
Der Sonntag der verfolgten Kirche (SVK) ist ein gemeinsames Projekt der sieben Organisationen, die Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit (AGR) der Schweizerischen Evangelischen Allianz bilden. Diese Initiative ist ein schönes Beispiel dafür, was wir erreichen können, wenn wir unsere Kräfte vereinen.
Angesichts dieser Verfolgung setzt sich die AGR dafür ein, Kirchen und Christen in der Schweiz zu sensibilisieren und zu mobilisieren. Sie ruft dazu auf, verfolgten Christen eine Stimme zu geben und für jene zu beten, die ihren Glauben aufgrund eingeschränkter Religionsfreiheit nicht frei leben können.
«Bei meinen Begegnungen mit Christen aus Zentralasien wird mir bewusst, dass Christus allein ausreicht, wenn die Prüfung unüberwindbar erscheint. Sie lassen sich von der Verfolgung nicht lähmen, auch wenn die Auswirkungen auf ihr Leben real sind und manchmal eine völlige Umwälzung bedeuten. Lasst uns daher am Sonntag der verfolgten Kirche Mitgefühl für ihr Leiden zeigen und uns zugleich über ihre Standhaftigkeit freuen»
— sagt Philippe Fonjallaz, Leiter von Open Doors Schweiz und Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit (AGR) der Schweizerischen Evangelischen Allianz