09.07.2021 /
Algerien
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Algerien: Drei Kirchen geschlossen, ein Pastor verurteilt

In Algerien übt die Regierung mit der Schliessung von drei Kirchen und der Verurteilung eines Pastors weiterhin Druck auf protestantische Christen aus.

Am 4. Juni hat ein algerisches Gericht die Schliessung von drei neuen Kirchen im Norden des Landes angeordnet: Zwei in Oran und eine dritte in El Ayaida, 35 Kilometer östlich der Hauptstadt der Kabiley. Am 6. Juni wurde auch ein Pastor, der eine dieser Kirchen leitet, zu einer einjährigen Gefängnisstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von etwa 1400 Schweizer Franken verurteilt. Die beiden Christen werden vor dem Obersten Gerichtshof Berufung einlegen.

Insgesamt 16 Kirchen geschlossen

Pastor Rachid Seighir, der auch eine Schreibwaren- und Buchhandlung besitzt, verkaufte christliche Bücher, die laut Behörden die Gefahr darstellten, «den Glauben der Muslime zu erschüttern». Ein Vergehen, das nach algerischem Recht strafbar ist. Er und sein Assistent wurden verurteilt. Im Februar wurden beide wegen Proselytismus zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt.  

Die Kirchen, die gezwungen wurden, ihre Türen zu schliessen, hatten bereits die gleiche Aufforderung erhalten. Im Juli 2020 hatten die Behörden sie aufgefordert, ihre Aktivitäten einzustellen. Aber sie haben sich nicht daran gehalten.

Bereits 16 Kirchen geschlossen

Diese willkürlichen Schliessungen sind ein Grund zur Sorge für algerische Christen. Nach Angaben der Weltweiten Evangelischen Allianz wurden seit November 2017 13 Kirchen geschlossen. Mit diesen drei neuen Schliessungen erhöht sich die Zahl auf 16.

Die UN schlägt Alarm

Im Dezember 2020 hatten drei UN-Sonderberichterstatter Alarm geschlagen. In einem Brief an die algerische Regierung beklagten sie: «Heute sind 49 Gotteshäuser und Kirchen von der Schliessung bedroht. Dies läuft auf eine Kampagne hinaus, die schwerwiegende Folgen für die Rechte der protestantischen christlichen Minderheit auf freie Meinungsäusserung und Ausübung ihrer Religion hätte.»
Die UN-Berichterstatter erinnerten die Regierung auch an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen. Sie äusserten sich besorgt über «Akte der Repression und Einschüchterung, die von den Behörden des Landes gegen protestantische Kirchgänger und Leiter verübt werden.»

Automatisch legalisiert

Die geschlossenen Kirchen gehören grösstenteils zur protestantischen Kirche von Algerien. Diese religiöse Vereinigung hat mehrmals versucht, sich bei den Behörden zu registrieren. Vergeblich. Nach algerischem Recht gelten diese Kirchen jedoch als automatisch registriert, wenn die Regierung nicht innerhalb der gesetzten Frist reagiert. Sie befinden sich daher de facto in Übereinstimmung mit dem Gesetz. Dies verhindert jedoch nicht die immer wiederkehrenden administrativen Schliessungen unter verschiedenen Vorwänden.