12.10.2020 /
Ägypten
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Ägypten: 68-jähriger Christ von bewaffneten Personen entführt

Am 4. August wurde in Ägypten ein 68-jähriger christlicher Kaufmann vor den Augen mehrerer Mitglieder seiner Familie entführt.

Am Abend des 4. August wartete Bakhit Aziz Georgi in seinem kleinen Laden auf seine letzten Kunden des Tages. Plötzlich betrat ein maskierter, mit einer Kalaschnikow bewaffneter Mann den Laden. Dann richtete er seine Waffe auf Bakhit und zwang den alten Mann, ihm zu folgen. Ein zweiter Entführer packte Bakhit am Arm und zerrte ihn auf die Strasse.

Vor dem Laden sah sein Neffe Youssef Samaan Girgis wie sein Onkel in einen Pick-up gezerrt wurde. Der 35-jährige Familienvater eilte auf die Entführer zu und flehte sie an, aufzuhören. Diese verlangten nach seinem Personalausweis. Jeder ägyptische Personalausweis weist die Religion seines Inhabers aus. Als die Kidnapper erkannten, dass auch Youssef ein Christ ist, wurde auch er verschleppt.

Niemand half

Bakhits Tochter Mariam (21) schritt ebenfalls ein. «Ich flehte die Entführer an, meinen Vater freizulassen.» Doch diese sagten nur knapp: «Nein!» Sie wandte sich an ihren Vater, dass er aussteigen soll, doch dieser schubste sie weg und sagte, dass sie sich in Sicherheit bringen solle. «Es waren noch andere Leute auf der Strasse, aber niemand hat geholfen. Ich konnte nichts anderes tun als weinen.»

Familie schon 2016 von Entführung betroffen

Die gesamte Szene wurde von den Sicherheitskameras des Ladens gefilmt und aufgezeichnet. Einer von Bakhits Söhnen, Ramzy, sah sich das Video an, aber er erkannte die Angreifer nicht. «Es sind keine Leute aus dem Dorf. Wir sind die einzige christliche Familie im Ort und wir haben immer in Frieden mit unseren muslimischen Nachbarn gelebt», sagt Ramzy.

Es hat mehrere solcher Vorfälle gegeben, die Christen in Ägypten zum Ziel hatten. Die Familie von Bakhit war bereits einmal das Ziel einer solchen Tat: Im Juli 2016 wurde einer der Söhne von Bakhit, Osama, entführt. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden. «Als Osama entführt wurde, fühlten wir uns in Gefahr, aber mein Vater weigerte sich immer, die Region zu verlassen, bis Osama zu uns zurückgebracht würde», sagte Ramzy.

Die Polizei tut nichts

Als Osama entführt wurde, unternahm die Polizei nichts, um sein Verschwinden zu untersuchen. Eines der Familienmitglieder, das anonym bleiben will, glaubt, dass diese Untätigkeit der Polizei zu einer erneuten Straftat der Entführer führte. «Es wurde nichts unternommen, um die Entführten zu suchen. Hätte die Polizei bei der ersten Entführung gehandelt, hätte es die zweite nie gegeben. Und wenn die Polizei immer noch nichts gegen diesen neuen Vorfall unternimmt, könnten auch andere Christen entführt werden.»

Youssef freigelassen

Youssef wurde am 20. August lebend gefunden. Aber von Bakhit und Osama fehlt noch immer jede Spur. Die Familie macht sich grosse Sorgen, zumal Bakhit Diabetiker ist und seine Medikamente nicht erhält.